Weilheim

Drama, Liebe, Loriot: So ein Theater in Weilheim!

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Leiterin der Weilheimer Festspiele ist Schauspielerin und Regisseurin Yvonne Brosch (Mitte) – hier 2022 bei einer Probe im Stadttheater. Theaterleiter Andreas Arneth (3.v.r.) wird sie weiter unterstützen, ist künftig aber nicht mehr Gesellschafter der Festspiele GbR.
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Zwei Eigenproduktionen der Weilheimer Festspiele und Gastspiele renommierter Ensembles bringen heuer einen wichtigen Klassiker, eine bezaubernde Liebesgeschichte und Loriots witzigste Werke ins Stadttheater.

Weilheim – Das Wort „Corona“ mag eigentlich kein Kulturmacher mehr in den Mund nehmen: Zu viel haben die Pandemie-Beschränkungen allen Künstlern und Veranstaltern abverlangt, zu vielen Institutionen und Kulturreihen haben sie Existenznöte gebracht oder gar den Todesstoß gegeben. Das Angebot des Weilheimer Stadttheaters hat gottlob überlebt – vor allem dank des enormen Einsatzes der Verantwortlichen. Doch verändert hat Corona auch hier viel. Und wenngleich die Einschränkungen schon wieder Jahre zurückliegen, müsse man noch immer viel mehr als früher ums Publikum werben und kämpfen, berichten Veranstalter.

So schwang die Pandemiezeit auch noch mit, als im Hauptausschuss des Stadtrates diese Woche das Programm der Weilheimer Festspiele 2024 und die weiteren Angebote des städtischen Kulturprogramms präsentiert wurden. Dabei war die Botschaft der Macher eine rundum positive: „Wir sind seit vergangenem Jahr auf dem aufsteigenden Ast“, berichtete Theaterleiter Andreas Arneth, „und ich rechne damit, dass es weiter bergauf geht“. Insgesamt rund 3000 Besucher kamen 2023 zu den Veranstaltungen des städtischen Kulturprogramms.

Defizit gegenüber Vor-Corona-Zeit gestiegen

Positiv war auch das Signal der Stadtpolitiker: Kulturreferentin Ragnhild Thieler würdigte, dass Arneth und sein Team „Unglaubliches“ geleistet und auch in der Pandemie stets Möglichkeiten gefunden hätten, Kultur anzubieten. Für „ganz, ganz tolle Arbeit“ dankte auch Bürgermeister Markus Loth – und versicherte, man wolle am städtischen Kulturprogramm „in bewährter Art und Weise“ festhalten. Für dieses Jahr rechnet Arneth mit einem Defizit von 125 000 Euro. Vor Corona seien es rund 100 000 Euro jährlich gewesen. „Wir wissen, dass Kultur nicht zum Nulltarif zu haben ist“, betonte Loth, und die Kulturarbeit sei „etwas ganz Wertvolles für die Stadt“. Das Stadttheater – um das Weilheim von vielen vergleichbaren Städten beneidet wird – werde mit den Festspielen und den Gastspielen „hervorragend bespielt“.

Das städtische Kulturprogramm 2024 (siehe Kasten) wurde vom Hauptausschuss einstimmig abgesegnet. Die geplanten Eigenproduktionen der Festspiele hat Regisseurin Yvonne Brosch dem Gremium vorgestellt. Andreas Arneth erklärte, er werde künftig nicht mehr Gesellschafter der „Weilheimer Festspiele GbR“ sein – eine Reaktion auf die Rechnungsprüfer des Stadtrates, die vergangenes Jahr das städtische Kulturprogramm durchleuchteten und Arneths Doppelfunktion als Theaterleiter und Festspiel-Gesellschafter kritisch sahen (wir berichteten).

Arneth zieht sich aus Festspiele GbR zurück

Er werde aber als freiberuflicher Bühnenbildner für die Festspiele wirken, erläuterte Arneth, und wolle Brosch zudem „ehrenamtlich bei der Organisation zur Seite stehen“.

Erste Festspiel-Produktion 2024 ist im Oktober Lessings Klassiker „Nathan der Weise“, berühmt für seine Ringparabel, einen Schlüsseltext in Sachen Toleranz. Das sei „eines der wichtigsten Stücke überhaupt“, sagt Brosch, „und aktueller denn je“. Regie führt Celino Bleiweiß, der halb im nahen Otterfing, halb in der israelischen Großstadt Tel Aviv lebt. Sechs Aufführungen wird es vom „Nathan“ im Stadttheater geben und zusätzlich wohl einige Schulvorstellungen. Im Dezember folgen dann sieben Vorstellungen von Neil Simons Komödie „Barfuß im Park“, einer „bezaubernden, heiteren Liebesgeschichte“ (Brosch) aus den 1960er Jahren, die viele aus der Hollywood-Verfilmung mit Robert Redford und Jane Fonda kennen.

Karten für die beiden Festspiel-Stücke und das gewitzte Loriot-Gastspiel des Hoftheaters Bergkirchen im Juni können auch als vergünstigtes Theater-Abo erworben werden. Informationen dazu und zum sonstigen Kartenverkauf finden sich ab kommender Woche auf der Internetseite stadttheater-weilheim.de.

Das städtische Kulturprogramm im Überblick

Zwei Eigenproduktionen der Weilheimer Festspiele, drei Theater-Gastspiele, dazu das Jazzfestival „AmmerTöne“: Das ist das diesjährige Kulturprogramm der Stadt Weilheim – neben dem es im Stadttheater natürlich noch Aufführungen heimischer Ensembles sowie Veranstaltungen privater Anbieter gibt.

Eines der Theatergastspiele („Momo“ mit dem Hoftheater Bergkirchen) fand bereits am 12. April statt. Die noch ausstehenden Produktionen und Termine des städtischen Kulturprogramms im Überblick:

Gastspiel „Theaterlust“ mit der Krimikomödie „Acht Frauen“: Sonntag, 12. Mai, 18 Uhr.

Gastspiel Hoftheater Bergkirchen mit „Loriot, du dödel di“ – ein Potpourri aus Loriots witzigsten Werken: Freitag, 28. Juni, 20 Uhr, und Sonntag, 30. Juni, 18 Uhr.

Jazzfestival „AmmerTöne“: Freitag/Samstag, 15./16. November.

Weilheimer Festspiele: „Nathan der Weise“ (sechs Vorstellungen zwischen 12. und 31. Oktober) sowie „Barfuß im Park“ (sieben Vorstellunge zwischen 14. und 31. Dezember).

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