Gut 50.000 Übernachtungen 2017

Warum Touristen nach Geretsried reisen

+
Vermietet ein Zimmer über Airbnb: Patrik Kohlert aus Geretsried.

Geretsried ist nicht als Tourismus-Hochburg bekannt. Und doch gibt es viele Gäste. Die Stadt hat unbestrittene Vorzüge - das lockt Menschen in Gästehäuser und AirBnB-Wohnungen.

Geretsried – „Hier ist es günstig, und man kann ohne Stau viele Ziele in Bayern abklappern“, sagt Walburgis Westphalen. Die Senior-Fernsehredakteurin vermietet drei Wohnungen und ein Zimmer in ihrem Haus im Musikerviertel über die Buchungsplattform Airbnb. Geretsried sei zwar nicht schön, aber man komme überall hin und habe Restaurants, Apotheken und Ärzte vor Ort.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren – seitdem ist die Unterkunft im Angebot – waren über 2000 Gastfamilien bei der Vermieterin. „Aus Amerika, Australien, Neuseeland, Singapur, Shanghai, Peking, Frankreich, England, Spanien, Kanada“, zählt Westphalen auf. „Ich hab die ganze Welt zu Gast.“ Die meisten würden Geretsried als Ausgangspunkt für Besuche der Schlösser, der Seen und in München nutzen. „Im Frühjahr habe ich aber auch viele junge Studenten, die nach Venedig gehen.“ Manche Gäste aus Holland haben aber auch schon auf der Durchreise nach Kroatien im Musikerviertel übernachtet. „Sie kommen oft wieder, um nochmal länger zu bleiben“, so die Vermieterin.

„Es sind schon drei Gästebücher gefüllt.“

Solche Gäste kommen auch zu Patrik Kohlert, der ebenfalls über Airbnb ein Zimmer in seiner Wohnung im Zentrum vermietet. Gerade hatte er Besuch aus Südkorea, im Anschluss haben sich zwei Italiener angekündigt, die ein Konzert besuchen und zum Wandern gehen möchten. „Es ist die komplette Palette, alt, jung, von Porsche bis Wanderrucksack“, sagt der Leiter des Bauamts der Gemeinde Egling.

Als er das Gästezimmer mit Hotelkühlschrank, Kaffeemaschine und eigenem Bad im April 2016 in dem Buchungsportal eingestellt hat, brauchte es eine Weile bis zur ersten Reservierung. „Aber seit vergangenem Jahr läuft es phänomenal“, berichtet Kohlert. Manche kommen nur eine Nacht, aber auch längere Buchungen seien dabei – vom Aussteller am Weihnachtsmarkt über einen Angestellten in der Probezeit bis zum Studenten auf Wohnungssuche. „Es sind schon drei Gästebücher gefüllt.“

Lesen Sie auch: Der Bürgermeister über Geretsrieder Großprojekte

50 371 Übernachtungen und 15 307 Ankünfte zählte die Stadt Geretsried im Jahr 2017. Im Durchschnitt blieben die Besucher 3,3 Tage. Laut Datenbank stehen zirka 260 Betten (ohne Pfadiheim) zur Verfügung. Dass Geretsried recht häufig lapidar so hingestellt werde, als gebe es nicht wirklich Tourismus, kann Ilka Dietrich-Naumann, im Rathaus zuständig für Tourismus, nicht so sehen. „Wer das Tölzer Land nicht kennt, wird Geretsried als Industriestadt nicht ausschließen“, sagt sie.

Viele Übernachtungen durch Feuerwehrschule und das Bildungszentrum für den Bundesfreiwilligendienst

Die Stadt versuche, das Museum und die besondere Geschichte Geretsrieds zu bewerben. Viele Touristen würden die Stadt als Ausgangspunkt für Ausflüge nehmen, andere kämen, um ihre Familienmitglieder zu besuchen oder mieten sich zur Oktoberfestzeit in der Stadt im Grünen ein. Diese Zielgruppen sind allerdings nicht ausschlaggebend für die hohen Übernachtungszahlen, sondern die Feuerwehrschule und das Bildungszentrum für den Bundesfreiwilligendienst.

Monteure greifen in Geretsried ebenfalls auf die Fremdenzimmer zurück. „Meine Gäste sind größtenteils Arbeiter und Verwandtenbesuche“, sagt Karin Wogureck, die seit zehn Jahren eine Ferienwohnung Am Forst vermietet. „Richtige Urlauber kommen kaum, dafür ist Geretsried nicht geschaffen.“

Ganz unterschiedlich ist das Publikum hingegen in der Gaststätte Isarwinkel. „Monteure, Durchreisende, Wanderer, Radfahrer, Menschen, die ihre Angehörigen im Altenheim besuchen, Geschäftsleute“, fasst Betreiber Bernhard Ücker zusammen. Seit dem Umbau hat jedes der 15 Zimmer Dusche sowie WC und der Gasthof sei gut ausgelastet. Die Gäste sind laut Ücker zufrieden mit Geretsried. „Nur die Beschilderung des Radwegs könnte besser sein.“

sw

Kommentare