Weltpolitik ganz nah

Wegen Trumps Ausstieg aus dem Iran-Abkommen muss Kochler Firma auf Millionenaufträge verzichten

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Von Kochel aus betreibt die Firma Dorst internationale Geschäfte.

Vor einem Monat kündigte Trump das Atomabkommen mit dem Iran an. Eine Firma aus Kochel am See trifft diese Entscheidung hart. Wie kann das passieren?

Kochel am See - Einen Monat ist es her, dass US-Präsident Donald Trump den Ausstieg seines Landes aus dem Atomabkommen mit dem Iran bekannt gab. Kurz darauf legte der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, nach und drohte unverhohlen deutschen Unternehmen, die mit dem Iran Handel treiben. Wie Weltpolitik auf Unternehmen vor Ort massiv Einfluss nimmt, erläutert Hubert H. Löcherer, Aufsichtsratsvorsitzender der Kochler Firma Dorst Technologies im Gespräch.

Inwieweit trifft Trumps Entscheidung die Firma Dorst?

Um unser USA-Geschäft nicht zu gefährden, müssen wir notgedrungen auf unser traditionelles Iran-Geschäft verzichten. Wir haben vor drei Monaten den letzten Großauftrag abgeschlossen. Die Drohung der USA führt dazu, dass wir auf Aufträge in Höhe von fünf Millionen Euro plus verzichten müssen.

Sie sagen traditionelles Iran-Geschäft. Was heißt das genau?

Wir haben seit vielen Jahrzehnten hervorragende Beziehungen zum Iran, das eine große Keramikindustrie besitzt. Ich selber war schätzungsweise 15- bis 20-mal geschäftlich im Iran unterwegs.

Wie beurteilen Sie das Vorgehen der US-Regierung?

Man muss sich das vor allem vor dem Hintergrund vorstellen, dass es in Europa eigentlich keine Restriktionen gegenüber dem Iran gibt. Die amerikanischen Drohungen gegenüber europäischen Firmen sind ein einmaliger Fall von rücksichtsloser Machtausübung gegenüber Dritten. Es gibt, Stand heute, kein Rezept dagegen.

Hubert H. Löcherer, Aufsichtsratsvorsitzender von „Dorst Technologies“ in Kochel.

In welchem Verhältnis steht denn das Iran-Geschäft von Dorst volumenmäßig gegenüber dem US-Geschäft?

Das Iran-Geschäft hat ungefähr ein Sechstel des Volumens des USA-Geschäfts. Da muss man als Unternehmer nicht lange nachdenken.

Kann man sich da wehren?

Ich hatte immer ganz gute Kontakte zum amerikanischen Generalkonsulat in München gehabt. Aber ich glaube nicht, dass es Sinn macht, dort vorzusprechen.

Wie reagieren Ihre iranischen Partner?

Da ist momentan großes Stillschweigen. Die Situation ist ja noch relativ neu. Wir stehen vor der äußerst unangenehmen Aufgabe, mit unseren iranischen Partnern Gespräche zu führen. Sie können sich ja vorstellen, dass die iranische Seite unseren Stopp nicht verstehen wird.

Welchen Einfluss hat die neue Haltung der US-Regierung auf die deutsche Wirtschaft? Was beobachten Sie als mittelständischer Maschinenbauer?

Der Zahlungsverkehr ist praktisch zusammengebrochen. Alle Banken haben Angst, die Zulassung in den USA zu verlieren. Akkreditive (Zahlungsversprechen iranischer Banken gegenüber deutschen Lieferanten) werden gar nicht mehr angenommen und gehen postwendend zurück.

Das ist ja erst der Anfang. Es droht ein Handelskrieg mit den USA. Spüren Sie da schon etwas?

Noch nicht.

Dorst hat ja in Bethlehem-Allentown ein Werk in den USA. Ist es dadurch besser vor Strafzöllen geschützt?

Möchte man meinen, aber wer hat bei Donald Trump schon ein gutes Standing? Die deutschen Autobauer gehören zu den größten Arbeitgebern in den Staaten, und trotzdem drohen ihnen Strafzölle.

Donald Trump macht das riesige Handelsdefizit dafür verantwortlich. Ist das nicht nachvollziehbar?

Es gibt nun mal eine hohe deutsche Wettbewerbsfähigkeit und eine starke Nachfrage nach deutschen Produkten. Im Übrigen werden die riesigen Dienstleistungsvolumen von Weltkonzernen wie zum Beispiel Amazon und Google in dieser Handelsbilanz nicht entsprechend gewichtet. Das ist also eine ziemlich schiefe Betrachtung.

Von Christoph Schnitzer

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