VonBernhard Jepsenschließen
Bald gehen die Lichter bei „Weckerle-Cosmetics“ in Peißenberg aus – oder sie sind schon ausgegangen. Ende August soll der Standort des Kosmetik-Herstellers endgültig geschlossen werden. Schon jetzt wird in den Hallen nicht mehr produziert – zum Leidwesen der Mitarbeiter.
Peißenberg – „Weckerle-Cosmetics“, das war lange Zeit eine feste Institution in Peißenberg. Firmengründer Peter Weckerle hat in der Marktgemeinde 1965 in einer kleinen Garage mit einer Mechanikwerkstatt begonnen. Heute führt Sohn Thomas die Geschäfte der „Weckerle Companies“, zu denen neben „Weckerle-Machines“ in Weilheim, der „Weckerle-Packaging“ (Verpackungen für Kosmetik mit Hauptsitz in der Schweiz) auch „Weckerle-Cosmetics“ gehört. Der Standort Peißenberg des Herstellers für Lippenstifte, Lippenpflegeprodukte und Make-up-Stifte spielt allerdings schon seit mehreren Monaten keine Rolle mehr.
Wie aus Mitarbeiterkreisen zu erfahren ist, wurde die „Cosmetics“-Produktion inzwischen komplett ins baden-württembergische Eislingen verlagert. An den dortigen Weckerle-Standort wurde zuvor bereits auch die Herstellung der Kosmetikmasse ausquartiert. „Der Standort in Peißenberg ist tot“, bestätigt ein Informant aus dem Mitarbeiter-Umfeld gegenüber der Heimatzeitung.
Schon im Frühjahr gab es eine Abschiedsfeier, organisiert von den Mitarbeitern
Sinnbildlich für die Beschreibung „tot“ war auch die Abschiedsfeier, die rund 80 Peißenberger „Cosmetics“-Mitarbeiter im Frühjahr unter dem Motto „Mit Saus und Braus ins Aus“ organisierten. In einer an die Heimatzeitung adressierten E-Mail heißt es: „Nach Erläuterung der Festordnung wurde ein selbstgebauter Sarg als Zeichen für das Ende ganz traditionell mit einer Prozession von der Produktionshalle zum Verwaltungsgebäude transportiert, wo er seine letzte Ruhestätte fand.“ Klingt makaber, drückt aber die aktuelle Gefühlslage der Mitarbeiter aus.
„Die Leute werden nach Strich und Faden verarscht“, konstatiert der Informant, der seine Identität anonym halten möchte. Die Mitarbeiter säßen in ihren achtstündigen Schichten nur noch herum, Arbeit gebe es keine mehr. „Viele vertreiben sich die Zeit mit Kartenspielen“, berichtet der Informant, dessen Vater dem Unternehmen „Weckerle“ über zwei Jahrzehnte als Mitarbeiter die Treue gehalten hat: „Dass es in der Firma nichts mehr zu tun gibt, das drückt bei ihm auf die Psyche.“
Keine Stellungnahme von Thomas Weckerle
Die Mitarbeiter seien voller Elan gewesen – auch in schweren Zeiten wie in der Corona-Pandemie. So sei unter anderem auf Weihnachtsgeld verzichtet worden. „Aber das ist ihm alles wurscht“, erklärt der Informant – und damit meint er Thomas Weckerle: „Er hat sogar gesagt, dass die Leute doch froh sein sollen, wenn sie fürs Nichtstun Geld bekommen. Was sollte daran schlecht sein.“ Für den Informanten ist klar: „Die Leute sollen rausgemobbt werden. Weckerle wartet auf Kündigungen – und damit würden die Abfindungen wegfallen.“ Gerne hätte die Heimatzeitung auch mit Thomas Weckerle gesprochen. Doch Anfragen per Telefon respektive per E-Mail blieben unbeantwortet.
Die Heimatzeitungen im Landkreis Weilheim-Schongau sind unter „merkur_wm_sog“ auf Instagram vertreten.
Auch im Peißenberger Rathaus kann man zum Ende des Weckerle-Standorts nicht viel sagen: „Ich bedauere, dass es so kommt. Aber wir haben natürlich von Seiten der Gemeinde keinen Einfluss auf die unternehmerische Entscheidung“, erklärt Bürgermeister Frank Zellner. Aus kommunaler Sicht sei es aber wichtig, dass die Werkshallen und das Verwaltungsgebäude weiterhin gewerblich genutzt werden.
Was passiert mit dem Weckerle-Grundstück in Achalaich?
Ursprünglich sollte „Weckerle-Cosmetics“ ins neue Gewerbegebiet Achalaich auf Pollinger Flur ziehen. Die Corona-Pandemie sorgte aber für einen finanziellen Einbruch in der Kosmetik-Branche, weshalb die Pläne verschoben respektive nun komplett ad acta gelegt werden mussten. Das Grundstück in Achalaich ist aber nach wie vor in der Hand von Weckerle. Was darauf genau entstehen soll, weiß auch Pollings Bürgermeister Martin Pape nicht. 2020 sei ein Plankonzept vorgestellt worden, nun aber würde es offenbar eine Entwurfsanpassung geben. „Die wurde uns aber noch nicht vorgelegt“, so Pape.
Ewig brachliegen lassen kann Weckerle das Grundstück in Achalaich übrigens nicht. Es gibt Umsetzungsfristen. Und Weckerle darf es auch nur für eigene Zwecke nutzen. Ein Weiterverkauf oder eine Komplettverpachtung an Dritte ist nicht möglich. „Wenn Weckerle nicht bauen sollte“, so Pape, „dann wird der Grundstückskauf rückabgewickelt.“
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