VonSabine Hermsdorf-Hissschließen
Wegen Corona auf Live-Musik verzichten? Muss nicht sein. Mit den Geheimkonzerten wie vor ein paar Tagen am Bergwald hat die Stadt Wolfratshausen etwas einfallen lassen.
Wolfratshausen/Beuerberg – Der Klangteppich, der sich Ende Juni vom Wolfratshauser Bergwald aus über die Loisachstadt legte, war ungewohnt: Blasinstrumente waren zu hören, aber keine aus Blech. Auch waren es keine hellen, sondern eher dunkle Töne. Des Rätsels Lösung: Michael Wärl (28), Michael Disl (68), Hubert Kain (45) und seine Tochter Silvia (18) – besser bekannt als Beuerberger Alphornbläser – gaben mit ihren ungewöhnlichen Instrumenten ein geheimes Konzert. „Ein Gänsehautmoment“, so die Meinung der Zuhörer im Tal, als die Vier den „Egerländer Liedermarsch“ anstimmten.
Initiiert hatte den Auftritt, dem weitere in anderen Stadtteilen folgen werden, das Kultur- und Veranstaltungsmanagement im Rathaus. „Vor ein paar Wochen hat Kulturamtsmanagerin Marlene Schretzenmaier bei uns angerufen“, erzählt Hubert Kain. „Sie fragte an, ob wir nicht auch mal in Wolfratshausen spielen würden – allerdings wegen Corona mit geheimen Veranstaltungsort. Man soll uns also nur hören, aber nicht sehen.“ Der Beuerberger lacht. „Klar haben wir zugesagt, wir sind ja für jede Schandtat offen.“ Also machte sich das Quartett mit seinen Alphörnern zum ausgemachten Termin auf den Weg zur Bergwaldbühne. „Die Stufen hatten es in sich“, berichtet Kain. „Und kaum waren wir oben, haben wir erfahren, dass wir auch mit dem Auto hochgekommen wären.“
Die Beuerberger schleppten ihre Instrumente nach oben
Das Konzert ohne Publikum empfanden die Vier eher wie eine Probe. „Da steht ja auch keiner vor einem und schaut zu“, sagt Michael Disl. Obwohl, so ganz alleine waren die Alphornbläser dann doch nicht. Ein paar Wanderer kamen zufällig vorbei, setzten sich dazu und genossen das Konzert.
Das Alphorn ist nicht das einzige Instrument, das die Musiker beherrschen. Kain und seine Tochter Silvia spielen Flügelhorn, Wärl und Disl haben sich für das Wald- und Tenorhorn entschieden. „Diese Vorbildung hilft enorm, Alphorn zu lernen“, sind sie sich einig. Kain begann Ostern 2003 mit dem Blasinstrument, das in der Schweiz schon fast ein Nationalsymbol ist. „Ich wollte das schon immer einmal ausprobieren.“ Zusammen mit seinem Freund Kaspar Loipolder kauften sie in Bischofswiesen die 3,60 Meter langen Alphörner. Etwas später kamen Michael Disl und Martin Schlickenrieder dazu. Die Vier machten sich als Beuerberger Alphornbläser schnell einen Namen.
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Als ein Mitglied aus Zeitgründen bei einem Engagement nicht mitspielen konnte, musste Silvia einspringen. „Wir spielen in zehn Tagen auf einer Hochzeit, hat mir mein Vater eines Tages eröffnet. „Bis dahin lernst du es einfach.“ Die 18-Jährige nahm die Herausforderung an – und spielt seitdem mit. Ähnlich kam Wärl dazu. „Irgendwann habens noch einen gebraucht, und ich war halt da.“ Bereut hat es jedenfalls keiner.
Info
Das nächste Konzert findet am Freitag, 10. Juli ab 19.30 Uhr in Waldram statt. Weitere Termine werden im Internet und über Facebook bekannt gegeben.
