VonAlois Ostlerschließen
Die Georg-von-Vollmar-Akademie in Kochel trennt sich von Schloss Aspenstein. Das Tagungshotel wird Anfang 2019 geschlossen und wohl in absehbarer Zeit verkauft.
Kochel am See – Die Entscheidung von Carmen König-Rothemund steht fest: „Wir sperren zu.“ Das Tagungshotel ist aus finanziellen Gründen nicht länger zu halten, sagt die Vorsitzende der Georg-von-Vollmar-Akademie auf Nachfrage der Heimatzeitung. Schuld seien die schlechten Ergebnisse bei der Landtagswahl und bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Die SPD-nahe Bildungseinrichtung erhält deshalb künftig im Vergleich zu 2017 insgesamt 450 000 Euro weniger. Die Zuschüsse von Bund und Land werden nach einem speziellen Verteilungsschlüssel ausgeschüttet. Dieser orientiert sich an einem Mittelwert der vier vergangenen Legislaturperioden.
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Ohne die Zuschüsse seien Betrieb und Unterhalt des Hauses nicht zu stemmen, so Carmen König-Rothemund. Sie durchlebt derzeit turbulente Tage. Am Donnerstag hat sie sich mit dem Akademievorstand beraten und dann mit dem Kochler Bürgermeister sowie dem Aspenstein-Personal gesprochen. Am Freitag traf sich die Rechtsanwältin mit Vertretern des bayerischen Kultusministeriums. „Als nächstes muss ich in Gespräche mit Immobilienmaklern einsteigen“, sagt die Juristin, die seit acht Jahren an der Spitze der Vollmar-Akademie steht. Die SPD-Politikerin macht im gleichen Atemzug deutlich: „Wir werden auch künftig politische Bildungsarbeit machen und entsprechende Seminare anbieten – aber eben nicht mehr am Aspenstein.“
Bei Personalgesprächen flossen Tränen
Den zwölf Mitarbeitern des Kochler Tagungshotels fühlt sich König-Rothemund in besondere Weise verbunden. „Wir waren ein Familienbetrieb, ein eingeschworenes Team.“ Alle hängen an dem Laden, sagt die Chefin. Deshalb sei es auch verständlich, dass bei den Personalgesprächen am Donnerstag Tränen geflossen seien. „Alle bekommen eine Abfindung“, hat Carmen König-Rothemund versprochen. Sie ist überzeugt, dass jeder einzelne dank der derzeitigen Arbeitsmarktsituation bald eine neue Anstellung finden wird.
Dann will sich die Akademievorsitzende auf die Suche nach einer Nachfolgenutzung machen. Verpachten oder verkaufen? Diese Frage sei noch nicht abschließend geklärt. „Wenn wir uns von Schloss Aspenstein trennen, dann will ich einen Käufer finden, der für Kochel gut ist.“ Sie wolle hier „keine Heuschrecken anlocken“.
„Schwerer Schlag“ für die Gemeinde
Für den Kochler Bürgermeister Thomas Holz ist die geplante Schließung „ein schwerer Schlag für die gesamte Gemeinde, die uns völlig überraschend trifft“. Seit 70 Jahren werde die Akademie auf dem Aspenstein betrieben und sei ein fester Bestandteil der Einrichtungen in Kochel. „Speziell in den vergangenen Jahren hatte ich den Eindruck, dass der Zuspruch für das Bildungsangebot der Vollmar-Akademie zugenommen hat“, schreibt Holz in einer Pressemitteilung. Die positiven Zahlen, die die Tourist-Info verbuche, würden das belegen: Rund 4000 Gäste und rund 10 000 Übernachtungen jährlich mit steigender Tendenz sprechen für sich, so Holz. Die Schließung ist in seinen Augen sehr bedauerlich. „Nicht nur, dass uns die Gästezahlen wegbrechen, wir verlieren auch einen großen Werbeträger, der unser Zweiseen-Land in ganz Deutschland bekannt gemacht hat.“ Der Bürgermeister und die Akademieleiterin haben vereinbart, „in engem Kontakt zu bleiben“.
