VonChristiane Mühlbauerschließen
Ein Bauernsohn aus Bad Heilbrunn schrieb vor 250 Jahren Geschichte: Gerard Partl wurde 1769 der letzte Abt des bekannten Klosters Weihenstephan. Der im Tölzer Land hoch angesehene Benediktinermönch hatte in Freising jedoch mit großen Herausforderungen zu kämpfen.
Bad Heilbrunn/Benediktbeuern/Freising – Als die Gesandten aus Freising kamen, um ihn abzuholen, soll er sich in seiner Zelle eingeschlossen haben. So wird jener Moment im Jahr 1769 im Kloster Benediktbeuern beschrieben, als man den Benediktiner Gerard Partl von dort ins Kloster Weihenstephan bringen wollte. Denn seine Heimat zu verlassen, das hatte der 45-Jährige nicht vor. Erst, als die Gesandten drohten, die Tür einzuschlagen und versprachen, er dürfe erst mal nur zur Probe nach Weihenstephan kommen, willigte der Mönch ein. Und Gerard Partl blieb, und zwar sehr lange. Er war der letzte Abt von Weihenstephan und blieb bis zur Säkularisation 1803. Doch seine Amtszeit war alles andere als leicht. Und seine Verdienste wären beinahe einer Intrige zum Opfer gefallen.
Gerard Partl wurde als Johannes Partl am 22. Dezember 1724 in der Langau in Bad Heilbrunn geboren. Dort gab es damals drei Anwesen, berichtet die Heilbrunner Gemeindearchivarin Birgit Müller. „Die Familie Partl, die acht Kinder hatte, war sehr angesehen.“ Joseph Partl war Kirchenprobst der neu erbauten Kilianskirche. Johannes Partl besuchte ebenfalls die Schule im Kloster Benediktbeuern und wurde früh von den Patres gefördert. Auch Weihenstephan lernte er dabei kennen. Bald entschied er sich, Benediktiner zu werden, feierte 1747 Profess in Benediktbeuern und nahm den Ordensnamen Gerard an, berichtet Müller. 1752 folgte die Primiz.
Kloster Benediktbeuern galt als Musterwirtschaft
Im Kloster Benediktbeuern machte der Heilbrunner rasch Karriere. Er galt als Mann der Praxis, der gut wirtschaften konnte. 1758 ernannte man ihn dort zum Waldmeister (er war also verantwortlich für den Wald), dann wurde er Getreidemeister. 1761 durfte er das Amt des Priors antreten und war damit Vorsteher des Klosters an der Seite des Abts. „Benediktbeuern war damals eine klösterliche Musterwirtschaft“, sagt die Archäologin Birgit Müller. Aus ihren Unterlagen geht hervor, dass die wirtschaftliche Blüte des Klosters auch Gerard Partl zu verdanken ist.
Der gute Ruf verbreitete sich also übers Tölzer Land hinaus. Denn während man es verstand, in Benediktbeuern auch zu Kriegs- und Krisenzeiten gut zu wirtschaften, sah es in Weihenstephan nicht so gut aus. Das Kloster hatte große Schulden. Deshalb versprach man sich viel davon, Gerard Partl aus Benediktbeuern zu holen. Wie es dem Heilbrunner in Freising erging, darüber geben Aufsätze Auskunft, die Rudolf Goerge, 45 Jahre lang Kreisheimatpfleger in Freising, archiviert hat. „Partl versuchte vor allem, durch weise Sparsamkeit und geordnete Wirtschaft die Schulden tilgen zu können“, heißt es in einer Chronik von Heinrich Gentner aus dem Jahre 1854.
Doch die Zeiten waren alles andere als einfach. Einfälle von Franzosen in Bayern machten dem Kloster zu schaffen. Die Mönche mussten die Eindringlinge beherbergen, fürstlich bewirten und sich auf Pferde-Tausch, stets zum Vorteil der Franzosen, einlassen – alles nur, um das Kloster und seine Kunstschätze vor Zerstörung zu bewahren. Von Abt Gerard Partl ist überliefert, dass ihm die Bewahrung von Orgel und Paramenten (die im Kirchenraum und in der Liturgie verwendeten Textilien) ein großes Anliegen war.
