Angelika Baur im Porträt

„Bringt nichts, mit vielen Verboten zu kommen“: Neue Klimamanagerin setzt stattdessen auf „grüne Ökonomie“

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Angelika Baur erarbeitet gerade ein Konzept zur Erfüllung der städtischen Klimaziele.
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Weilheims Klimaziele in die Tat umsetzen: Das ist die Aufgabe von Angelika Baur, seit 1. September Klimaschutzmanagerin bei der Stadtverwaltung. Warum sie in ihrer Arbeit nicht auf Verbote, sondern auf das Zusammenspiel aus Ökologie und Wirtschaft setzt, hat sie uns erklärt.

Weilheim – „Ich fand Weilheim schon immer toll“, sagt Angelika Baur über die Stadt, für deren Klima- und Umweltbilanz sie seit September zuständig ist – als Klimaschutzmanagerin der Stadtverwaltung. Baur vertritt damit Katharina Segerer, die in Kürze in Mutterschutz gehen wird. Als „sehr schön und lebenswert“ beschreibt die 39-Jährige die Stadt Weilheim, die sie übrigens auch mit vielen Kindheitserinnerungen verbindet. „In den Schulferien war ich sehr oft bei meinen Großeltern, die hier in der Nähe auf einem Bauernhof lebten. Da waren Ausflüge an den Dietlhofer See und in die Stadt Weilheim immer Highlights.“

Bevor es sie zurück nach Weilheim verschlug, war Baur aber unter anderem in München und Berlin tätig. Nach ihrer Ausbildung zur Projektmanagerin für erneuerbare Energien arbeitete Baur etwa bei der „Deutschen Energieagentur“ sowie für ein Unternehmen, das sich auf finanzielle Bürgerbeteiligungsmodelle im Bereich Wind- und Solarenergie spezialisiert hat. Auch im Bereich Umweltbildung für Grundschulkinder hat sich Baur – selbst Mutter zweier Kinder – schon engagiert.

Baur setzt auf PV-Anlagen, Fernwärme und Mischung unterschiedlicher Fortbewegungsmittel

Seit 1. September ist Angelika Baur nun also Klimaschutzmanagerin – doch was macht man in dieser Funktion eigentlich? Die 39-Jährige erklärt es so: „Meine Aufgabe ist es, städtische Klimaschutzprojekte voranzubringen, um damit unsere Klimaziele zu erreichen.“ Mit den Zielen spielt Baur auf die vom Stadtrat beschlossene Klimaneutralität im Jahr 2035 an. Damit sei gemeint, dass sich im Bezug auf Treibhausgase „Emissionen und Einsparungen die Waage halten“. Im Rahmen eines speziellen Konzepts, das derzeit noch in Arbeit ist, erstellt Baur „in Zusammenarbeit mit vielfältigen Experten aus Verwaltung, Wirtschaft und Politik“ nun Lösungsansätze für unterschiedliche Bereiche – darunter etwa Energie, Mobilität oder Biodiversität.

Ob es gelingen wird, das selbst gesetzte Ziel zu erreichen, kann Baur derzeit noch nicht sagen, aber: „Ich habe hier im Rathaus sehr erfahrene, engagierte und fachkundige Kolleginnen und Kollegen an der Seite. Wir alle tun, was wir können.“ Im Energiebereich setzt Baur vor allem auf den Ausbau von PV-Freiflächen- und Dachanlagen sowie das städtische Konzept zur Fernwärme. Bei der Mobilität favorisiert die Klimaschutzmanagerin eine Mischung unterschiedlicher Fortbewegungsmittel – Elektroautos, Fahrräder und den Stadtbus.

Regionale Wirtschaft und Handwerker mit einbeziehen

Eine Sache betont Baur dabei besonders: „Wir möchten den Umstieg so einfach wie möglich machen“ und „nicht gegen den Willen der Bürger arbeiten“. Auch die regionale Wirtschaft und die Handwerker vor Ort möchte Baur in die nachhaltige Transformation mit einbeziehen. „Bei jeder Modernisierung entsteht regionale Wertschöpfung“, erklärt die Klimaschutzmanagerin und meint damit, dass die ganzen Wärmepumpen oder Solaranlagen ja auch irgendjemand einbauen beziehungsweise montieren muss.

Durch Infoveranstaltungen oder die kommunale Wärmeplanung wolle die Stadt den Bürgern eine gewisse Orientierungshilfe geben, so Baur, aber „am Ende entscheiden die Bürger selbst“. Daher sei es wichtig, dass Angebote geschaffen würden, die „die Leute gut finden“. Das sei häufig dann der Fall, wenn sich gewisse Umstellungen nicht nur positiv auf Umwelt und Klima, sondern auch auf den eigenen Geldbeutel auswirken.

„Heimatgedanke“ im Mittelpunkt der Arbeit

Als Beispiele dafür nennt Baur die Heizkosteneinsparung bei gut gedämmten Häusern, , direkte finanzielle Bürgerbeteiligungsmodelle bei Erneuerbaren Energien oder einen günstigen ÖPNV. Dadurch würden die Bürger „Klimaschutz nicht als Bedrohung oder Feindbild“ sehen. „Es bringt nichts, mit vielen Verboten um die Ecke zu kommen“, betont Bauer – sie setzt vielmehr auf positive Anreize für Klimaschutz im Alltag sowie neue Technologien und Innovationen, um die Treibhausgasemissionen zu senken.

Eine „grüne Ökonomie“ schwebt Baur vor, in der neben dem ökologischen auch der soziale und wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt wird. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehe zudem stets ein gewisser „Heimatgedanke“, erklärt Angelika Baur: „Damit mein Zuhause auch für meine Kinder noch ein gutes Zuhause ist.“

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