Der Festzug musste zwar abgesagt werden. Trotzdem war die Wallfahrt der Isarwinkler Gebirgsschützenkompanien am Sonntag ein feierliches Ereignis.
Wackersberg – Das Wetter hat die Organisatoren der 10. Isarwinkler Schützenwallfahrt gestern zwar veranlasst, den geplanten Ablauf etwas zu ändern und einzuschränken. Der im Anschluss an die Messe vorgesehene Festzug wurde bereits am Morgen abgesagt. Trotzdem war der Festtag der sieben Isarwinkler Gebirgsschützenkompanien in Wackersberg ein feierliches, dem Glauben zugewandtes und zugleich geselliges Ereignis.
Als die Kompanien samt zugehörigen Tambours und Musikkapellen aus Wackersberg, der Jachenau, Lenggries, Gaißach, Bad Tölz, Ellbach und Reichersbeuern sowie die Abordnungen der Ortsvereine und der Bundeshauptmannschaft sich nach ihrer Ankunft zum Wallfahrtszug aufstellten, hatte der Regen schon etwas nachgelassen. Im Marschschritt führte der Weg durch das Dorf und im verhaltenen Prozessionsschritt zurück zum Ausgangspunkt am Festzelt, wo die Wackersberger Schützen als Gastgeber ein Spalier bildeten.
„Wir haben wohl das Beste aus der Situation gemacht“, meinte Hauptmann Hans Baumgartner in seiner Begrüßung im Zelt. Dass ein Gottesdienst, der ja eigentlich an der Pestkapelle hätte stattfinden sollen, auch in einem Festzelt die nötige Ruhe und Andacht findet, wurde nicht zum ersten Mal unter Beweis gestellt. „Die Masskrüge unter den Tisch“, lautete diesbezüglich ein Kommando von Baumgartner, das prompt befolgt wurde, und auch an der Schänke war Stillstand – Pfarrer Peter Demmelmair musste also seine anfängliche Ankündigung „Wenn’s z‘laut werd, hör i sofort auf und geh hoam“ nicht in die Tat umsetzen. Im Gegenteil, es herrschte absolute Stille und Aufmerksamkeit an einem Ort, an dem es sonst üblicherweise laut hergeht.
Aufmerksamkeit verlangte insbesondere die Predigt, in der Demmelmair die Erfahrungen einer Palliativschwester auslegte. Dieser Schwester zufolge seien es im Wesentlichen fünf Versäumnisse, die Menschen an ihrem Lebensende rückblickend bereuen: Sie wünschten sich, mehr Mut gehabt zu haben, um sich selbst treu zu bleiben und ihr eigenes Leben zu leben. Sie hätten zuviel gearbeitet, nicht den Mut gehabt, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen („das betrifft vor allem die Männer“) und den Kontakt zu Freunden fallen gelassen. Und sie wünschten sich, sich mehr Freude gegönnt zu haben. Und weil die etwa 1000 Gottesdienst-Teilnehmer diese fünf Lebens-Erkenntnisse in kurzen Sätzen nachsprechen sollten, dürften sich wohl einige dieser Weisheiten tiefer eingeprägt haben.
Den Gottesdienst mitgefeiert hat auch eine Jugendgruppe aus Yffiniac, die für ein paar Tage zu Besuch war und am Sonntagabend die Heimreise antrat.
Der restliche Tag war der Geselligkeit und Gemeinschaft vorbehalten, die, wie Wackersbergs Bürgermeister Alois Bauer formulierte, „bei den Schützen besonders zu spüren ist. Wenn wir unsere Montur anhaben, dann ist alles andere, aller Stress abgelegt.“
Bereits am Samstagabend traten die Wackersberger Kompanie und Abordnungen der weiteren Isarwinkler Kompanien zu einer Serenade und der Totenehrung am Kriegerdenkmal an. Ein Salut und die Wackersberger Musikkapelle mit dem Lied vom „guten Kameraden“ beschlossen diesen Akt, der Festabend im Zelt schloss sich an. (Rosi Bauer)