VonKatarina Amtmannschließen
Dass der Klappstuhl - inklusive Verzierungen - nach 1400 Jahren unter der Erde so gut erhalten war, überrascht selbst die Experten.
Rothenburg - Im August 2022 war bei einer Grabung in Mittelfranken ein Klappstuhl aus dem 6. Jahrhundert entdeckt worden. Zu dem Fund in Endsee (Gemeindeteil der Gemeinde Steinsfeld im Landkreis Ansbach) liegen nun die Forschungsergebnisse vor. Das eiserne Gestell war letztes Jahr in einem frühmittelalterlichen Frauengrab gefunden worden.
„Spektakulärer Jahrhundertfund“: Klappstuhl aus dem 6. Jahrhundert in Bayern gefunden
Ein Restauratorenteam hat den Fund freigelegt und konservatorisch behandelt. „Eine computertomographische Untersuchung machte schnell deutlich, dass der Klappstuhl nahezu vollständig erhalten und sogar mit Tauschierungen, in diesem Fall Buntmetall-Einlagen aus Messing, verziert ist“, heißt es in der Pressemitteilung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) am Mittwoch, 11. Oktober.
Der Klappstuhl setzt sich aus zwei mit einem Achsstift verbundenen Rahmen zusammen, an den horizontalen Streben befinden sich zwei schmale Schlitze. Diese dienten als Befestigung für die Sitzfläche, die wohl aus einem Tierfell bestand. Darauf deuten mineralisierte organische Reste hin.
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„Jahrhundertfund“: Klappstuhl aus dem 6. Jahrhundert in Frauengrab gefunden
Die Verzierungsmotive reichen laut BLfD von Spiralen über Rauten bis hin zu Fischgrätmustern. „Der äußert seltene Fund eines frühmittelalterlichen eisernen Klappstuhls im August 2022 war bereits eine Sensation, doch dass sich nach über 1400 Jahren Verbleib im Erdboden eine solche Dichte an Details erhalten hat, war selbst für die Experten des BLfD eine Überraschung. Mittels modernster Technik und hocherfahrener wissenschaftlicher Begleitung, konnte der spektakuläre, international beachtete Jahrhundertfund, buchstäblich wieder auf die Beine gestellt werden“, wird Generalkonservator Prof. Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, zitiert.
Hintergrund zum Fund eines 1400 Jahre alten Klappstuhls
Die Grabung fand im Zuge von Baumaßnahmen im Gewerbepark Rothenburg und Umland statt
Der Klappstuhl wurde als Grabbeigabe einer weiblichen Bestattung vorgefunden
Die Frau ist einer ersten Schätzung zufolge im Alter von 40 bis 50 Jahren verstorben
Reste einer Holzverschalung lassen auf eine geschlossene Grabkammer schließen
Neben dem Frauengrab legten die Archäologen auch ein Männergrab frei, das sich in nahezu paralleler Anordnung befand und eine reich verzierte Waffenausstattung aufwies
Die beiden Gräber stehen vermutlich im Zusammenhang mit der fränkischen Einflussnahme der Main- und Tauberregion im 6. und 7. Jahrhundert
Endsee selbst wird erstmals im Jahr 798 erwähnt
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