VonFranziska Florianschließen
Der Christkindlmarkt in Weilheim ist in vollem Gange, und die Krankenhaus GmbH steht dort mit ihrem Stand für Informationen bereit. Am Donnerstag wurden dort Gespräche über Adipositas angeboten, um zu zeigen, dass auch ein Christkindlmarkt-Besuch keine Sünde ist.
Weilheim – „Das Genießen darf nicht vergessen werden“, sagte Nicole Retzer, Diätassistentin der Krankenhaus GmbH. Deshalb wurde der Stand am Christkindlmarkt in Weilheim bewusst dafür genutzt, um mit Interessierten ins Gespräch zu kommen. „Denn in die Sprechstunde, die wir anbieten, geht natürlich keiner wirklich gern“, erklärte Retzer lachend.
Auch bei Übergewicht darf es zwischendurch mal etwas Süßes sein
„Man muss lernen, mit dem Essen umzugehen. Da darf man aber zwischendurch auch einfach mal genießen“, sagte die Diätassistentin. Die Betroffenen dürften das Naschen zwischendurch „nicht als Sünde sehen, das klingt so nach Verboten und das stimmt einfach nicht“. Vor allem in der Öffentlichkeit – wie auf einem Christkindlmarkt – dürfe es auch mal etwas Süßes sein, ohne dass man sich schämen müsse. „Primär steht bei uns eine individuelle Ernährungsberatung im Vordergrund“, erklärte Retzer. Für den Markt hat sie extra ein Rezept für fettfreies Gewürzbaiser vorbereitet und das Gebäck zum Probieren bereitgestellt.
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Dass die Ernährungsberatung gut funktioniert, stellte Barbara Strobl, Leiterin der Adipositas-Selbsthilfegruppe Oberland, fest. Vor fünf Jahren hatte sie rund 155 Kilogramm gewogen. „Ich habe als Kind schon immer gemeint, dass ich übergewichtig bin“, sagte Strobl. Dabei sei sie einfach nur einen Kopf größer gewesen als die anderen. „Das habe ich aber nie in Relation gebracht, dass ich deshalb schwerer war“, erklärte die 39-Jährige. Ihr erlernter Beruf als Konditorin habe dann vor allem dazu beigetragen, dass sie in kurzer Zeit viel zunahm.
Selbsthilfegruppe ist der erste Schritt, um etwas zu tun
Strobl entschied sich, etwas gegen ihr Übergewicht zu tun: Sie besuchte die Ernährungsberatung und die Selbsthilfegruppe im Oberland. „Das hat mir sehr geholfen und ist wichtig.“ Eine Operation wollte Strobl „eigentlich nicht“, sie hat sich dann aber doch dafür entschieden. Durch die Umstellung der Ernährung, ohne auf etwas verzichten zu müssen, und die Operation verlor sie rund 70 Kilogramm und hält das Gewicht seitdem.
Die Adipositas-Selbsthilfegruppe war für sie eine bedeutende Stütze. „Man macht gemeinsam Sport oder trifft sich einfach zum Reden, das hilft viel“, erklärte Strobl. Es sei ratsam, sich mit anderen zu treffen und somit den ersten Schritt zu machen.
Wichtig ist Retzer und ihrem Vorgesetzten Reinhold Lang, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Proktologie, dass nicht jeder, der an Adipositas leidet, operiert werden muss. „Da spielt das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht – also der Body-Mass-Index – eine Rolle. Aber auch der Hausarzt muss einer OP zustimmen“, sagte Lang. Sollte der Patient psychisch „nicht stabil genug“ sein und Psychopharmaka nehmen, wird auch ein Psychologe ins Boot geholt. „Sollte da einer sein Veto erteilen, wird die OP nicht stattfinden“, so Lang.
Die Selbsthilfegruppe
trifft sich am zweiten Mittwoch um 19.30 Uhr in den ungeraden Monaten in Schongau, in den geraden Monaten in Weilheim. Barbara Strobl (0172/8828645), Carina Baumgartner (0176/38956029) sowie Erika Huber (0881/62133) helfen bei Fragen weiter.
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