Gröbenzell beteiligt seine Bürger an den Plänen für die Zukunft der Ortsmitte – so wie es das geförderte Konzept vorschreibt. Einige erweisen sich dabei als besonders engagiert: Sie haben Ideen von einer Fußgängerzone bis zur Wiederbelebung des Grünen Baums.
Gröbenzell – Wie soll das Zentrum Gröbenzells in 15 bis 20 Jahren aussehen? Darüber machen sich derzeit Bürger, Gemeinderäte aber auch ein Stadtplanungsbüro Gedanken. 2016 war die Gemeinde in die Städtebauförderung aufgenommen worden. Daraufhin hat der Gemeinderat ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) in Auftrag gegeben. Ein Konzept, das notwendig ist, damit eines Tages die Maßnahmen zur Umgestaltung der Ortsmitte mit bis zu 60 Prozent gefördert werden können.
Die Bürger sind in die Erstellung des Konzeptes eingebunden. Vor einem Jahr auf dem Bürgerfest konnten sie bereits darlegen, wo in der Ortsmitte etwas verbessert werden soll. Vor wenigen Wochen waren die Bürger erneut gefragt: Das Rathaus und das Stadtplanungsbüro hatten zu einer Planungswerkstatt eingeladen, wo die Gröbenzeller ihre Vorstellungen zu Papier bringen konnten. Ein Angebot, das rund 100 Gröbenzeller genutzt haben. Darunter auch Edeltraud Mierau-Bähr, Michaela Bonfert, Margret Prietzsch, Wolfgang Radzieowski und Manuela Schowalter. Fünf Gröbenzeller, die sich beruflich mit Architektur, Stadtplanung, Betriebswirtschaft, Wasserforschung, Bauingenieurwesen und Sozialgeografie beschäftigen oder beschäftigt haben.
Sie machen sich seit Jahren Gedanken über die Zukunft der Gemeinde. An der Planungswerkstatt üben sie viel Kritik: Die Zeit, um Vorschläge zu Papier zu bringen, sei zu knapp gewesen, die den Bürgern vorliegenden Pläne seien teils veraltet, teils fehlerhaft, teils maßstäblich verzerrt gewesen. Doch die Fünf haben auch konkrete Vorschläge parat, nicht nur für die nahe Zukunft, sondern auch für die kommenden 20 Jahre. Denn ohne Steuerung könnten sich unerwünschte Entwicklungen ergeben, betont Mierau-Bähr.
Eine vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München im vergangenen Jahr dem Gemeinderat vorgelegte Studie hat nämlich errechnet, dass Gröbenzell allein durch Nachverdichtung und Schließung von Baulücken um 5300 Einwohner wachsen könnte. Was nicht nur mehr Menschen, sondern auch mehr Wohnraum und mehr Autos zur Folge hätte. Grundsätzlich fordern die fünf einen ortsspezifischen Hochwasserrisikomanagementplan, ein Verkehrsgutachten für alle Verkehrsteilnehmer mit Anbindung an die Nachbarkommunen und zudem einen neuen Ideenwettbewerb für die westliche Bahnhofstraße. Konkret schlagen sie vor, Teile der Bahnhof- und die Kirchenstraße zur Fußgängerzone zu machen. Busse, Taxis und Anwohner aber sollen die Straßen befahren dürfen. Am südlichen und nördlichen Bahnhof sehen sie zukünftig Bushaltestellen. Das soll die Bürger vermehrt zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bewegen. Das Gebiet um den Gröbenbach würden sie aufwerten und unter Berücksichtigung von Ökologie und Hochwasserschutz mehr Aufenthaltsqualität schaffen. Ortsbildprägende und erhaltenswerte Gebäude sollten vom Denkmalschutz begutachtet werden. Darunter auch der Grüne Baum in der Bahnhofstraße, der als Gaststätte mit Biergarten wiederbelebt werden soll.
Mehrere aktuell zum Verkauf stehende Gebäude soll die Gemeinde Gröbenzell erwerben oder sich zumindest ein Vorkaufsrecht sichern. An mehreren Stellen schlägt die engagierte Gruppe außerdem Parkhäuser mit Flächen für Fahrräder im Erdgeschoss und mehreren Geschossen darüber für Pkw vor, beispielsweise auf dem Ährenfeldparkplatz.
Das gemeindliche Grundstück an der Kreuzung Augsburger-/Zweigstraße können sie sich als Tauschgrundstück für das Areal von Hexe und Alter Apotheke vorstellen oder würden es für eine soziale Einrichtung nutzen. Das Areal Hexe/Alte Apotheke soll künftig Retentionsfläche werden. Die Kreuzungen Olchinger-/Freya- und Augsburger-/Puchheimer Straße sollen entschärft werden. Und das Areal um das Kino wollen sie neu ordnen, mit kreuzungsfreien Wegen für Radler und Fußgänger. (sus)