Baumfällungen im Frühjahr

Wegen ALB: Auf Miesbach wartet ein Jahr voll Ungewissheit

+
Riesige Quarantänezone: 2000 Meter bemisst sich ihr Radius und umfasst die Kreisstadt Miesbach.
  • schließen

Vor Miesbach liegt ein Jahr voll Ungewissheit. Grund ist der Asiatische Laubholzbockkäfer, für dessen Ausrottung viele Bäume in der Kreisstadt fallen müssen. Aber auch außerhalb der Fällzone, in der sogenannten Pufferzone, warten auf die Bürger viele Auflagen und Einschränkungen.

Auch wenn die Befallzone mit ihrem 100-Meter-Radius verhältnismäßig überschaubar ist: Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) wird das Leben in Miesbach in den nächsten vier Jahren spürbar verändern. Mindestens so lange werden die Kreisstadt sowie Teile von Irschenberg und Hausham in der Quarantänezone liegen, die einen Radius von 2000 Metern hat und per Allgemeinverfügung aktiviert worden ist.

Quarantänezone berührt auch Hausham und Irschenberg

Für die Menschen, die darin leben und ein Grundstück haben, bedeutet das teils massive Einschränkungen und Pflichten. Sie sind verpflichtet,

Diese Schilder sollen von Neubiberg nach Miesbach versetzt werden.

ihren Baumbestand regelmäßig zu kontrollieren, wenn dieser mögliche Wirtspflanzen des Baumschädlings umfasst. Sie müssen bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL – zuständig für Freiland) oder dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF – zuständig für Wald) eine Genehmigung beantragen, wenn sie spezifische Gehölze oder Holz aus dem Quarantänegebiet oder innerhalb transportieren wollen. Und sie dürfen für die Zeit der Allgemeinverfügung nicht mehr potenzielle Wirtspflanzen des ALB pflanzen.

Kampf um Ausnahmen

Während in dieser Pufferzone zwischen Befallzone und der Außengrenze der Quarantänezone der Schwerpunkt auf Kontrolle liegt, sollen in der Befallzone ab Februar 100 Meter um das Finanzamt an die 5000 Gehölze gefällt werden. Vor allem um den Bestand im Waitzinger Park will die Stadt kämpfen – sie hat dafür eine Ausnahme beantragt. Aber auch die Bäume am Hang des Harzbergs unterhalb des Fritz-Freund-Parks liegen vielen Bürgern am Herzen. Das Thema Widerstand - es wurde zuletzt sehr kontrovers diskutiert.

Neubiberg hat den ALB ausgerottet

Dass man den ALB durchaus überstehen kann, zeigt die Gemeinde Neubiberg im Landkreis München. Dort endet zum Jahreswechsel die vierjährige Quarantänezeit. In den Jahren 2014 und 2015 waren dort ebenfalls Käfer nachgewiesen worden. Die Folge war eine Quarantänezone, die sich über ein Gebiet vom südöstlichen Rand Münchens bis Hohenbrunn und vom Grenzgebiet Unterhachings bis nach Putzbrunn erstreckt hat.

Keine Chance für Klagen

Im Münchner Süden ist die LfL ebenfalls rigoros gegen den Schädling vorgegangen – auch gegen den Widerstand von Betroffenen. So traf es beispielsweise eine Linde – sie ist als Wirtsbaum mit nur einem Nachweis, und den in Frankreich, sehr umstritten – nur wenige Meter von der Befallzonengrenze entfernt. Die Eigentümerfamilie wehrte sich lange, auch die Gemeinde unterstützte sie, indem sie den Baum als ortsbildprägend klassifizierte – vergeblich: Die Familie musste der Fällung zuzustimmen – auch aus Angst vor einer hohen Geldstrafe, die im Bescheid angedroht wurde. Andere reagierten mit stummen Protesten, markierten zu fällende Bäume mit Totenkreuzen.

Doch das alles ist nun Geschichte. In den vergangenen Monaten haben die Experten der LfL das Quarantänegebiet noch mal gründlich nach dem nur wenige Zentimeter großen Käfer abgesucht, wegen dem Hunderte Bäume beziehungsweise Laubgehölze entnommen werden mussten. Ende Oktober wurde das sogenannte Kronen-Monitoring abgeschlossen, bei dem Experten auf Bäume klettern und die Kronen unter die Lupe nehmen. Die frohe Botschaft: keine weiteren Funde.

Die Pheromonfallen, die durch spezielle Düfte die Insekten anlocken sollen, sind schon seit Längerem abgebaut, da die Flugzeit der Käfer vorbei ist. Aufgestellte Fangbäume, die eine ähnliche Funktion haben, werden in Kürze entfernt.

In Waldperlach, Neubiberg und Ottobrunn sollen zudem die Zonenschilder und die Info-Schaukästen zum Käfer-Befall in den kommenden Wochen nach und nach abgebaut werden. Sie werden gleich in ein neues Einsatzgebiet gebracht: nach Miesbach. Und das hoffentlich für nur vier Jahre. Das wäre voraussichtlich Ende 2023.

ddy

Kommentare