Suf der Straße zur Metzgermeile hin geht es chaotisch zu: Radler, Fußgänger und Fahrzeuge kämpfen hier um ihr Revier - weil die Verkehrsregelung mangelhaft ist, wie viele Münchner meinen.
München – Halt, stehen bleiben! Verwirrt steigt ein junger Mann von seinem E-Scooter. Er fragt die Kontrolleure, was er falsch gemacht hat. Man erklärt es ihm: Er darf hier gar nicht fahren, am Viktualienmarkt, der Verbindungsstraße zwischen Tal und Schrannenhalle. Sie ist Münchens Chaos-Meile: Radler, Taxler, Scooterfahrer und Fußgänger kommen sich hier regelmäßig in die Quere. Und keiner weiß, wer eigentlich was darf.
1163 Verwarnungen in diesem Jahr: Kreisverwaltungsreferat erklärt
Eigentlich nämlich, so sagt das zuständige Kreisverwaltungsreferat, ist die Straße als Fußgängerzone beschildert, mit der Lieferverkehrszeit bis 12.45 Uhr. Allerdings gelten verwirrende Ausnahmen: „Radfahren ist von beiden Seiten auf der abgesenkten Verkehrsfläche erlaubt. Taxen dürfen nur vom Rosental aus durchfahren, vom Tal aus ist für Linienbusse frei“, so ein KVR-Sprecher. Für E-Scooter sei das Durchfahren laut Beschilderung gar nicht erlaubt. Das Schild allerdings ist wegen der vielen Fußgänger oft nur schlecht zu erkennen…
Und weil die Münchner nicht so recht durchblicken, hagelt es Verwarnungen. Vom 1. Januar bis dato hat das KVR 1163 kostenpflichtige Verwarnungen erteilt. 90 Prozent davon an Pkw, Krafträder und E-Scooter für „verbotswidriges Befahren der Fußgängerzone“. Fahrer von Autos und Krafträdern zahlten dafür je 50 Euro Bußgeld, E-Scooter-Piloten 15 Euro. Einige Verwarnungen gingen demnach auch an Taxen und Radfahrer, weil sie „schneller als Schrittgeschwindigkeit“ fuhren (15 Euro Bußgeld).
Stadträtin weist auf Gefahr hin: Falsche Navis verschärfen Situation
Gefährlich ist das Chaos obendrein. Erst kürzlich twitterte Münchens SPD-Fraktionschefin Anne Hübner: „An keinem Ort in der Münchner Altstadt ist es für Menschen zu Fuß so gefährlich wie hier. Obwohl am Viktualienmarkt Fußgängerzone ist, radeln die Radler rücksichtslos durch.“ Andere Twitter-Nutzer kritisieren das Fahrverhalten der Taxi- und Busfahrer sowie Lieferanten und verteidigen die Radler. Viele plädieren für ein neues Verkehrskonzept. Das benachbarte Tal wird bald zur Fußgängerzone, auch für den Viktualienmarkt wird immer wieder ein komplettes Bus-, Taxi- und Radlverbot gefordert.
Das Mobilitätsreferat erklärt auf Anfrage: „An uns wurde zuletzt herangetragen, dass verstärkt nicht berechtigter Verkehr durch die Zone fahre.“ Tatsächlich sei auf der Seite Rosental/Prälat-Zistl-Straße eine Zonentafel entwendet worden. Ersatz sei beauftragt worden. Auch an die Polizei seien Beschwerden herangetragen worden. „Demnach könnte das Problem an der aktuellen Verkehrsführung der Großbaustelle am Sendlinger Tor liegen, wodurch mehr Verkehr Richtung Altstadt geleitet wird,“ heißt es weiter. Man habe mit einer klareren Umleitungsbeschilderung nachgebessert. Als weiterer Grund sei seitens der Polizei genannt worden, dass Anbieter von Kartendiensten (etwa Google Maps) den Viktualienmarkt nicht als Fußgängerzone ausweisen. „Unabhängig davon wird das Mobilitätsreferat prüfen, ob an der „Kustermannfahrbahn“ etwas hinsichtlich Beschilderung oder Kennzeichnung verbessert werden kann.“
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