VonHelga Zagermannschließen
Beim Volksfest-Auftritt in Maisach liefert Ministerpräsident Markus Söder ein Best-of seiner Wahlkampf- und Bierzeltreden: Viel Lob natürlich für seine CSU und Bayern, Schelte für die Berliner Ampel-Koalition.
Maisach – Erst zum Schluss seiner fast einstündigen Rede nennt Markus Söder das beim Namen, um was es die ganze Zeit geht: die Landtagswahl am 8. Oktober. Er wolle den Wählern nichts versprechen, was nicht einzulösen sei. Aber: „Ich verspreche 100 Prozent Einsatz, damit Bayern stark und stabil bleibt.“
Doch es ist ein anderes Versprechen, das besonders in der ersten Reihe im vollen Festzelt gerne gehört wird. Dort sitzt die CSU-Prominenz aus dem Landkreis. Und sie vernimmt, dass Söder den Technologiecampus auf Fursty für eine „tolle Idee“ hält. Er könne sagen: „100-prozentige Rückdeckung des Freistaats, wir schaukeln es gemeinsam.“ Zu diesem Zugeständnis hatte ihn Maisachs Bürgermeister Hans Seidl geradezu gedrängt: mit der im Grußwort verpackten Bitte, man brauche bei dem Projekt „ein offenes Ohr und eine unterstützende Hand“ seitens des Landesregierung.
„Das Heizgesetz ist von A bis Z Murks“
Söder greift die Bitte auf. Er habe erwartet, dass ein Wunsch an ihn herangetragen wird. Und direkt zu Seidl: „Sie wären der erste Bürgermeister gewesen, der keinen Zuschuss fordert.“
Nach viel Lob für die örtlichen CSU-Vertreter (siehe unten) galoppiert Söder durch seine Wahlkampfthemen. Er sei pro Kernenergie („bis die Energiekrise überwunden ist“), pro Landwirtschaft und Mittelstand. Söder wettert gegen die Erbschaftssteuer („die einzige Steuer auf bereits versteuertem Geld“), gegen das Gendern („ich schaffe es nicht, Sternchen zu sprechen“), gegen das geplante Heizgesetz („von A bis Z Murks“) und gegen den Länderfinanzausgleich („bayerisches Geld ist in Maisach besser aufgehoben als in Berlin“). Überhaupt Berlin: „Dies ist wohl die schlechteste Regierung, die Deutschland je hatte“ – lauter Applaus. Es sei falsch, wie beim Heizgesetz mit Verboten zu agieren. Das täten die Grünen und Habeck gerne – Söder nennt ihn Klimaminister, „Wirtschaftsminister ist er nicht“. Und wenn man schon mal bei der Opposition ist: „Wir wollen die Wahl gewinnen und keine Grünen in der Staatsregierung haben.“ Er sage Ja zum Klimaschutz, aber Nein zu Klimaklebern – das sei „Quatsch von ein paar verwirrten Leuten“.
Söders Regierungspartner, die Freien Wähler, bekommen nur einen Seitenhieb ab. Dafür, dass sie einen Schulbeginn erst um 9 Uhr fordern. Der Ministerpräsident sagt dazu: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“
In Bayern sei (durch die CSU) das Leben schön, weil man in Kinderbetreuung, Kitas, Forschung und berufliche Bildung investiere, weil die Staatsregierung Familien- und Pflegegeld auszahle. Auch die Bundesregierung täte gut daran, zuerst auf die einheimische Bevölkerung zu schauen, anstatt unkontrollierte Zuwanderung zuzulassen. An dieser Stelle erhält Söder – wie oft an diesem Abend – lauten Zwischenapplaus.
Zum Schluss betont der CSU-Chef mit Blick auf die Landtagswahl und seine Arbeit als Politiker: „Ich bin weder Gaudibursch noch Marktschreier.“ Ein bisschen was von beidem ist aber für eine Rede im Bierzelt nötig, wie er gerade selbst bewiesen hatte.
Von Lob, Cola und Bier – und ein paar Demonstranten, die an ihrem Job gehindert werden
Wenn der Ministerpräsident die heimische CSU besucht, müssen natürlich die lokalen Parteivertreter vor Ort sein, vor allem die Spitzenkräfte. Und dafür bekommen sie Lob vom Landesvater – oder was der für Lob hält.
Markus Söder steigt damit ein, dass er hier in Maisach nicht bei Parteifreunden, sondern bei „echten Freunden“ sei. „Der Benji“ (Miskowitsch) sei „einer der charmantesten, fleißigsten und innovativsten Abgeordneten.“ Der andere CSU-Landtagsabgeordnete Alex Dorow (Stimmkreis FFB-West/Landsberg) bekommt die doppeldeutige Aussage zu hören, er sei ein „politisches Schwergewicht“.
„Den Thomas schätze ich sehr“, lobt Söder weiter. Karmasin sei „der schönste Landrat in einem der schönsten Landkreise“. Und was Reinhold Bocklet in Brüssel, für Bayern und die Region geleistet habe, sei alles gar nicht aufzuzählen. Dann noch „die Katrin“ (Staffler) – auf ihre Arbeit in Berlin könne der Landkreis stolz sein – anders als bei diesem anderen Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis. Michael Schrodi (SPD) hatte jüngst mit einem Ausraster im Bundestag für Schlagzeilen gesorgt. Später sagt Söder beim Thema Wahl, man dürfe nicht Leuten vertrauen, „die ihre Fassung verlieren“.
Die paar Demonstranten am Rand der Veranstaltung fallen kaum auf. Sie halten vor Söders Ankunft an der Estinger Straße Schilder in die Höhe. Diese Schilder kassiert die Polizei später ein. Protest erfolgt nicht.



