VonChristian Fellnerschließen
Paukenschlag in Oberau: Peter Fink (Freie) überrascht sogar sich selbst mit dem Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl. Florian Rückborn (CSU) spricht von „klarer Niederlage“.
Die vorgezogene Bürgermeisterwahl in Oberau endete mit einem Paukenschlag: Peter Fink (Freie) ist neuer Rathauschef in der 3500-Einwohner-Gemeinde, die CSU hat das Rathaus nach fast 30 Jahren unter Peter Imminger verloren. Der 48-Jährige erhielt 63,9 Prozent der gültigen Stimmen. Robert Zankel, Wahlleiter und Geschäftsleiter in Oberau, verkündete das Resultat exakt um 18.58 Uhr im Eingang der Grundschule. An die 100 Bürger hatten sich dort trotz Regens versammelt, die Musikkapelle stand bereit, um dem Sieger ein Ständchen zu erweisen. Dass Fink das Rennen derart glatt machte, überraschte sogar ihn selbst: „Damit hab‘ ich wirklich nicht gerechnet“, bilanzierte ein sehr gefasster Sieger. Eine Nachricht hatte er aber gleich noch parat: „Ich habe schon unterschrieben, die Wahl bereits angenommen.“
Freude auf der einen, Frust auf der anderen Seite. Florian Rückborn lag seiner Familie in den Armen, die Kinder waren da, spendeten Trost. „Wir haben viel Zeit und Energie investiert“, stellte der CSU-Kandidat klar. „Aber es hat nicht gereicht.“ Der Vize-Direktor der AOK in Garmisch-Partenkirchen machte sich auch nichts vor. „Das ist ein deutliches Ergebnis, eine klare Niederlage, ein Moment der Ernüchterung“, sprach der 41-Jährige Klartext. Vorzuwerfen habe er sich allerdings nichts. „Ich denke, wir haben unser Programm durchgezogen, ich gehe erhobenen Hauptes aus der Wahl.“
Von Beginn an war immer die Rede von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rückborn und Fink gewesen. Man hatte ein solches stets erwartet. Logisch, die CSU hatte in den vergangenen Jahrzehnten stets das Sagen im politischen Sinne gehabt. Doch ein solch knappes Duell war es am Ende nicht. Als die Auszählung lief, man ab und zu einen Blick auf die Stapel mit den gelben Zetteln werfen konnte, wurde schnell deutlich: Da hat schon einer recht klar die Nase vorn. Rückborn tigerte unruhig durch die Gänge der Grundschule, logisch, dass die Mehrzahl der Parteikollegen da war. Wie bei Fink. Beide Fraktionen stellten natürlich auch Wahlhelfer. Und irgendwann sickerte dann doch durch, dass die höheren Stapel wohl die mit den Kreuzen für Peter Fink waren. Die Gesichter der CSU-Vertreter verfinsterten sich immer mehr.
Gegen 18.45 Uhr dann wurden die Kandidaten ins Büro gebeten. Dort reichte Wahlleiter Zankel Fink die Hand. Damit war klar: Der Gärtnermeister hatte es geschafft. Minuten später wurde es verkündet. Die Musikkapelle spielte den Bayerischen Defiliermarsch, sofort reichte Rückborn dem Sieger die Hand. Beide betonten in kurzen Ansprachen, dass es ein angenehmer, fairer Wahlkampf gewesen sei. Und Fink machte deutlich, dass er ein Bürgermeister für alle Oberauer sein möchte. „Nicht nur für die, die mich gewählt haben, ich nehme mir für jeden die Zeit, will eure Probleme hören.“
Rückborn machte noch am selben Abend deutlich, dass er „eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Bürgermeister anstrebe“. Denn es gehe um Oberau. Für die CSU heiße es nun, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Denn im März steht die enorm wichtige Kommunalwahl an, in der es dann um die Kräfteverhältnisse im Gemeinderat geht.
Ein Thema, das für Fink und seine Mitstreiter an diesem Abend noch nicht direkt im Mittelpunkt stand. Logisch galt es für die Freien erst einmal, diesen historischen Erfolg zu feiern.



