VonMagnus Reitingerschließen
Die Neubaupläne südlich des Weilheimer Bahnhofs werden konkret: Der Investor will auf dem Areal des einstigen Güterbahnhofs etwa 84 Wohnungen und bis zu 70 Appartements errichten.
Weilheim – Es habe „großstädtischen Charakter“, was die Münchner „Tectaplan Unternehmensgruppe“ auf dem seit Jahren brachliegenden Areal zwischen den Gleisen und der Bahnhofsgasse realisieren will. „Aber am Bahnhof darf das durchaus sein“, meinte BfW-Fraktionschefin Brigitte Holeczek in der jüngsten Stadtratssitzung. Ähnlich CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder, die dort „ein wunderbares Entree für Weilheim“ entstehen sieht. Auch die geplante Höhe sei richtig an dieser Stelle.
Großstadt-Projekt in Weilheim: 13 250 Quadratmeter Geschossfläche
Anders als vor einem Jahr, ist zwar nicht mehr von einem „achtstöckigen Hochpunkt“ die Rede. Auf Geheiß des Stadtrates hat der Bauträger die Kubatur der geplanten Komplexe zwischenzeitlich leicht reduziert. Doch die Ausmaße sind weiter enorm für Weilheim: bis zu sechs Etagen, insgesamt 13 250 Quadratmeter Geschossfläche, davon laut aktueller Planung 1250 für Gewerbe und 600 für Gastronomie; der große Rest ist Wohnen.
Der neue Entwurf, den „Tectaplan“ vom Münchner Büro „Ochs Schmidhuber Architekten“ entwickeln ließ, sieht zwei Komplexe für das gut 7600 Quadratmeter große Grundstück vor: am Knick der Bahnhofstraße einen sechsstöckigen Bau, in dem Gastronomie, darüber „ein bisschen Büro“ (Zitat Investor) sowie bis zu 70 kleine Appartements geplant sind. Bei Letzteren, gedacht etwa für Auszubildende, könne man „sehr variabel auf den Bedarf reagieren“, so „Tectaplan“-Mitarbeiterin Ramona Noisten.
Entlang der Bahnhofsgasse soll ein lang gestreckter Wohnkomplex mit drei fingerartigen Ausbuchtungen zur Gasse hin entstehen – mit insgesamt etwa 84 Wohnungen und eventuell auch einer Kita. Auf der Nordseite ist auch dieser Baukörper sechsstöckig vorgesehen (21,50 Meter Höhe); bis zum Südende soll er stufenartig auf zwei Etagen (8,50 Meter Höhe) abgetreppt werden.
Großstadt-Projekt in Weilheim: „Das sieht richtig gut aus“
Zwischen den beiden Gebäudekomplexen sieht der Planer eine öffentliche „Plaza“ mit Durchblick zu den Gleisen vor. Man wolle das gesamte Areal „stark durchgrünen“, versprach Architekt Florian Schmidhuber im Stadtrat, mit Baumbepflanzung auch auf den Dächern sowie Balkonen und Terrassen der oberen Etagen. Autos sollen im wesentlichen in einer Tiefgarage mit Zufahrt von der Bahnhofstraße parken. Diese werde offen belichtet und belüftet, das Erdgeschoss dafür um etwa anderthalb Meter angehoben. Auf diese Weise befindet sich das Parterre über Gleisniveau, erläuterte Schmidhuber, und „in einer idealen Welt mit weniger Autos“ wäre die Tiefgarage dereinst womöglich „auch anders nutzbar“.
Man wolle „Architektur nach Weilheim bringen, die zukunftsfähig ist“, sagte „Tectaplan“-Geschäftsführer Andreas Hahn. Dem Investor zufolge ist das beauftragte Planungsbüro „in München und im Umland bekannt für innovative Architektur, die sich sehr intensiv mit dem jeweiligen Ort beschäftigt“. Er wolle in dieser Top-Lage einen „markanten Baukörper“ setzen, erklärte der Architekt selbst, „ein Tor zu Weilheim“. Dabei sollen die Gebäude stark gegliedert werden – was im Stadtrat gut ankam. „Das sieht richtig gut aus“, kommentierte Susann Enders (FW) die präsentierten Grafiken, die Massivität werde durch die Gestaltung „gut kaschiert“. Die Höhe sei „auch eine Form des Flächensparens“, befand BfW-Sprecherin Holeczek. Für etwas problematisch halte ihre Fraktion allein das geplante Appartementhaus: „Wir brauchen zwar Appartements, aber uns wäre eine Durchmischung wichtig.“
(Alle News und Geschichten aus unserem Landkreis sind auch auf unserer Facebook-Seite zu finden.)
Großstadt-Projekt in Weilheim: Einen Tick zu viel und zu groß?
Grundsätzliche Bedenken kamen seitens der Grünen: „Verdichtung ja, und es sieht interessant aus“, sagte deren Sprecher Manuel Neulinger zum vorgelegten Entwurf, „aber insgesamt ist es einen Tick zu viel und zu groß geworden“. Viele künftige Bewohner dieser Neubauten „werden von außerhalb kommen“, so Neulinger, „das ist legitim, aber wir als Stadt haben die Folgekosten zu tragen“. Ein genereller Stadtratsbeschluss zur Beteiligung von Investoren an den Folgekosten steht bekanntlich noch aus. „Tectaplan“-Chef Hahn erklärte jedoch, man sehe sich hier „prinzipiell schon in der Verantwortung“. Ein städtebaulicher Vertrag dazu wie auch zur SoBoN-Regelung (die mindestens ein Drittel der Fläche für sozial geförderten Wohnraum fordert) sei in Vorbereitung, hieß es in der Sitzung.
... mit einem Club oben drauf, dann hätten wir in Weilheim mal gscheit fortgehen können.
Mit großer Mehrheit segnete der Stadtrat den städtebaulichen Entwurf ab und beschloss, einen Bebauungsplan „Südlicher Bahnhof“ aufzustellen – als „Urbanes Gebiet“. Gegenstimmen gab es von fünf der sechs Grünen-Vertreter. Andere Ratsmitglieder hätten sich die Neubauten indes noch ein Stockwerk höher vorstellen können; etwa Stefan Zirngibl (CSU), der launig anmerkte: „mit einem Club oben drauf, dann hätten wir in Weilheim mal gscheit fortgehen können“.
(Unser Weilheim-Penzberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)


