VonTobias Schwaningerschließen
Mit einem Infoabend stimmen die „Gelben“ die Oberammergauer auf das Ratsbegehren am 29. Juni ein. Den Plänen des Bürgermeisters erteilen sie eine klare Absage.
Die Veranstaltung hat noch gar nicht begonnen, da räumen die Protagonisten schon ihren Platz. Das tun Ludwig Utschneider und Michael Fux in diesem Fall aber gerne. Ihr Infoabend zum Ratsbegehren zieht mehr Gäste an als erhofft. Als um kurz vor 19 Uhr noch eine Gruppe Jugendlicher in der Stub‘n des Gästehauses „Zum Kirchenbauer“ aufschlägt, sind alle Stühle besetzt. Für die Jugend machen die beiden Gemeinderäte ihre Plätze sofort frei. Und stimmen ihre knapp 50 Zuhörer auf den Bürgerentscheid Ende Juni ein.
PWG hat zum Ratsbegehren eine klare Meinung – Flugblätter in den Briefkästen
In welche Richtung der Abend verlaufen würde, konnte man erahnen. Auf einem Flugblatt, das die Oberammergauer kürzlich in ihren Briefkästen fanden, positionierte sich die PWG unmissverständlich zu der Frage, vor der die Bürger am 29. Juni stehen: Soll die Gemeinde ein 15 000 bis 20 000 Quadratmeter großes Areal auf der Fläche des Wellenbergs verkaufen, um dort in einem weiteren Schritt ein hochwertiges Hotel anzusiedeln. Auf ihrem Flyer beantworteten die Gelben dies mit einem klaren „Nein“. Um dieses Votum baten sie am Sonntagabend ihre Gäste.
Unter denen befanden sich viele glühende Wellenberg-Anhänger. Zwei ältere Frauen schimpften lautstark: „Ist ja unglaublich, was die mit unserem Bad vorhaben.“ Womit sie auf der Linie von Fux sind. Der PWG-Vorsitzende bezeichnete das Ratsbegehren als „unrühmliches Ende einer verfehlten Bäder-Politik“. Er findet, dass die Bürger vor der Abstimmung den Investor kennen sollten, der besagtes Grundstück kaufen soll. In der jetzigen Form würde man mit einem „Ja“ Bürgermeister und Verwaltung einen Blankoscheck ausstellen. Andreas Rödl (CSU) müsse „Ross und Reiter“ nennen.
Wie soll die Gemeinde ein Ganzjahresbad zahlen? PWG lehnt sich „weit aus dem Fenster“ und rechnet vor
Für den Abend schlüpften die PWG-Frontmänner in unterschiedliche Rollen. Utschneider war der Mann für die Zahlen, Fux wollte mal ein „bisschen träumen“. Dem Publikum stellten sie einen groben Finanzierungsplan für ein Ganzjahresbad vor. Dafür wollen die Gelben an die Kurtaxe ran. Erhöht man sie um einen Euro, habe die Gemeinde 200 000 Euro mehr zur Verfügung, rechneten sie vor.
Bürgermeister Rödl erwähnte schon mehrfach in der Vergangenheit, dass dies nicht so einfach funktioniert. Fux hat offenbar keine Bedenken. „Wir bieten unseren Gästen ja dann auch mehr.“ Eine zusätzliche Einnahmequelle könnten Fördergelder sein. Als Beispiel nennen die Gelben das Sonderprogramm Schwimmbadförderung (SPSF) der Staatsregierung. Sie glauben, dass die Entscheidungsträger solche Möglichkeiten nicht ausreichend geprüft hätten.
Rotstift beim Kultursommer?
Fux‘ dritter Vorschlag: weniger Zuschüsse für den Kultursommer. Die Angebote im Passionstheater seien ohne Frage eine „Bereicherung“ für Oberammergau. Allerdings zweifelt er, ob man das Format mit mehreren hunderttausend Euro unterstützen soll. Eine Konsequenz daraus könnten weniger Eigenproduktionen sein. Für ein Ganzjahresbad würde er das in Kauf nehmen.
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Eine Einschränkung machte der Vorsitzende: „Ich habe mich weit aus dem Fenster gelehnt.“ Um den Wellenberg ganzjährig zu öffnen, müsste man die Anlage renovieren. „Wir kennen leider keine Zahlen.“ Die PWG fordert dafür ein Gutachten. Eines stellten die Redner klar: „Irgendeinen Tod müssen wir sterben.“ Selbst, wenn sich ihr großer Traum realisieren lässt, ginge das nur in verkleinerter Form. Die Edelstahlbecken, die beim Abriss der Halle „wohl zerstört werden“, sollen bleiben.
PWG-Männer geben sich als leidenschaftliche Kämpfer für den Wellenberg – Dem Publikum gefällt das
Fux und Utschneider traten als leidenschaftliche Kämpfer auf. Gaben sich dabei betont sachlich. „Uns wird ja oft ein unseriöser Ton vorgeworfen.“ Sie möchten nichts unversucht lassen, ein Jahresbad zu ermöglichen. Das kam im Publikum gut an. Auch von Korbinian Freier, der sich zuletzt bei der Bürgerversammlung kritisch zu Wort gemeldet hatte, gab es Zustimmung, ebenso aber eine Nachfrage zur Finanzierung. „Glaubt ihr, wir könnten uns das wirklich leisten?“ Die Gelben wollen es mit allen Mitteln versuchen. Fux brachte dafür noch den Verkauf der Kiesgrube oder des jetzigen Parkplatzes ins Spiel. Man sei prinzipiell gar nicht gegen ein Hotel, versicherte er mehrfach. „Aber nicht an diesem Platz.“ (tsch)
