Geretsried/Wolfratshausen - Die Brüder Vogl haben die Firma "Air Bavarian" gegründet. Für ihre Drohnen-Aufnahmen gelten strenge Spielregeln.
Auf dem Parkplatz der Böhmwiese ist ein rot-weißes Flatterband gespannt. Dahinter stehen die Brüder Marinus und Kilian Vogl und bringen einen Quadrocopter in Stellung. Marinus (20) schaltet das Steuerungsgerät ein. Vier kleine Propeller setzen sich in Bewegung. Ein leichter Wind kommt auf. Schnurrend hebt die Drohne vom Boden ab, saust ein Stück nach Süden und bleibt dann am Himmel stehen.
Der 20-Jährige legt den Kopf in den Nacken und lässt den „Inspire“ nicht aus den Augen. Kilian Vogl (18) steht daneben und schaut auf den Bildschirm. Eine Kamera liefert gestochen scharfe Aufnahmen vom Karl-Lederer-Platz und der Egerlandstraße. „Ein bisschen höher“, dirigiert Kilian seinen Bruder. Dann wählt er den Ausschnitt und drückt auf den Auslöser. Das erste Foto vom Stadtzentrum ist im Kasten. Im Auftrag unserer Zeitung machen die Wolfratshauser Brüder an diesem Tag Luftaufnahmen von Geretsried.
Marinus Vogl war schon als Kind ein Technikfreak. „Aus den Bausteinen eines PlayStation-Controllers entstand vor knapp zehn Jahren meine erste Steuereinheit“, erzählt der 20-Jährige. Damit war der Grundstein für seinen ersten selbstentwickelten Quadrocopter gelegt. Nach acht Jahren, in denen er unzählige Stunden weitertüftelte, bot der Wolfratshauser seine Flug- und Filmdienste am Markt an und bekam auch gleich eine Festanstellung bei Bartsch Immobilien. „Von 2013 bis Anfang 2015 erstellte ich über 100 fertig geschnittene Videos von Immobilien“, berichtet Marinus Vogl.
In diesem Jahr hat sich der 20-Jährige selbstständig gemacht und mit „Air Bavarian“ seine eigene Firma gegründet. Wegen des steigenden Bedarf holte er seinen Bruder mit ins Boot. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, sagen die beiden stolz. Marinus ist der Pilot, Kilian der Kameramann, zuständig für die Video- und Bildbearbeitung.
Inzwischen ist der Akku der Drohne zu zwei Dritteln aufgebraucht. Mit 20 Metern pro Sekunde lässt Marinus Vogl den „Inspire“ für uns über die Böhmwiese fliegen. 3,5 Kilogramm wiegt das Gerät. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 80 Kilometer pro Stunde. Die Reichweite beträgt zwei bis vier Kilometer. „Wir fliegen immer in Sichtweite“, erklärt der Pilot. Das ist Auflage. „Air Bavarian“ hat eine Aufstiegsgenehmigung vom Luftamt Südbayern, die jedes Jahr verlängert werden muss. Bevor die Brüder eine Drohne fliegen lassen, müssen sie vorher das Ordnungsamt und die Polizei informieren. „Es gibt jedes Mal zig Anrufe, wenn wir über ein Stadtgebiet fliegen“, berichtet der 20-Jährige.
Marinus Vogl kann die Skepsis der Bürger verstehen. „Seit sich jeder eine Drohne von der Stange kaufen kann, lassen sie die Dinger einfach fliegen“, sagt er. „Das sorgt für ein schlechtes Image in der Branche.“ Er und sein Bruder halten sich an die Spielregeln. Bis in 100 Metern Höhe dürfen sie ihre Multicopter fliegen lassen. Als sie die neuen Windräder in den Wadlhauser Gräben fotografiert haben, holten sie sich eine Sondergenehmigung bis 350 Meter. Die Gesichter von Menschen dürfen auf den Aufnahmen nicht zu erkennen sein. Es sei denn, sie drehen Homevideos für Privatleute. „Dann schauen wir aber nicht mit der Kamera in die Nachbarfenster.“
Marinus schaut zum Himmel. Er setzt den Quadrocopter zur Landung an. Sanft schwebt das Gerät über dem Parkplatz der Böhmwiese ein. Gab es schon einmal eine Bruchlandung? „Einmal hat der Akku in der Luft zum Brennen angefangen“, sagt der Pilot. Die Drohne fiel auf den Parkplatz eines Supermarkts. Außer dem wirtschaftlichen Schaden ist nichts passiert. 4000 Euro aufwärts kostet so ein Gerät – ein teures Spielzeug, mit dem die Brüder jetzt auch Geld verdienen.
Infos im Internet: www.air-bavarian.com
Sabine Schörner

