Seit einer Weile schon modert der Bahnhof von Garching an der Alz vor sich hin und ist kein schöner Anblick. Das wurde nun in der Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung bemängelt und ein Konzept gefordert, damit aus dem „Schandfleck“ wieder ein „Schmuckstück“ wird.
Garching an der Alz - „Die Fenster sind teilweise mit Brettern zugenagelt und das Gebäude verfällt immer mehr: Wollen wir wirklich so einen Schandfleck zulassen?“; fragt ein Garchinger in der Bürgerfragestunde der jüngsten Gemeinderatssitzung, „115 Jahre war er in Betrieb, Generationen von Eisenbahnern haben dort gearbeitet. Und jetzt tut die Bahn einfach gar nichts mehr damit, Laub fault dort vor sich hin und Unkraut macht sich breit!“ Der Bahnhof war 2018 überregional bekannt geworden, als dort ein Teil der „Stadtwette“ der Südostbayernbahn stattfand.
„Ich war bei der jüngsten Haushalts-Debatte mit dabei und habe mir anschließend den Haushalt angesehen. Soweit ich das erkennen kann, ist aktuell kein Geld dafür zurückgelegt worden, dass die Gemeinde etwas mit dem Gebäude macht?“, hakte der ältere Herr weiter nach. „Für die Instandsetung des Friedhofs ließen sich ja auch 300.000 Euro hernehmen. Ich verkenne ja gar nicht, dass es dort durchaus Handlungsbedarf gab, aber das war schon ein satter Beitrag.“
Vom „Schandfleck“ zum „Schmuckstück“: Wie soll es mit dem Alten Bahnhof von Garching weitergehen?
Entlang der Bahnstrecke zwischen Mühldorf und Freilassing gäbe es eine ganze Reihe von positiven Beispielen dafür, was man mit ehemaligen Bahnhofsgebäuden alles machen könne. „In Laufen hat es beispielsweise die Stadt gekauft und darin ein öffentliches WC eingerichtet, das wirklich sehr ordentlich, sauber und für jeden benutzbar geworden ist.“ Sie erwarb vor kurzem auch das historische Stellwerk. „In Tüßling ist daraus ein begehbares Depot des Heimatmuseums geworden, in dem man Lokalgeschichtliches wie archäologische Funde, Objekte zu Handel und Handwerk, Landwirtschaft, Wohnen und Wirtschaften, zur Geschichte von Markt und Schloss Tüßling und zur Eisenbahngeschichte ansehen kann.“
„In Kirchanschöring wiederum ist dort das „KuBa – Kultur im Bahnhof Anschöring“ untergebracht worden, eine Einrichtung für Kultur- und Jugendarbeit in Kirchanschöring, unter der Trägerschaft der Gemeinde Kirchanschöring, die regelmäßig ein buntes Programm bietet.“ Die einzigen Fälle außer Garching, in denen kein nachhaltiges Konzept gefunden worden sei, seien Wiesmühl und Fridolfing. „In Fridolfing gehört es halt einer Investment-Firma. In Wiesmühl ist es wie hier in Garching so, dass die Bahn sie weiter besitzt aber nix damit tut.“ Abschließend appellierte er noch einmal eindringlich an Bürgermeister und Gemeinderat, etwas zu unternehmen, damit aus dem „Schandfleck“ ein weiteres „Schmuckstück“ für die Gemeinde werde.
„Wir haben demnächst, wegen der ABS38, ohnehin einen Termin mit einer Vertreterin der Südostbayernbahn“, erwiderte Bürgermeister Maik Krieger (CSU), „Da werden wir sie mal darauf ansprechen, was für Pläne sie haben. Wenn wir da aktiv werden wollen, dann wird das auf jeden Fall nicht von heute auf morgen passieren! Denn dann müsste man erst mal eine ganze Reihe von Dingen abklären, alleine schon was Förderungen betrifft.“ Er versprach jedoch, dass die Gemeinde sich mit dem Thema, in Abstimmung mit der Bahn, befassen würde.
hs