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900 000 Euro will man in die Sanierung stecken - und bis zu einem bestimmten Monat soll eröffnet werden. Unterschrieben hat der gewünschte Pächter allerdings noch nicht.
Weilheim – Gleich zu dritt waren die Vertreter der „Spaten-Löwenbräu GmbH“, die für den Betrieb des Gasthauses zuständig ist, am Donnerstagabend in die Stadtratssitzung gekommen. Eine wichtige Person hat allerdings gefehlt: der künftige Pächter der Gögerl-Wirtschaft. Dieser habe den Vertrag „noch nicht unterschrieben“, wie Dietmar Seiler, der Chef des Pächter-Forums der Brauerei, einräumen musste.
Seiler geht dennoch fest davon aus, dass die Sanierungsarbeiten „im September/Oktober“ abgeschlossen sind und der Gaststättenbetrieb dann beginnen kann. „September diesen Jahres?“, fragte Bürgermeister Markus Loth (BfW) nach. „Ja“, antwortete der Brauerei-Vertreter – und fügte an: „Das war eine berechtigte Frage.“
Desolater Zustand der Gögerl-Wirtschaft - trotz Investionen
Der Chef des Pächter-Forums gab zu, dass die seit Dezember 2017 leer stehende Gögerl-Wirtschaft „in relativ desolatem Zustand“ sei, obwohl man in den Jahren davor „200 000 Euro reingesteckt“ habe, etwa in neue Fenster. Die für die Verpachtung zuständige „Spaten-Löwenbräu GmbH“ und der Gebäude-Eigentümer, die Münchener „Sedlmayr Grund und Immobilien KG“ (mit der die Stadt Weilheim kürzlich den Erbbaurechtsvertrag bis 2050 verlängert hat), seien große, seit 15 Jahren getrennte Firmen, betonte Seiler. Deshalb habe es auch gedauert, intern das Okay für die grundlegende Sanierung der „Waldwirtschaft“ zu bekommen.
Die gut 900 000 Euro, die dafür aktuell veranschlagt sind, habe man „mittlerweile locker gemacht“, so Seiler: Die Brauerei und die Immobilien KG würden sich diese Summe aufteilen. Vergangene Woche habe man begonnen, das Gebäude auszuräumen. Küche und Gastraum würden „komplett neu gemacht“, dazu kämen eine neue Heizung und Lüftung, neue Toiletten und vieles mehr. Seiler wörtlich: „Da bleibt nichts mehr, wie es war.“
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Diese Änderungen sind für die Gögerl-Wirtschaft geplant
Die Terrasse am Haus, auf der Gäste bisher essen konnten, werde abgebrochen und durch eine Böschung ersetzt, so der Brauerei-Vertreter. Und auch die „Biergartenstation“, in der extra Essen zubereitet wurde, werde es nicht mehr geben – dafür wäre zu viel Personal nötig, das ohnehin kaum zu bekommen sei. Stattdessen sei direkt vom Gasthaus aus eine Schänke für den Biergarten geplant (mit Selbstbedienung). Draußen sei wieder ein Kinderspielplatz vorgesehen, wie Seiler auf verschiedene Nachfragen von Stadträten erklärte, und innen werde „ein gemütlicher Gastraum, angelehnt an alte Münchner Gasthäuser“ entstehen – viel heller als zuletzt.
Gästezimmer wird es in der „Waldwirtschaft“ nicht geben. Im ersten Stock will man eine Wohnung für den Pächter und Zimmer fürs Personal schaffen. Für die Gaststätte im Erdgeschoss sei „klassische bayerische Gastronomie“ geplant, so Seiler: „eigentlich das, was das Gögerl immer war – ein Treffpunkt für Touristen und Einheimische, die da ihren Schweinsbraten oder Wurstsalat essen wollen“, und auch ein Ort für Vereins- oder Geburtstagsfeiern. Wichtig für Weilheim wäre laut Susann Enders (Freie Wähler) ein rollstuhlgerechtes WC. Dafür wollte Seiler „keine hundertprozentige Zusage“ geben. Sicher sei indes, dass das Gasthaus von der Rückseite her einen barrierefreien Zugang bekomme.
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Eröffnungstermin nur „Prinzip Hoffnung“?
Die Reaktionen der Stadträte auf den Besuch waren unterschiedlich. Für die Weilheimer sei „extrem ärgerlich, dass man sich nicht auf Sie verlassen konnte“, sagte Grünen-Sprecher Alfred Honisch an die Adresse der Brauerei-Vertreter, und ein Eröffnungstermin September/Oktober sei wohl „Prinzip Hoffnung“. Auch CSU-Fraktionschefin Marion Lunz-Schmieder bezweifelte, dass all die Pläne binnen drei Monaten umzusetzen seien. Dies und die Tatsache, dass die Brauerei „immer noch keinen Wirt“ präsentieren könne, ließ Uta Orawetz (CSU) deutlich werden: „Das erweckt für mich keinerlei seriösen Eindruck.“
Dagegen zeigte sich Ingo Remesch (SPD) „zuversichtlich, dass das was wird“; und Claus Reindl (BfW) lobte, dass die Verantwortlichen nach allzu langem Warten nun „so viel Geld in die Hand nehmen und das wieder richtig ausbauen“. Das, so die Anregung von Jochen Knittel (BfW), solle die Brauerei auch rasch für alle sichtbar auf ein Plakat an der „Waldwirtschaft“ schreiben: „Eröffnung sicher im September oder Oktober“.
mr
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