VonMagnus Reitingerschließen
Das „Weihnachtsoratorium in Jazz“ hat in Iffeldorf schon mehrmals für Beifallsstürme gesorgt. Nun ist es wieder an den Osterseen zu erleben - und außerdem in einem der schönsten Konzertsäle Münchens.
Iffeldorf – Es ist ein mitreißendes und berührendes Werk – mit dem der Iffeldorfer KlangKunst-Chor bereits große Erfolge im Münchner Herkulessaal oder in der Leipziger Thomaskirche feierte. Am 10. Dezember ist das „Weihnachtsoratorium in Jazz“ wieder im Gemeindezentrum Iffeldorf zu hören, zudem am 12. Dezember im Prinzregententheater München. Was sie persönlich an Stephan Königs besonderer Bearbeitung von Bachs „Weihnachtsoratorium“ begeistert, das erklärt Dirigentin Andrea Fessmann im Interview.
Warum eine neue Version des „Weihnachtsoratoriums“? An Johann Sebastian Bachs Musik gibt es doch eigentlich nichts zu verbessern, oder?
Bach ist perfekt! Und es geht keinesfalls um „verbessern“, diese Version ist einfach anders. Stephan König übernimmt Bachs Melodien und Ideen und zaubert daraus etwas Neues, das gleichzeitig so vertraut ist, weil man es ja schon lange kennt.
Was ist am „Weihnachtsoratorium in Jazz“ anders als an Bachs Original?
„Jazz“. Immer wieder kommen unerwartete Harmonien oder noch mitreißendere Rhythmen. Bekannte Arien werden neu interpretiert und sind dabei so bezaubernd, dass ich gar nicht weiß, welche Variante mir nun eigentlich besser gefällt. Beide wahrscheinlich...
Ist das auch für eingefleischte „Bachianer“ das Richtige?
Ich kann ja nur von mir sprechen, denn ich würde mich selber als solchen bezeichnen: Ja! Und die Reaktion des Publikums im Leipziger Gewandhaus und in der Thomaskirche geben mir recht. Die Bachstadt Leipzig hat mich mit dem „Weihnachtsoratorium in Jazz“ 2018 sogar zum Bachfest eingeladen.
Was sind Ihre persönlichen Lieblingsstellen im „Weihnachtsoratorium in Jazz“?
Oh, wo soll ich anfangen? Bei der Jazz-Version der Alt-Arie „Bereite dich, Zion“oder dem Chor „Herrscher des Himmels“...? Oder wenn die Hirten sich nach Bethlehem aufmachen: „Lasset uns nun gehen nach Bethlehem“... Oder die unglaublich fetzige Tenorarie „Nun mögt ihr stolzen Feinde schnauben“! Und, und, und... Ich mag nur den ersten Bruch im Eingangschor nicht, wo plötzlich die Jazz-Band einsetzt. Da erschrecke ich jedes Mal: Ach ja richtig, es ist ja nicht nur Bach...
Für den KlangKunst-Chor ist dieses Werk ein echter Dauerbrenner, seit sieben Jahren steht es immer wieder auf dem Programm. Wird Ihnen das nicht ein bisschen langweilig?
Niemals. Im Gegenteil! Ich und – ich glaube, ich darf hier für den ganzen Chor sprechen – wir freuen uns auf jede weitere Gelegenheit, dieses Stück aufzuführen! Und das Publikum freut sich auch, das merke ich an den Reaktionen auf meine Ankündigungen.
Gibt es auch Einspielungen des „Weihnachtsoratoriums in Jazz“?
Ja, es gibt tatsächlich eine CD der Uraufführung, allerdings nur noch wenige Exemplare. Eine Neuaufnahme wäre wunderbar. Dafür suchen wir aber noch Sponsoren...
Sie gastierten mit diesem Werk unter anderem schon im Münchner Herkulessaal und im Gewandhaus Leipzig. Heuer gibt es neben dem Iffeldorfer Konzert eine Aufführung im Prinzregententheater München. Warum genau dort?
Das Prinzregententheater ist einer der schönsten Konzertsäle, die ich kenne. Diesen Raum von innen zu sehen, ist schon ein Erlebnis, für Publikum und Mitwirkende gleichermaßen – und er klingt auch noch gut! Man fühlt sich als Besucher ein bisschen wie im Märchen. Von der Bühne aus ist es ähnlich: Man schaut in einen traumhaften Saal und darf dort dann auch noch musizieren. Ich durfte selbst sehr oft mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks dort stehen und freue mich, dass ich diese besondere Erfahrung jetzt auch dem KlangKunst-Chor ermöglichen kann.
Was wird beim Konzert im Prinzregententheater anders sein als bei der Aufführung im Gemeindezentrum Iffeldorf?
Iffeldorf ist kleiner, direkter, die Künstler sind näher, privater. Dafür ist das Prinzregententheater ein Gesamtkunstwerk mit königlichem Raum-Erlebnis. König Ludwig II. war ja der ideelle Vater dieses Theaters.
Ihre Chance für Werbung: Warum sollte man das „Weihnachtsoratorium in Jazz“ unbedingt hören?
Wenn Ihnen bis hierher noch nicht das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, noch eine kleine Anekdote: Nach der Uraufführung in Iffeldorf stand eine alte Dame vor mir – und ich dachte schon „jetzt bekomme ich was zu hören“ . Aber sie sagte zu mir: „Wissen Sie, ich höre, seit ich 16 bin, jedes Jahr das ,Weihnachtsoratorium’ von Bach. Aber ab sofort möchte ich nur noch diese Version hören!“
Die Aufführungen
des „Weihnachtsoratoriums in Jazz“ beginnen am Samstag, 10. Dezember, um 20 Uhr im Gemeindezentrum Iffeldorf und am Montag, 12. Dezember, um 20 Uhr im Prinzregententheater München. Solisten sind Beate Gartner (Sopran), Martin Petzold (Tenor) sowie die Jazzsänger Anna Holzhauser und Maximilian Höcherl. Info/Karten: www.klangkunst-im-pfaffenwinkel.de oder Telefon 08856/3695.
