Sonderausstellung zum Böhmerweiher

Vom Kieswerk zum Böhmerweiher

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Heute wird gebadet: Der große Böhmerweiher ist ein beliebter Ort für alle, die Erholung suchen.

Im Laufe vieler Jahre ist ein Naturparadies am Rande Gröbenzells entstanden: die beiden Böhmerweiher. Ihnen ist nun eine Sonderausstellung im Heimatmuseum gewidmet. Die Geschichte reicht vom Gletschereis bis zum aktuell geplanten Naherholungsgebiet.

Entstanden sind die Seen durch Kiesabbau. Wie genau, das zeigt die Sonderausstellung im Heimatmuseum auf. Das Gemeindegebiet gehört geologisch gesehen zur Münchner Schotterebene. Gegen Ende der Würm-Eiszeit, vor etwa 11 500 Jahren, wurde beim Abschmelzen des Gletschereises Gesteinsmaterial von den nach Norden abfließenden Wassermassen weiterverfrachtet. Es formte sich zu Geröll, das sich mit Sand absetzte. Bezeichnet wird dies als Niederterrassenschotter oder landläufig als Kies.

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Kiesabbau im Bereich der Böhmerweiher 1915. Der Justizrat Franz Troll, damaliger Eigentümer des Guts Gröbenzell, stellte dem Guts- und Fabrikbesitzer aus Pasing, Arthur Riemerschmid, seine Feldbahngleise zur Verfügung. Kriegsgefangene aus Puchheim sollten einen Weg von der heutigen Olchinger Straße bis zur Bahnlinie in Richtung Zillerhof mit Kies belegen. Nach dem Tod Trolls erwarb der Pächter des Guts, Michael Böhmer, 1922 das Anwesen. Damit wanderte die Kiesgrube in seinen Besitz.

Dessen Sohn, ebenfalls Michael, baute die Kiesgrube dann 1937 zu einem modernen Kieswerk aus. Er errichtete ein Sortierwerk und erwarb einen Eimerkettenbagger, mit dem der Kies aus dem Wasser geholt wurde. Eine Bockerlbahn brachte den Kies zu einer Entladestelle, wo er auf Lastwagen gekippt und abtransportiert wurde. Zu dieser Zeit waren nahe des Kieswerks auf Flächen des Guts 100 Bauplätze ausgewiesen worden. Seit 1942 gehörte das Werk zu München, damals wurde Aubing in München eingemeindet.

Der Betreiber erweiterte das Werk immer mehr. Anfang der 60er Jahre entstand ein modernes Kies- und Quetschwerk, wenige Jahre später eine Fertigbetonanlage. Gleichzeitig setzte ein zähes Ringen mit der Stadt München ein. So beantragte der Sohn Michael Böhmers junior, Hans Böhmer, 1964 den Bau eines Bürogebäudes. 1969 konnte dieses tatsächlich gebaut werden. In diesem Jahr beantragte er zudem eine Erweiterung der Kiesgrube. Doch eine Entscheidung fiel erst Jahre später, nämlich 1975 – nach einem Rechtsstreit. Hans Böhmer hatte diesen aus formalen Gründen verloren. Die Lokalbaukommission hatte ihm den falschen juristischen Weg gewiesen: Statt einer Baugenehmigung wäre eine wasserrechtliche Planfeststellung notwendig gewesen.

Gleichzeitig führte Hans Böhmer bis 1972 Rekultivierungsmaßnahmen durch. Am Ostufer ließ er einen 50 Meter breiten und 150 Meter langen Grüngürtel aufschütten und bepflanzen. Aus der einen Wasserfläche wurden die heutigen zwei Seen. 1980 wurde das Kieswerk dann abgebrochen. 1984 erließ die Münchner Lokalbaukommission eine Beseitigungsanordnung für das Fertigbetonwerk. Gleichzeitig gab es immer wieder Bestrebungen der Stadt, aus dem Gelände ein Naherholungsgebiet zu machen. Bereits 1972 beschloss sie, einen Bebauungsplan zur Schaffung eines öffentlichen Badeweihers aufzustellen, 2006 wurde ein solcher dann zur Satzung erhoben. 2013 verkaufte der Sohn Hans Böhmers, Johann Böhmer, die Fläche an die Stadt, die Kommunen Puchheim und Gröbenzell und an den Erholungsflächenverein.

1922 wanderte die Kiesgrube zwischen dem heutigen Gröbenzell und Lochhausen in den Besitz der Familie Böhmer.

Der hat nun aktuell die Aufgabe, den Ausbau zu einem Erholungsgelände zu übernehmen. Noch aber fehlt dazu die Detailplanung, die Größe der Liegewiese und die Zahl der Parkplätze sind umstritten. Noch in diesem Jahr sollen laut dem Geschäftsführer des Erholungsflächenvereins, Jens Besenthal, die Gemeinderäte erfahren, was der Erholungsflächenverein sich an den Böhmerweihern vorstellt. Besenthal kündigt an, dass den beteiligten Kommunen im Herbst eine überarbeitete Vorplanung vorgelegt wird. Er erhofft sich dafür eine breite Zustimmung.

Bis der große Böhmerweiher aber tatsächlich ein Erholungsgebiet ist, wird noch einige Zeit vergehen. Denn selbst wenn die Vorplanung in allen drei Kommunen auf Zustimmung stößt, ist vor einem Ausbau ein Planfeststellungsverfahren notwendig, erläutert Besenthal. Und dieses könne sich bis zu fünf Jahre hinziehen.

Die Sonderausstellung

im Heimatmuseum kann man sich noch bis zum 7. Oktober anschauen. Geöffnet ist immer am Sonntag von 10 bis 12 Uhr.

von Susanne Schwind

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