VonMagnus Reitingerschließen
Weilheims 2. Bürgermeister Horst Martin (SPD) steht künftig nicht mehr für dieses Amt zur Verfügung. Für seine überraschende Entscheidung nennt er private Gründe.
Weilheim – Vergangene Woche, am Tag nach der Bürgermeister-Stichwahl, war sich Horst Martin noch sicher: Er würde gern 2. Bürgermeister bleiben, sagte der 60-Jährige gegenüber unserer Zeitung. Und auch Weilheims 1. Bürgermeister Markus Loth (BfW) nannte den SPD-Mann, der ihn seit 2014 bei Abwesenheit im Amt vertritt, als seinen Wunschkandidaten für den Vize-Posten.
Nun hat es sich Martin jedoch anders überlegt. Er werde nicht mehr für das Amt des 2. Bürgermeisters kandidieren, erklärte er am Dienstag unserer Redaktion. Dies habe er tags zuvor bereits Loth mitgeteilt. Mit der begonnenen Diskussion, ob die Stellvertreter-Posten nach Parteienproporz oder nach Eignung vergeben werden sollen, habe sein Entschluss nichts zu tun, betonte Martin. Und er fügte an: „Ich hätte, glaube ich, durchaus Chancen gehabt“ – obwohl die SPD nur noch zwei Ratsmitglieder stellt und auch die größeren Stadtratsfraktionen Ansprüche anmeldeten.
„Schuld an der Entscheidung ist eigentlich die Corona-Krise“
„Schuld“ an seiner Entscheidung, so Martin, sei im Grunde die Corona-Krise: Nach dem Wahlkampf habe ihn diese „auf null gebremst“, bei Spaziergängen denke er nun viel über das Leben nach. Dabei habe er sich die Frage gestellt: „Was vermisse ich?“ – und gemerkt: „Am meisten vermisse ich meine Enkel und meine Freunde.“ Vier Enkel habe er in den vergangenen sechs Jahren bekommen, für sie wolle er mehr Zeit haben. „Sie sind oft bei uns“, erklärt der glückliche Großvater, zumal eine seiner beiden Töchter alleinerziehend ist.
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Eine Woche lang habe er mit seiner Entscheidung gerungen, die Vor- und Nachteile abgewägt, sagt der ehemalige Telekom-Mitarbeiter, der seit einigen Jahren im Vorruhestand ist. Sein Entschluss habe ihn letztlich „selbst überrascht, denn ich war ja voll drin“. Die sechs Jahre als 2. Bürgermeister hätten ihm viel „Einblick in das Innenleben Weilheims“ gewährt, er habe es stets als Privileg empfunden, Mitbürgern zu Jubiläen zu gratulieren oder etwa bei Schulabschussfeiern ein Grußwort zu sprechen. 20 bis 40 Wochenstunden habe der Vize-Posten gefordert. Martins Resümee: „Das war eine tolle Zeit, und ich habe auch viel Anerkennung erhalten.“
1. Bürgermeister Markus Loth ist überrascht
Rathaus-Chef Loth bedauert die Entscheidung seines Stellvertreters: „Damit habe ich nicht gerechnet, und es ist schade.“ Er habe mit Horst Martin „gut zusammengearbeitet“, so Loth am Dienstag gegenüber unserer Zeitung: „Auch wenn wir bei der Umgehungsstraße inhaltlich auseinanderlagen, persönlich haben wir uns gut verstanden.“ Wen er nun statt Martin als Vize vorschlagen werde, „kann ich augenblicklich nicht sagen“, so Loth weiter, „da muss man mal schauen, wer alles den Finger hebt“. Entschieden wird über die Stellvertreterposten freilich nicht vom 1. Bürgermeister, sondern – in geheimer Wahl – vom neuen Stadtrat, der ab Mai amtiert.
