Erneuerbare Energien

Statt einem werden jetzt vier Windräder bei Jesenwang geplant

+
Windräder.
  • schließen

Erst war nur ein Windrad geplant, jetzt könnte ein Kleeblatt daraus werden: Im Wald bei Jesenwang sollen nun vier Windkraftanlagen entstehen. Möglich macht dies die neue Gesetzgebung.

Jesenwang – Das geplante erste Windrad verfügt bereits über einen positiven Vorbescheid aus der Genehmigungsbehörde. Der Standort wird der alten 10-Regel gerecht. Er ist also auch vor dem Hintergrund der früher sehr restriktiven Gesetzgebung weit genug von der Wohnbebauung entfernt. Außerdem nahm das Windrad die Hürde der Überflugshöhen-Problematik. Die Höhen wurden so verändert, dass die Anlage entstehen kann.

Nach der Änderung in der bayerischen Windkraft-Gesetzgebung unterliegen nun unter anderem Standorte in Wäldern nicht mehr der 10-H-Regel. Zwischen Jesenwang und Grafrath ist daher mehr möglich als nur das eine Rad.

Die Bürger-Energiegenossenschaft Freising hat nun den Jesenwanger Gemeinderat zunächst nicht öffentlich darüber informiert, dass sie statt dem einen jetzt vier Windräder in dem Gebiet errichten möchte. Tags darauf veröffentlichte die Genossenschaft auf ihrer Homepage eine erste Skizze.

Der Artenschutz

Ein Sprecher bestätigt die Pläne auf Anfrage. Durch die geänderten Regeln ergäben sich für den Standort neue Möglichkeiten. Erster Schritt für die BEG: die Jesenwanger Bürger auch via Beteiligung an den Anlagen mit ins Boot holen und weitere positive Vorbescheide erreichen. Wie der Sprecher erklärt, hat die artenschutzrechtliche Untersuchung bereits begonnen. Diese sei so ausgelegt, dass alle vier möglichen Standorte umfasst werden. Sie alle lägen im Wald, weil hier die 10-H-Regel nicht mehr greift. „Der Gesetzgeber sorgt dafür, dass wir in den Wald müssen. Auf dem Feld würde weiter 10-H gelten.“ Der Sprecher betont: Sicher wird morgen in dem Wald noch nichts gebaut, die Verfahren beginnen ja erst. „Aber es tut sich was.“

Die möglichen Standorte.

Jesenwangs Bürgermeister Erwin Fraunhofer bestätigt die Pläne auf Nachfrage ebenfalls und verweist auf eine bereits anberaumte Bürger-Info am 9. Februar. Wirklich beraten habe der Gemeinderat über das Thema noch nicht. Fakt sei aber: Die Standorte seien alle über 1000 Meter von der Wohnbebauung entfernt und genießen damit den großen Genehmigungsvorteil der Privilegierung.

Im Fly-in

Der Info-Abend findet am Donnerstag, 9. Februar, ab 19.30 Uhr im Flugplatzrestaurant Fly-in statt.

Gleichzeitig hat Jesenwang eine Vorrangflächen-Planung auf den Weg gebracht, die ordnend eingreifen können soll. Das der Wohnbebauung am nächsten liegende Rad wäre um die 1700 Meter entfernt, erklärt Fraunhofer. Dabei ist klar: Die Energiegenossenschaft will deutliche höhere Anlagen bauen, als man sie jetzt etwa aus Mammendorf kennt. Das steigert die Effektivität der Räder enorm. Dafür, dass die Räder relativ weit weg vom Ort liegen, sorgt auch der Flugplatz: Denn dieser erzwingt die Freihaltung der Platzrunden, sodass die Räder weit in den Wald rücken müssen.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen FFB-Newsletter.)

Unklar sei bislang die Frage, ob und inwieweit Jesenwang als Kommune sich an den Rädern beteiligen werde. Mehrere Modelle seien denkbar. Auch ohne Beteiligung würde aber Geld in den Haushalt der Standort-Gemeinde fließen. Schon bei den Gesprächen über das erste geplante Windrad hatte sich die Gemeinde Jesenwang sehr offen gezeigt, wobei auch Fraunhofer betont, dass die Verfahren erst am Anfang stehen. Frühestens im Sommer 2024 sei mit Bauanträgen zu rechnen, sagt der Bürgermeister. Fraunhofer: „Das Boot fährt los. Ich kann es nicht aufhalten.“

Leistung, Höhe: Die Daten zu den Anlagen

Die Energiegenossenschaft möchte Anlagen des Typs Enercon E-160 errichten. Die Leistung läge bei je 5,5 Megawatt. Die Nabenhöhe betrüge 166 Meter, die Rotorblätter wären 80 Meter lang.

Die BEG rechnet damit, dass der Stromverbrauch von 38 000 Personen gedeckt werden könnte. Die BEG führt eine CO2-Einsparung von 37 000 Tonnen pro Jahr ins Feld. Nach etwa neun Monaten im Betrieb soll sich der Energieeinsatz für die Anlagen amortisiert haben.

Je Windrad sollen rund 8000 Quadratmeter Fläche (inklusive dem Kranstellplatz) nötig sein. Bei der Bürgerbeteiliung sollen die Einwohner von Jesenwang Vorrang haben genau wie die aus Grafrath, Moorenweis, Landsberied und Kottgeisering. st

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck finden Sie auf Merkur.de/Fürstenfeldbruck.

Kommentare