VonAndreas Daschnerschließen
Die Gröbenzeller kämpfen für den Erhalt ihrer Hexe: Über 300 Menschen, zum Teil verkleidet und mit Fackeln in der Hand, demonstrierten für den Erhalt des Kult-Musiklokals.
Gröbenzell – Die Hexe muss bleiben. Dieser Forderung verliehen mehr als 300 Demonstranten vor dem Gröbenzeller Rathaus und bei der jüngsten Ratssitzung Nachdruck. Bürgermeister Martin Schäfer (UWG) wertete das als „starkes Zeichen“.
Die Bahnhofsgaststätte, in der 1952 die Gründung der Gemeinde gefeiert wurde, ist seit 1984 als Jugendlokal „Hexe“ beliebt - und das nicht nur bei den jungen Gröbenzellern. Das zeigte die bunte Mischung der Demo-Teilnehmer aus allen Altersgruppen. Der Interessenverein (IVG) hatte mobil gemacht, nachdem bei der Jugendbürgerversammlung mit rund 120 Jugendlichen der Wunsch laut wurde, dass die Hexe erhalten werden muss. Für die Gröbenzeller Gemeinderäte bedeutete dies eine ungewohnte Situation. Auf dem Weg in den Sitzungssaal mussten sie sich durch viele Menschen zwängen, die zum Teil als Hexen verkleidet waren. Und auch bei der Sitzung selbst war der Raum gesteckt voll. „Die Hexe interessiert nicht nur die 16- bis 24-Jährigen, sondern die breite Masse“, sagte IVG-Vorsitzende Marina Kinzel bei der Kundgebung vor dem Rathaus. Das Lokal sei ein Stück Gröbenzell. „Hier wurde Geschichte geschrieben.“
Nun gehört das Areal der Germeringer Wohnbaugesellschaft, die dort Wohnungen und Büros bauen will. Das zu verhindern, ist nur durch einen Kauf des Grundstücks oder einen Grundstückstausch möglich. Ein Tausch wird im Gemeinderat derzeit diskutiert. Kinzel sagt: „Wir wissen, dass der Erhalt viel Geld kostet, aber es rentiert sich trotzdem“.
Das sah auch Werner Urban von den Gröbenhütern so. Er selbst sei zwar schon älteren Semesters und nie in der Hexe gewesen. „Wir Gröbenhüter setzen uns aber grundsätzlich für den Erhalt alter Gebäude ein, denn die Geschichte einer Gemeinde sieht man auch an den Häusern“, sagte er. Der Verein würde es bedauern, wenn die Hexe wegfiele. Er appellierte an die Demonstranten: „Helfen Sie mit, damit der Gröbenzeller Charakter erhalten bleibt.“
Etliche Menschen haben bereits für den Erhalt der Hexe unterschrieben
Jugendreferent Anton Kammerl (CSU) schlug sich auf die Seite der Demo-Teilnehmer. Er erinnerte sich, dass die Hexe schon einmal durch eine Demo mit rund 150 Teilnehmern gerettet wurde. „Diesmal sind sicher doppelt so viele da“, sagte er und gab sich gegenüber den Zuhörern selbstkritisch Der Gemeinderat habe es versäumt, dieses Herz von Gröbenzell zu sichern. „Wollen wir werden wie Germering?“ fragte er, und gab die Antwort gleich selbst: „Nein. Ein Hochhaus im Zentrum war absolut tabu, und so soll es auch bleiben.“
Der IVG hatte im Vorfeld der Demo bereits 322 Unterschriften für den Erhalt der Hexe gesammelt, die Kinzel in der Sitzung übergab. Bei einer von Maximilian Rötzer ins Leben gerufenen Onlinepetition hatten gar mehr als 3000 Menschen unterschrieben. Vor dem Rathaus sammelten die Demo-Organisatoren weiter kräftig Unterschriften. Den Gemeinderäten sagte Rötzer: „Es gibt kein Lokal mit dem Flair der Hexe, es ist sicher kein Schandfleck.“ Martin Runge (Grüne), dessen Partei die Demo unterstützte, erklärte, dass es im Rat durchaus eine Mehrheit gebe, die ausloten will, wie man die Hexe erhalten kann.
Hexe-Areal: Bewertungsgutachten für Grundstückstausch sind fertig
„Die Bewertungsgutachten sind fertig“, sagte er. Ein Grundstückstausch müsse aber nun diskutiert werden, da er mit vielen Unwägbarkeiten verbunden sei. „Im Gespräch sind Grundstücke an der Bahnhofstraße, bei denen aber offen ist, wie schnell Baurecht geschaffen werden kann.“ Kinzel appellierte an die Räte abschließend, dass sie „alles unternehmen sollen, um die Hexe zu erhalten“. Danach zogen die Demonstranten mit einem Fackelzug durch den Ort zum Jugendlokal, wo sie ihre Aktion schließlich beendeten.
