VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Boote lagen auf dem Trockenen, der Uferstreifen wurde immer breiter: Dem Sylvensteinsee war die anhaltende Trockenheit im August deutlich anzusehen. Doch seine Aufgabe, die Isar immer mit ausreichend Wasser zu versorgen, erfüllte er vorbildlich. Eine Bilanz des Wasserwirtschaftsamts.
Lenggries – Meistens rückt der Stausee bei Fall in den Fokus, wenn ein Hochwasser an der Isar oder der Donau droht. Dann ist er nämlich gefragt, um die Wassermassen zurückzuhalten beziehungsweise nur in verkraftbaren Mengen an die Isar abzugeben. Immer häufiger muss er aber auch die zweite Aufgabe erfüllen, für die er in den 50er-Jahren gebaut wurde: den Fluss vor dem Austrocknen zu bewahren. Die stetige Wasserabgabe rettet Fische vor dem sicheren Tod, macht die Isar zum Badeparadies und sorgt dafür, dass Wasserkraft- und Müllverbrennungsanlage sowie das Heizwerk der Stadt München funktionieren. „Brauchwasserentnahmen – oft aus dem vom Isarwasser gespeisten Grundwasserkörper – für Industrieanlagen sind vom gesicherten Abfluss in der Isar genauso abhängig wie zuletzt die Schifffahrt auf der Donau“, erklärt Tobias Lang, am Wasserwirtschaftsamt Weilheim zuständig für den Sylvenstein. Und nicht zuletzt: „Auch die Elefanten im Tierpark Hellabrunn wollen baden und mit Frischwasser versorgt werden.“
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Laut wasserrechtlichem Bescheid muss durch die Bewirtschaftung des Stausees sichergestellt sein, dass durch Tölz mindestens 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde strömen. Das stammt natürlich nicht alles aus dem Sylvenstein, sondern auch aus den Zuflüssen zwischen Speicher und Tölz. Aber je trockener es wird, desto mehr muss der Stausee leisten. In Abstimmung mit allen Beteiligten – vor allem mit dem Landratsamt – kann aber seit 2011 bei anhaltender Trockenheit und sinkendem Wasserstand im See davon abgewichen werden. „Seitdem ist es durch volumenschonende Bewirtschaftung möglich, wesentlich längere Trockenphasen zu überstehen und gleichzeitig die Wasserführung der Isar ökologisch unbedenklich zu reduzieren“, so Lang.
In den Monaten Mai bis August wurden aus dem Stausee rund 32 Millionen Kubikmeter Wasser an die Isar abgegeben. Das entspricht in etwa dem Wert des noch heißeren Jahrhundertsommers 2003. Dennoch sank der Seepegel durch die schonender Bewirtschaftung heuer nur um rund 4,5 Meter ab, 2003 lag der Wert doppelt so hoch.
Anders hätte es allerdings ausgesehen, wenn die Notgemeinschaft „Rettet die Isar jetzt“ 1990 nicht die Teilrückleitung der Oberen Isar erstritten hätte. 4,8 Kubikmeter/Sekunde dürfen seitdem im Sommer nicht mehr Richtung Walchensee abgeleitet werden, sondern strömen weiter in den Sylvenstein. Ohne diese Menge, „wären unsere Reserven bereits in der ersten Augusthälfte aufgebraucht gewesen“, sagt Lang.
Die schlimmste Trockenheit gab es in den vergangenen Jahrzehnten übrigens nicht in einem Sommer, sondern im Winter 1962/63. Der war extrem lang, kalt und trocken. Auch im Spätsommer und Herbst davor hatte es bereits ungewöhnlich wenig geregnet. „Aus dem gut gefüllten Speicher begann Ende Juli 1962 die Niedrigwasseraufhöhung, Mitte Oktober war der Vorrat von rund 40 Millionen Kubikmetern aufgebraucht“, hat Lang im Archiv recherchiert. Rund ein halbes Jahr blieb der Speicher auf dem niedrigst möglichen Wasserstand. „In der Isar floss über etwa ein halbes Jahr nicht einmal halb so viel Wasser wie laut Bescheid vorgegeben. Natur und Gewässergüte litten damals unter der extremen Knappheit.“
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Die Regenfälle der vergangenen Tage haben den Sylvenstein wieder gut gefüllt. Mit 749 Metern über Normalnull liegt er nur noch einen Meter unter der sonst im Sommer üblichen Höhe. „Damit“, so Tobias Lang, „dürften wir auch die nächste Trockenphase gut überstehen.“
