VonJosef Hornsteinerschließen
Ein dreister Betrüger gibt sich auf einer Schutzhütte auf 1930 Metern in den Alpen als Hüttenwirt aus – und kassiert von Gästen unberechtigt Übernachtungsgebühren. Nicht nur das: Die DAV-Sektion berichtet von noch Schlimmerem.
Mittenwald – Claus Haberda hat in den Bergen schon einiges erlebt. Dass Unbekannte Übernachtungskassen aufbrechen, Müllberge hinterlassen oder sogar Mobiliar verheizen, wenn kein Brennholz mehr vorhanden ist – all das kennt der Vorstand der Alpenvereinssektion Hochland. Doch dieser Fall macht selbst ihn sprachlos: Ein bislang unbekannter Mann hält sich immer wieder an der Arnspitzhütte bei Mittenwald auf – und gibt sich dort dreist als Hüttenwirt aus. Von ahnungslosen Bergsteigern kassiert er Übernachtungsgebühren – und steckt das Geld in die eigene Tasche.
Die Arnspitzhütte – Herberge seit 1910
Die Schutzhütte auf 1930 Metern Höhe unterhalb der Arnspitze erfreut sich großer Beliebtheit, obwohl sie unbewirtschaftet ist. Vier Betten stehen zur Verfügung, eine urige Eckbank lädt zum Verweilen ein. Ein kleiner Kachelofen samt Herd sorgt für wohlige Wärme und bietet eine einfache Kochmöglichkeit. Dass die Hütte in diesem guten Zustand ist, ist der DAV-Sektion Hochland zu verdanken, der das Gebäude gehört. Hüttenwart Karl Kammerer kümmert sich mit viel Herzblut um das Kleinod, das bereits 1910 gebaut und eingeweiht wurde. Seitdem dient es als Notunterkunft und steht das ganze Jahr über allen offen.
Vorsicht: Übernachtungsgebühr wird nur online erhoben
Um die laufenden Kosten zu decken, bittet die Sektion um eine Übernachtungsgebühr von fünf Euro – mittlerweile allerdings ausschließlich in elektronischer Form. Barzahlungen sind nicht vorgesehen. Ein Kassenbuch existiert nicht – und ein Wirt schon gar nicht. Wer an der Arnspitzhütte zur Kasse gebeten wird, sollte daher misstrauisch werden.
Der Grund für diese digitale Umstellung ist leider kein schöner: Die Hüttenkasse wurde bereits mehrfach aufgebrochen, das Geld entwendet. „So etwas kommt leider immer wieder vor“, bedauert Haberda. Dass sich nun ein „falscher Hüttenwirt“ im Arnspitzgebiet herumtreibt, sei zwar dreist – aber nicht ganz neu: „Vor Jahren hatten wir schon einen ähnlichen Fall“, erinnert sich Haberda. Damals erschlich sich ein Unbekannter ebenfalls Geld von Übernachtungsgästen. Die Sektion erstattete Anzeige – jedoch ohne Erfolg. Ob es sich jetzt um denselben Täter handelt, ist unklar. „Das Muster ist jedoch das gleiche“, sagt Haberda.
Unbekannter gibt sich als Hüttenwirt oder als Beauftragter der Sektion aus
Eine Beschreibung des Mannes liegt bislang nicht vor. Sicher ist nur: Es handelt sich um eine männliche Person, die offenbar glaubwürdig auftritt und sich in der Gegend sowie in der Hütte gut auszukennen scheint. Die Sektion Hochland möchte dem Betrüger nun auf die Schliche kommen. „Er gibt sich als Hüttenwirt oder als Beauftragter der Sektion aus und kassiert direkt vor Ort“, berichtet Hüttenwart Kammerer. Mehrfach soll er bereits aufgetaucht sein. „Am nächsten Tag rufen die Gäste oft verwundert an und fragen, seit wann man an der Hütte direkt bezahlen muss“, erzählt Kammerer. Noch einmal betont er: „Die Übernachtungsgebühr wird ausschließlich digital entrichtet.“
Im schlimmsten Fall müsste die Hütte geschlossen werden
Dass jemand das Vertrauen in die Gemeinschaft der DAV-Mitglieder so ausnutzt, sorgt nicht nur für Ärger – es gefährdet ein funktionierendes System. „Wir bauen auf Ehrlichkeit und gegenseitigen Respekt in den Bergen“, betont Claus Haberda. Solche Vorfälle werfen ein schlechtes Licht – auch auf all jene, die sich mit viel Idealismus für den Erhalt und die Pflege der Selbstversorgerhütten einsetzen. Im schlimmsten Falle müsste die Sektion die Reißleine ziehen und die Hütte absperren. „Aber das wollen wir wirklich nicht.“
Sollte jemandem etwas Ungewöhnliches auffallen oder jemand dem mutmaßlichen Betrüger begegnen, bittet die Sektion um sofortige Kontaktaufnahme – entweder bei Karl Kammerer unter Telefon 0160/721 28 23 oder bei der Geschäftsstelle der Sektion Hochland unter Telefon 089/448 79 46.