Spannungen unter den Benediktinermönchen
Innerhalb der Kongregation in Weihenstephan gab es damals jedoch große Spannungen. 1796 wurde der Abt „Landschaftsabgeordneter des Rentamts München“, was bedeutete, dass er viel in der Landeshauptstadt sein musste. Von da an hatte Prior Rafael Thaller freie Hand – und zettelte eine Intrige an. Dem Kloster ging es wirtschaftlich nicht gut. Thaller habe versucht, Abt Gerard Partl die Schulden von Vorgänger Abt Innozenz Völkl in die Schuhe zu schieben, sagt Goerge. Als Partl in München war, versuchte der Prior, unternehmerische Befugnisse an sich zu reißen.
Den Mönchs-Zwist beobachtete man in München mit Sorge. Letztlich wurde Weihenstephan unter Staatsaufsicht gestellt, und ein Wirtschaftsprüfer begann, das Kloster zu untersuchen. Das Ergebnis war verheerend und zeigte eine chaotische Buchführung. Es gab kaum noch Futter fürs Vieh, die Brauerei stellte wegen Rohstoffmangel die Produktion ein. „Die Gläubiger des Klosters wurden nervös“, heißt es in einer Beschreibung von Dietmar Stutzer, veröffentlicht 1979 in einer „Heimatkundlichen Vierteljahresschrift“.
Zusammenbruch des Klosters war dramatisch
Um Klarheit zu erlangen, entschied man sich in München zu einem radikalen Schritt: „Die Öffentlichkeit wurde aufgefordert, ihre Forderungen an das Kloster unter Vorlage von Beweismitteln anzumelden“, schreibt Stutzer. Daraufhin brach Panik aus. Die Gläubiger, darunter viele kleine Handwerker rund um Weihenstephan, seien in Scharen auf den Berg gepilgert. Existenzzusammenbrüche konnten nicht verhindert werden, es sei zu einer „regelrechten Lawine von Preisstürzen gekommen“. Versuche von staatlichen Behörden, Kapital nachzuschießen und somit auch Vertrauen ins Kloster wiederherzustellen, kamen zu spät, berichtet Stutzer und schreibt: „Der Staat wurde nach der Säkularisation 1803 selbst Opfer des völlig verwirtschafteten Vertrauens und fand keine Käufer für die Weihenstephaner Anlagen und Liegenschaften.“ Letztlich sei es der Errichtung der Forstschule 1804 zu verdanken, dass sich Weihenstephan wieder erholen konnte.
Klarheit erst Jahre später
Und Abt Gerhard Partl? Zum Zeitpunkt der Säkularisation 1803 lebten noch 22 Mönche im Kloster. 15 wurden Pfarrer in der Region, schreibt Gentner. Partl blieb in München bis zu seinem Tod am 7. März 1811 im Alter von 87 Jahren. Überliefert wird, dass er sparsam lebte und einen Großteil seiner Pension spendete. Untersuchungen in den folgenden Jahrzehnten zeigten, dass er das Kloster Weihenstephan weit besser bewirtschaftet hatte als der missgünstige Prior Rafael Thaller darzustellen versuchte.
Nach der Säkularisation litt die Bildung
Als die Klöster in der Zeit der Aufklärung säkularisiert wurden, jubelten viele Bürger. Viel Vertrauen war verloren gegangen. „Was damals jedoch nicht so bewusst war, war die Tatsache, dass mit den Mönchen auch die Möglichkeit verschwand, Kindern eine kontinuierliche Schulbildung zu geben“, sagt Müller. Diese Aufgabe sollten Wanderlehrer, Handwerker und Bauern in den Wintermonaten übernehmen. Denn Schulen, wie man sie heute kennt, gab es damals nicht. „Man war auf die Milde der Bauern angewiesen, in ihren Höfen einen Raum als Klassenzimmer zur Verfügung zu stellen.“
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