VonMagdalena Höcherlschließen
Sollte der Gesetzentwurf des Volksbegehrens in Kraft treten, sieht BBV-Kreisobmann Georg Radlmaier die regionale Landwirtschaft massiv bedroht. Er sagt: „Die Bauern sind nicht die Alleinschuldigen“ - und wünscht sich mehr Dialog.
Freising – Georg Radlmaier macht sich große Sorgen. Um die Zukunft seines Betriebs, um die der Bauern und nicht zuletzt um die der Bevölkerung. Radlmaier ist der Freisinger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) und betreibt seit 45 Jahren eine Landwirtschaft in Wolfersdorf. „Mein Sohn würde sie liebend gern übernehmen.“ Doch sollte der Gesetzentwurf des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“, das bayerische Bürger ab heute unterschreiben können, in Kraft treten, sieht Radlmaier die regionalen Landwirtschaft massiv bedroht.
In einem Pressegespräch brachte der Kreisobmann gemeinsam mit Gerhard Stock, Kreisgeschäftsführer des BBV-Verbands Freising-Erding, Biobauer Ralf Huber aus Allershausen sowie Johann Jositz, Kreisvorsitzender vom Verband Bayerischer Bienenzüchter, am Mittwoch seine Bedenken zum Ausdruck. „Das Ganze ist gut gemeint, aber schlecht gemacht“, sagte Stock. Viele der geforderten Maßnahmen seien in der Praxis schlicht nicht umsetzbar. „Beispielsweise, dass zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen erst ab dem 15. Juni gemäht werden dürfen. Viele Bauern seien jedoch auf das Gras als Futtermittel für ihr Vieh angewiesen – auch schon früher. „Wir brauchen Spielräume, keine starren Vorgaben.“
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Den Buhmann möchten die Bauern nicht abgeben. Die 1500 Betriebe im Kreis seien genauso wie die Initiatoren des Volksbegehrens daran interessiert, den Artenreichtum zu fördern. Landwirte seien dafür im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP) bereits in Vorleistung gegangen, sagte Radlmeier. Dazu zähle neben dem Zwischenfruchtanbau der Schutz von Gewässerrandstreifen und Blühflächen. Dadurch gebe jeder Landwirt etwa zehn Prozent seiner Nutzflächen entgeltlos her, erläuterte Biobauer Huber. Durch das KULAP gewähren der Freistaat und die EU Ausgleichszahlungen für diese umweltschonenden Bewirtschaftungsmaßnahmen. „Wird der Gesetzentwurf Realität, fallen die Fördergelder weg“, sagte Huber. „Dann kommen die Landwirte in wirtschaftliche Schwierigkeiten.“ Gingen die Anreize, die Umwelt zu schützen, verloren, treibe das den Strukturwandel voran. „Dann entstehen Monokulturen und Großbetriebe – also genau das, was das Volksbegehren nicht will“, sagte Stock. „Wir sind nicht weit weg davon, dass die regionale Landwirtschaft zugrunde geht.“
„Wir wünschen uns einen Austausch mit der Bevölkerung“
Die Landwirte fühlen sich von dem Vorstoß der ÖDP übergangen. „Wir wünschen uns einen Austausch mit der Bevölkerung und den Verbrauchern“, sagte Radlmaier. Nachhaltiger Naturschutz sei ohne Landwirtschaft nicht möglich, „denn wir bewirtschaften diese Flächen“, betonte BBV-Chef Stock.
Biobauer Huber kritisierte die Forderung, dass 30 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bis 2030 ökologisch bewirtschaftet sein sollen. „Bioware muss auch gekauft werden. Und damit die Landwirte gut davon leben können, müsste die bis zu 40 Prozent teurer sein als konventionelle Produkte.“ Im Landkreis gebe es 132 Biobetriebe. „Nahezu täglich kontaktieren mich Bauern, die umstellen wollen, ihre Produkte aber nicht losbringen“, berichtete Huber. „Das Volksbegehren würde dieses Problem noch verschlimmern.“
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Imker Johann Jositz störte sich besonders daran, dass die Biene für das Volksbegehren missbraucht werde. „Die Honigbiene ist nicht gefährdet.“ Im Gegenteil, ihr Bestand habe sich deutlich verbessert. Laut der BBV-Statistik gebe es heute fast eine Million Bienenvölker in Deutschland. 2008 seien es nur knapp 700.000 gewesen. Zudem sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln laut Jositz von 2000 bis 2017 um mehr als die Hälfte zurückgegangen.
„Das Hauptproblem ist, dass heutzutage niemand mehr auf etwas verzichten will“
„Das Hauptproblem ist, dass heutzutage niemand mehr auf etwas verzichten will“, betonte Jositz und seine Kollegen stimmten ihm zu. Jedoch genüge es nicht, etwas mehr Geld für Bienen und Lebensmittel auszugeben, grün zu wählen, aber gleichzeitig zehn Mal im Jahr in Urlaub zu fliegen oder jedes Wochenende zum Skilaufen in die Berge zu fahren. „Jeder muss etwas ändern.“ In Sachen Klimaschutz und Artenvielfalt seien auch Verkehr, Flächenversiegelung, Freizeitverhalten und viele weitere Faktoren einzubeziehen.
„Die Bauern sind nicht die Alleinschuldigen“, betonte Radlmaier. Sie möchten die Kulturlandschaft, das Ergebnis harter bäuerlicher Arbeit, genauso schützen und bewahren – ohne selbst daran zugrunde zu gehen.
