- VonKathrin Gerlachschließen
Die Ferien sind vorbei. Jetzt wird auf der A8 wieder gearbeitet. Ab Montag (23. Juni) sind Staus vorprogrammiert und damit auch verstopfte Straßen in den Anrainer-Gemeinden. Mahnfeuer, Verkehrsgipfel und Hilferufe haben scheinbar nichts gebracht. So ist der Stand der Dinge.
Rohrdorf/Frasdorf – Die Zeichen stehen auf Stau. Ein Blick auf die Verkehrsprognosen von ADAC und Autobahn GmbH macht klar: Die Pfingstferien sind vorbei. Ab Montag (23. Juni) ist auf der A8 ab dem Dreieck Inntal von 8 bis 16 Uhr wieder mit starkem Verkehr zu rechnen. Der neue Fahrkalender zur optimalen Reiseplanung ist rot eingefärbt. Und das bedeutet: Es muss mit Stau gerechnet werden. Zumindest in Richtung in Salzburg. Auf der Gegenfahrbahn scheint alles im grünen Bereich zu sein, was flüssigen Verkehr bedeuten soll. Dafür wird Richtung München aber ab dem 28. Juni mit starken bis sehr starken Staus gerechnet.
Böschung und Flügelwände werden saniert
Das sind die Gründe: In Fahrtrichtung Salzburg beginnen die Verkehrseinschränkungen in Rohrdorf. Vom 23. bis 26. Juni wird der Verkehr auf eine Fahrspur reduziert, weil Böschung und Flügelwände der Bahnbrücke saniert werden müssen. Die Fahrbahn in Richtung München ist von den Einschränkungen nicht betroffen. Ein kleiner Ausblick aufs Jahr 2026: Die Erneuerung der Brücke über die Rohrdorfer Achen ist geplant. Wieder in einer Blitzbaustelle von etwa sechs Wochen. Der Zeitplan wird derzeit erarbeitet.
Nächtliche Sperrung bei Rohrdorf
Für den Auf- und Abbau der erforderlichen Baustellenabsicherung wird die Autobahn in Fahrtrichtung Salzburg in den Nächten von Montag zu Dienstag (22./23. Juni) und von Donnerstag auf Freitag (26./27. Juni), jeweils von 20 Uhr bis 5 Uhr gesperrt. Der Verkehr wird an der Anschlussstelle Rosenheim aus der Autobahn ausgeleitet und über die ausgeschilderten Bedarfsumleitungsstrecke U 73 und U 75 zur Anschlussstelle Achenmühle geleitet. An der Anschlussstelle Rohrdorf kann während der Sperrung nicht auf die Autobahn in Fahrtrichtung Salzburg aufgefahren werden. Die Tank- und Rastanlage Samerberg Süd kann nicht angefahren werden.
Stau ab 29. Juni in Fahrtrichtung München
In der Gegenrichtung wird es ab dem 29. Juni eng. Die Sanierungsarbeiten auf der Prientalbrücke in Fahrtrichtung München beginnen und werden bis zu den Sommerferien dauern. Um die Schweißarbeiten unterhalb der Brücke von einem Brückenuntersichtgerät aus durchführen zu können, müsse eine Fahrspur in Fahrtrichtung München gesperrt werden, informiert die Autobahn GmbH. Zum Aufbau der Verkehrsführung auf der Autobahn sind dann ebenfalls nächtliche Sperrungen in Fahrtrichtung München erforderlich.
Ein weiteres Projekt startet: der Neubau der Autobahnbrücke bei Seehaus. Der Auftrag wurde an die Porr Gruppe vergeben. Die Bauarbeiten sollen ebenfalls nach den Pfingstferien beginnen. Dazu gehört unter anderem eine Verbreiterung der Fahrbahn. Es muss also auch hier mit Verkehrseinschränkungen gerechnet werden.
Appelle an die Bundesregierung
Der Ausweichverkehr belastet die umliegenden Ortschaften. In einem Verkehrsgipfel hatten sich Landrat Otto Lederer und die Bürgermeister der Autobahn-Anrainergemeinden darauf geeinigt, Abfahrtsverbote nach Tiroler Vorbild erreichen zu wollen. Doch viel mehr als ein Appell an die Bundesregierung ist dem Landkreis nicht möglich.
In erster Instanz „abgeblitzt“ ist der Frasdorfer Kreisrat Helmut Freund (Bayernpartei). Es sah den Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung als Basis für Lösungen gegen den „unkontrollierten Ausweichverkehr und die ernsthaften Belastungen der Gemeinden“. Am 27. Mai hatte er in einem Offenen Brief an Landrat Otto Lederer um eine fachliche Prüfung gebeten. Jetzt wurde ihm mitgeteilt, „dass das Landratsamt sich aus rechtlichen Gründen – trotz der bestehenden Grundlage in § 45 StVO – nicht in der Lage sieht, eigenständig Maßnahmen wie temporäre Sperrungen von Autobahnausfahrten umzusetzen“.
Forderung an Bundesverkehrsministerium
Ihm sei nahegelegt worden, sich mit diesem Anliegen direkt an das Bundesministerium für Verkehr zu wenden, berichtet Freund dem OVB. Und das hat der Kreisrat der Bayernpartei auch gemacht. Am Dienstag (17. Juni) wandte er sich an Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Darin fordert er „bundesrechtlich klare und praktikable Regelungen zu schaffen, um temporäre Sperrungen von Autobahnausfahrten bei unkontrolliertem Ausweichverkehr zu ermöglichen – insbesondere in Zeiten von Rückstau durch Baustellen oder Grenzblockierungen“. In Österreich, so betont Freund, werde bereits erfolgreich vorgelebt, wie Ortsdurchfahrten gezielt entlastet werden können, um die Bevölkerung zu schützen.
Bürger setzen sich zur Wehr
Auch die Mahnfeuer an der Autobahn werden weiter brennen. Die ersten wurden am 10. Juni in Rohrdorf und Frasdorf entfacht. Sie sollen die Politik wachrütteln und darauf aufmerksam machen, dass die Anrainer im Ausweichverkehr ersticken, wenn die Autobahn dicht ist. „Die Politik muss jetzt mit Überlegungen anfangen“, betonte Johann Reck, Gemeinderat, Bauernobmann und Organisator des Rohrdorfer Protests, „denn die nächsten Brückenbaustellen entlang der A8 und der Ausbau der Autobahn sind schon geplant.“
Bürgerinitiative gründet sich
Auch die Frasdorfer Bürgerinitiative „Staufreies Dorf – bleibt auf der A8“ und Kreisrat Helmut Freund haben die Protestaktion mit organisiert. Nun kündigt Freund die nächste an: „Auf einer Kundgebung am Freitag, 11. Juli, ab 19 Uhr, am Rathausplatz in Frasdorf diskutieren Bürger, Landtagsabgeordnete, kommunale Mandatsträger und Initiativen die Thematik des Ausweichverkehrs im südlichen Landkreis Rosenheim“, informiert Helmut Freund. Dazu hat er auch Vertreter des Bundesverkehrsministeriums eingeladen, denn: „Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn der Bund präsent wäre.“
