VonJörg von Rohlandschließen
Zehn Tage vor den Kommunalwahlen schießt die Bürgerinitiative Schongau West (BiSW) scharf gegen die Rathausspitze. Auf einem Flyer geißelt Sprecher Peter Haggenmiller die Politik von Falk Sluyterman und wirbt für die Wahl der beiden Herausforderer. Die distanzieren sich allerdings entschieden von der Aktion.
Schongau – Die Schongauer Bürgermeister-Kandidaten waren bislang im Wahlkampf betont fair miteinander umgegangen. Dementsprechend entsetzt sind sie jetzt von dem Flyer, den Peter Haggenmiller im Namen der Bürgerinitiative Schongau West (BiSW) in dieser Woche in der Stadt verteilt. Auf dem beidseitig bedruckten Papier fordert der BI-Chef, „die 24 Jahre dauernde Herrschaft der SPD-Bürgermeister jetzt endlich“ zu beenden. Inhaltlich führt er mehrere angebliche „Affären“ auf, die Haggenmiller der Rathausspitze zuschreibt.
„Ich habe nichts gegen ihn persönlich, die Informationen sind gegen seine Arbeit gerichtet“, sagt Haggenmiller zu dem amtierenden Bürgermeister Falk Sluyterman und dem Flyer. 5000 Stück habe er drucken lassen. 200 Euro kostete das, Haggenmiller hat das aus eigener Tasche bezahlt, versichert er. Die meisten Exemplare sind bereits in den Stadtteilen ausgetragen worden, gestern wollte der BI-Chef zusammen mit einem befreundeten Mann aus Pakistan auch noch die Altstadt versorgen.
BI-Sprecher Haggenmiller für Inhalt allein verantwortlich
Für den Inhalt sei er verantwortlich, erklärt Haggenmiller. Er habe Hans Rehbehn aber einen Vorentwurf zugeschickt, berichtet der BI-Sprecher. „Es sollten keine persönlichen Sachen drin stehen, das tun sie auch nicht“, meint Haggenmiller.
Der CSU-Kandidat distanziert sich aber: „Ich stehe nicht hinter dem Flugblatt“, macht Hans Rehbehn klar. „Inhaltlich ist das absolut seine Sache, und ich habe Herrn Haggenmiller auch gebeten, dass er meinen Namen nicht reinschreibt“, betont der CSU-Bürgermeisterkandidat.
Bürgermeisterkandidaten distanzieren sich von Flugblatt
Rehbehns Name steht allerdings auf dem Flugblatt, und der von Mitbewerberin Daniela Puzzuvio auch. Die ALS-Bürgermeisterkandidaten ist wütend. „Wir stehen nicht hinter dieser Aussage“, macht Puzzovio klar. Sie denkt darüber nach, „härtere Schritte“ gegen den Urheber einzuleiten. Die ALS schreibt im Internet, dass man nichts „mit diesem unsäglichen Pamphlet“ zu tun habe. Und weiter: „Herr Haggenmiller, warum behaupten Sie Unwahrheiten, missachten Rechtschreibung und Grammatik und vor allem: Warum mosern Sie immer nur und nutzen nicht die Gelegenheit, Verantwortung zu übernehmen?“
Auch Kornelia Funke distanziert sich: „Nicht meine Art der Kommunikation“
Einen unglücklichen Eindruck machte gestern auch die CSU-Stadträtin Kornelia Funke, die sich in der Vergangenheit in der Bürgerinitiative engagierte. „Ich distanziere mich, so wie es erschienen ist“, sagt sie zu dem Flugblatt. Funke stellt sich zwar nicht gegen alle Inhalte, „das ist aber nicht meine Art der Kommunikation“. Sie habe auch darum gebeten, dass ihr Name von der Homepage der BI genommen werde, „das ist aber noch nicht passiert“, monierte Funke gestern Mittag. Am Nachmittag war ihr Name dann aber gelöscht.
Gelassen hat Bürgermeister Falk Sluyterman (SPD) die auf dem Flyer gegen ihn erhobenen Vorwürfe aufgenommen. Die Inhalte seien wirr. Und in der Sache würden Dinge behauptet, die nicht stimmten. „Hauptsache nicht der Sluyterman, ich glaube die sind ziemlich verzweifelt“, sagt der Rathauschef mit Blick darauf, dass der Absender es offen lässt, ob die Empfänger Hans Rehbehn oder Daniela Puzzovio wählen sollen. Dass diese nichts mit Flugblatt zu tun haben, „nehme ich ihnen ab“, sagt Sluyterman. Der Flyer sei „dilettantisch gemacht“.
Der Bürgermeister moniert aber, dass auf dem Flyer nicht genau erkenntlich ist, wer für den Inhalt verantwortlich trägt. Tatsächlich ist klein gedruckt nur eine Internetadresse aufgeführt, die zur Homepage der Bürgerinitiative führt. Haggenmiller bedauert das. Ihm zu Folge war auf dem Entwurf die Verantwortlichkeit durch seinen Namen kenntlich gemacht. Er sei bei der Überarbeitung aber verschwunden.
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