VonDieter Dorbyschließen
Die Flüchtlingssituation im Landkreis spitzt sich wieder zu. Neben zahlreichen Ukrainern und Asylbewerbern aus den bekannten Krisengebieten werden nun auch noch russische Deserteure erwartet. Dabei ist jetzt schon klar, dass dem Landkreis die Unterkünfte dafür fehlen. Die Turnhallen müssen wieder herhalten.
Miesbach – Eigentlich sollte die Turnhalle des Miesbacher Gymnasiums demnächst wieder geräumt werden und damit für Unterricht und Freizeitsport hergerichtet werden, doch so weit wird es aller Voraussicht nach nicht kommen. Denn dem Landratsamt ist bereits seitens der Regierung von Oberbayern mitgeteilt worden, dass eine neue Flüchtlingswelle erwartet wird. Und der Landkreis Miesbach steht bei den Zuteilungen an vorderster Stelle.
Wie das Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, wird bei den Zuweisungen die aktuelle Aufnahmequote der Landkreise und kreisfreien Städte zugrunde gelegt. Der Landkreis Miesbach liegt dabei bei 88 Prozent – zu wenig im oberbayerischen Vergleich. Deshalb werden hier zuerst Flüchtlinge zugewiesen. Aller Voraussicht nach wohl schon in den nächsten Wochen.
Steigende Flüchtlingszahlen
Denn mit der Teilmobilmachung in Russland steigende Ankunftszahlen prognostiziert. „Es werden mehr Flüchtlinge aus der Ukraine erwartet und auch russische Deserteure“, sagt Landratsamtssprecherin Sophie Stadler. Außerdem werden auch aus den bisherigen Krisenregionen zunehmend Asylbewerber in Deutschland registriert – vor allem aus Afghanistan und Nordafrikaner, die über die Balkanroute kommen. Für die nächsten Wochen hat die Regierung Neuankömmlinge im mittleren dreistelligen Bereich angekündigt.
Hinzu kommen auch viele Ukrainer, die bislang privat untergebracht waren, aber aufgrund der Dauer des russischen Angriffskriegs dort nicht mehr bleiben können. Auch diese Leute brauchen nun eine Unterkunft aus dem Bestand des Landkreises. Das Problem dabei laut Stadler: „Wir haben aktuell keine Möglichkeiten mehr.“
Das Problem mit der Quote
Das Fatale dabei: Die Aufnahme der Flüchtlinge aus der Ukraine – von den insgesamt 1600 Betroffenen sind aktuell noch 1000 bis 1100 im Landkreis untergebracht – wird bei der Berechnung der Aufnahmequote nicht berücksichtigt. „Sonst sähe die Quote anders aus.“
Deshalb rücken jetzt die Turnhallen des Landkreises wieder in den Fokus – als Schnelllösung. Im ersten Schritt die beiden Turnhallen in Miesbach von Berufsschule und Gymnasium, und diese nicht mehr ausreichen sollten, wäre Tegernsee wohl eine weitere Option. Stadler: „Wir müssen jedenfalls von massiven Zuweisungen ausgehen.“
Auch Asylbewerber von 2016 noch da
Alternativen gebe es keine. „Wir alle im Landratsamt wissen, wie schwierig diese Situation für die Schulen und Sporttreibenden im Landkreis ist“, sagt Stadler. „Aber auf andere weise können wir nicht auf Unterbringungsmöglichkeiten zugreifen.“ Wohnungen seien keine verfügbar. Zumal auch noch frühere Asylbewerber zu betreuen sind. Von den rund 700 Flüchtlingen, die 2016 in den Landkreis kamen, sind heute immer noch 457 im Landkreis, da ihre Verfahren immer noch laufen. Die übrigen seien anerkannt, umgezogen oder zurück in ihr Herkunftsland.
Container als Lösung?
Bleibt noch der Ansatz, wie in der Vergangenheit mit Containern zu arbeiten. Auch daran werde gedacht, sagt Stadler. Mehrere Standorte seien bereits in der Prüfung. Eine Lösung, die wiederum Max Niedermeier bevorzugen würden. Als Integrationsbeauftragter des Landkreises und zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Miesbacher Sportvereine kennt er das Dilemma beider Seiten. Seine Einschätzung: „Turnhallen sind keine gute Lösung. Es sind schlechte Unterkünfte, und gleichzeitig fehlen sie vor allem unseren Kindern zum Sport.“
Das sagt der Integrationsbeauftragte
Dieser Lösungsansatz treffe ihn somit doppelt, gerade weil viele Kinder körperlich hohe Defizite hätten. „Wir müssen andere Unterkünfte suchen.“ Er habe sich auch dafür stark gemacht, dass die Gymnasiumsturnhalle in Miesbach wieder freigemacht werde – doch das sei nun hinfällig.
Gleichzeitig betont Niedermeier, dass er niemandem schuld zuschieben oder Vorwürfe machen wolle. „Die Situation ist auch für das Ausländeramt sehr schwierig. Das Landratsamt muss eben das bewältigen, was die Regierung vorgibt.“ Auf jeden Fall solle man Grundstücke für Container nutzen, wenn kommunen solche zur Verfügung stellen.
ddy
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