Insolvenzplan für den Warenhauskonzern

Wackelkandidat gerettet: Freudentränen in Münchner Galeria-Filiale – „Endlich wissen wir, wie es weitergeht“

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Seit Wochen galt die Filiale als Wackelkandidat, nun ist klar: Das Kaufhaus am Rotkreuzplatz steht nicht auf der Streichliste von Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus. Vor Ort war die Erleichterung am Samstag groß.

München – Es war der Samstag der guten Nachrichten. Und besonders am Rotkreuzplatz kannte die Freude keine Grenzen. Als klar war, dass alle vier Filialen des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof in München bestehen bleiben, fielen sich die Mitarbeiter in Neuhausen in die Arme und Tränen der Erleichterung flossen. „Die vergangenen Wochen waren hart“, sagt Filialleiter Christian Lüttin. Er und seine 70 Mitarbeiter wussten, dass ihr Kaufhaus trotz guter Zahlen der große Wackelkandidat war. Denn nur an diesem Galeria-Standort gehört in München auch die Immobilie zum Signa-Konzern.

Galeria-Rettung am Rotkreuzplatz: Die Filiale steht im Herzen Neuhausens.

Galeria-Filialen in München gerettet: Was der Insolvenzplan vorsieht

Das heißt: Über Wochen hat der Insolvenzverwalter von Galeria, Stefan Denkhaus, mit seinem Pendant bei Signa, Torsten Martini, um Zahlen gerungen. Beim Rotkreuzplatz sah es lange nicht gut aus: Hier lag die Miete bislang bei 18,5 Prozent vom Umsatz und damit fiel zu hoch. Wie Lüttin verrät, habe es seine Filiale erst kurz vor knapp von der Streichliste geschafft. Entsprechend schlaflose Nächte liegen hinter ihm. Um 10 Uhr konnte er am Samstag seinen Mitarbeitern Entwarnung geben. Kurz vorher ging die frohe Kunde zum Betriebsrat, zu dem auch Erich Kellerhals gehört.

Galeria-Rettung am Rotkreuzplatz: Mitarbeiter Erich Kellerhals (55).

„Wir sind natürlich alle sehr erleichtert“, sagt der 55-Jährige. Seit 40 Jahren arbeitet er bereits für Galeria. „Und ich würde gern hier bleiben, bis es in die Rente geht.“ Ein Wunsch, der sich nun erfüllen könnte. Trotz aller Freude ist bei allen das Mitgefühl für die 1400 entlassenen Kollegen groß. „Ihr Schicksal stimmt uns natürlich traurig“, sagt Brigitte Reith. Seit 46 Jahren gehört sie zum Team am Rotkreuzplatz. Als sie dort am Samstag eintraf, war die Aufregung kaum auszuhalten. „Jetzt fällt ein riesiger Ballast von uns ab.“

Galeria-Rettung am Rotkreuzplatz: Mitarbeiterin Brigitte Reith (67).

Die Hängepartie der vergangenen Monate möchte Sabine Papperger nicht noch einmal erleben. „Endlich wissen wir, wie es mit uns weitergeht“, sagt die 60-Jährige überglücklich, die schon 35 Jahre am Rotkreuzplatz arbeitet. Zehn Jahre sind es bei Adisa Gorceviz, die hier ihre Ausbildung gemacht hat. Demnächst geht die 25-Jährige in den Mutterschutz. Ein Schritt, der ihr nun viel leichter fällt. Jetzt wo klar ist, dass es für ihre lieben Kollegen eine Zukunft gibt.

16 Kaufhäuser müssen schließen

Noch vor wenigen Wochen war unklar, ob es für Galeria Karstadt Kaufhof überhaupt eine Zukunft gibt. Der angeschlagene Kaufhauskonzern gehört zum Pleite-Imperium von René Benkos Signa. Nun steht fest, dass es weitergeht – und wie hoch der Preis dafür ist: Von den bestehenden 92 Filialen werden 16 Standorte zum 31. August geschlossen. In Bayern sind die Häuser in Augsburg, Regensburg und Würzberg betroffen. Von den rund 12 800 Menschen, die das Unternehmen beschäftigt, sollen 11 400 demnach ihren Job behalten. 1400 werden gehen müssen. Nach Angaben von Galeria wurden mit dem Gesamtbetriebsrat am Freitag Interessenausgleich und Sozialplan beschlossen. „Wir werden alles tun, um unser Geschäft in eine erfolgreiche Zukunft zu führen“, sagte Galeria-Chef Olivier Van den Bossche. Rechtskräftig ist der Insolvenzplan erst, wenn die Gläubigerversammlung ihn am 28. Mai annimmt und er anschließend vom Gericht erneut bestätigt wird. Bis Ende Juli soll das Unternehmen an die neuen Eigner gehen: ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC und der Gesellschaft BB Kapital SA des Unternehmers Bernd Beetz. 

Rubriklistenbild: © Nadja Hoffmann

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