Fachkräftemangel ist in der Pflege nicht erst seit Corona ein Thema. Dass die Zustände in den Altenheimen deshalb oft grenzwertig sind, ist bekannt. Dass nun sogar ein Münchner Heim wegen Personalproblemen schließen muss, ist erschreckend.
München – Was für ein Albtraum für die Bewohner und deren Angehörige. Das St. Josefs-Alten- und Pflegeheim in Haidhausen muss schließen – wegen eklatanten Personalmangels. Und das schon zum 29. Februar 2024. Innerhalb von drei Monaten müssen die 60 Bewohner nun ein neues Zuhause außerhalb ihres Viertels finden.
Altenheim in München: Hoher Krankenstand beim Personal
Seit 93 Jahren betreibt der Träger, der Sankt Josefsverein, die Einrichtung in der Preysingstraße. „Wir haben alles versucht. Aber vergangene Woche mussten wir die Entscheidung treffen. Sie ist uns sehr schwer gefallen“, sagt Christian Dobmeier, einer der Vorstände des Vereins, unserer Zeitung. Im Frühjahr diesen Jahres habe das Heim bereits Stationen geschlossen und die Zahl der Bewohner von 100 auf 60 reduziert, in der Hoffnung, den Personaleinsatz zu optimieren und die Qualität der Pflege zu sichern. „Aber das hat leider nichts genützt – vorallem wegen des hohen Krankenstands beim Personal mit über 40 Prozent. Wir sind ein relativ kleines Haus und können Langzeiterkrankungen – sei es wegen Corona oder psychischer Belastung – nicht so leicht abfedern“, erklärt Dobmeier.
Man habe versucht, die Situation durch kostspielige Zeitarbeitskräfte zu kompensieren, aber selbst deren Firmen hätten kein weiteres Personal mehr garantieren können, so Dobmeier. „Wir haben nur noch acht Vollzeit-Pflegekräfte, bräuchten aber vier oder fünf mehr.“ Und da man die Qualität der Pflege so nicht mehr gewährleisten könne, sei dieser schwere Schritt notwendig gewesen. Hinzu käme, dass die Räumlichkeiten nicht mehr den Anforderungen des Pflege- und Wohnqualitätsgesetzes entsprächen und in näherer Zukunft hohe Investitionen notwendig gewesen wären. Jetzt hat man die Reißleine gezogen.
Das Gebäude ist im Besitz des St. Josefsvereins, der auch mehrere Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe wie eine Heilpädagogische Tagesstätte, eine Kita oder ein Kinder- und Jugendheim betreibt. Es sei denkbar, dass das Haus nach der Schließung des Heims für diesen Bereich genutzt werde, so Christian Dobmeier.
Anderer Träger will bei der Vermittlung der Bewohner helfen
Was aber wird nun aus Angestellten und Bewohnern? „Die Caritas will die Mitarbeiter übernehmen. Einige arbeiten seit über 30 Jahren im Nachtdienst – für die ist das Heim eine Heimat.“ Wie muss die Schließung dann erst für die Bewohner sein? „Die Caritas will uns auch helfen, freie Betten an unsere Bewohner zu vermitteln“, erklärt der Träger-Vorstand. In dieser kurzen Zeit ein schwieriges Unterfangen – zumal sich andere Heime ja in einer ähnlich schlechten Situation befinden und die Wartelisten oft lang sind. Selbst wenn ein Bewohner einen anderen Platz bekommt, kann es sein, dass Angehörige künftig einen weiten Weg auf sich nehmen müssen. Immerhin die Kosten seien bei der Caritas ähnlich, sagt Dobmeier.
Gerade für demente Bewohner ist der Umzug in ein neues Heim eine große Belastung, das weiß auch der Trägerverein. Dobmeier: „Im besten Fall können Bewohner später in ihrem neuen Heim von einem unsere Mitarbeiter betreut werden – dann haben sie wenigstens ein bekanntes Gesicht.“ Das ist zumindest seine Hoffnung.
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Rubriklistenbild: © Markus Götzfried
