Massive Einwände aus der Nachbarschaft

Neubaugebiet bei St. Pölten macht Anwohnern Sorgen

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Mittelfristig werden hier mehr Baumaschinen anrücken: Der Anger zwischen Pöltner Kirche und der Au.
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Die Bebauung des großen Angers unterhalb der Pöltner Kirche besorgt zahlreiche Anwohner. Über 20 waren zur Stadtratssitzung gekommen, bei der die Änderung des Flächennutzungsplans abgesegnet wurde.

Weilheim – 250 bis 300 neue Wohnungen (so die Angabe von Grünen-Stadtrat Alfred Honisch), eine neue Kindertagesstätte und ein rund 60 Meter breiter „Bürgerpark“ – das sind, wie berichtet, die mittelfristigen Pläne für die derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Pöltner Kirche und Bahnlinie. Als ersten Schritt ändert die Stadt nun den Flächennutzungsplan (FNP), der das Areal bislang als Grünfläche und teils als Vorratsfläche für einen Friedhof ausweist.

Dagegen gibt es massive Einwände aus der Nachbarschaft. Dass man mit den Planungen „einen sensiblen Bereich berührt“ – wie es Klaus Gast (CSU) ausdrückte – zeigte sich auch vergangenen Donnerstag im Weilheimer Stadtrat. Über 20 Anwohner hörten sich in der Sitzung die Abwägung zu den Einwendungen und Stellungnahmen von Anliegern und Fachbehörden an, die der Bauausschuss schon vorbesprochen hatte (wir berichteten). Am Ende hat der Stadtrat die FNP-Änderung wie geplant beschlossen – einstimmig.

Sie juble nicht über die Pläne, sagte BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek; denn die große freie Fläche sei ihr seit der Kindheit vertraut. Dennoch stimme sie der Änderung zu, denn Weilheim könne es sich nicht leisten, „eine solche Fläche im Inneren als Vorratsfläche für einen Friedhof vorzuhalten“. Für die mit der Bebauung verbundenen Probleme wie den zusätzlichen Verkehr werde man „gute Lösungen finden“, versprach Holeczek. Sie schloss mit einem „Appell an die Solidarität“, den ihr ein „alteingesessener Weilheimer“ kürzlich gesagt habe: „Weilheim ist eine wunderschöne Stadt – auch andere sollen die Möglichkeit haben, hier zu wohnen.“

Weilheimer bräuchten selbst „mal günstigere Wohnungen“

Freie-Wähler-Sprecher Walter Weber betonte dagegen, es brauche vor allem für die Weilheimer selbst „mal günstigere Wohnungen“. Dass in diesem Baugebiet erstmals im großen Stil Weilheims neue Regelung zur „sozialgerechten Bodennutzung“ verwirklicht werde, hob Florian Lechner (BfW) hervor.

Das bislang freie Feld „haben wir alle lieb gewonnen“, stellte Grünen-Fraktionsvorsitzender Alfred Honisch fest. Wenn „diese Oase“ schon bebaut werde, dann gelte es dort im Sinne einer Verkehrswende aber „zumindest autoreduziertes Wohnen“ zu realisieren. Dazu gab es höchst unterschiedliche Stimmen im Stadtrat. Für 2. Bürgermeister Horst Martin (SPD) muss ein künftiger Bebauungsplan vorgeben, „das ganze Geviert völlig autofrei zu gestalten“. Das hält 1. Bürgermeister Markus Loth (BfW) für unrealistisch, seiner Meinung nach würde der Parkverkehr dann „in die umliegenden Wohngebiete verdrängt“. Was Petra Arneth-Mangano (SPD) so konterte: „Zum Realitätssinn gehört auch, etwas gegen den Klimawandel zu tun.“

Karl-Heinz Grehl (Grüne) regte an, sich Städte wie Freiburg oder Tübingen anzuschauen, wo man für autofreie Quartiere Lösungen habe, „dass der Verkehr eben nicht in Nachbarviertel abdriftet“. Auch in Weilheim gebe es „das Bedürfnis, mal über andere Planungen nachzudenken“, so Grehl: Die Stadt müsse hier agieren und nicht nur „auf den Bauträger reagieren“.

Warnung vor einer Ausnahme

Man könnte für das Neubaugebiet zumindest „einen reduzierten Stellplatzschlüssel andenken“, meinte Verkehrsreferent Claus Reindl (BfW) – während Saika Gebauer-Merx (FDP) davor warnte, eine Ausnahme zu machen: Der Stellplatzschlüssel dürfe „gern für die ganze Stadt“ geändert werden, aber nicht für ein einzelnes Quartier.

Dass die „Frischluftschneise“ in Form des geplanten Parks großzügiger bemessen und „trichterförmig“ gestaltet werden sollte, forderte Michael Lorbacher (SPD). So wichtig Wohnungen für Weilheim seien und so sinnvoll Nachverdichtung sei – hier gelte es von der geplanten Bebauung „eher noch etwas abzuzwacken“, um „den Anfängen zu wehren“.

Uta Orawetz (CSU) verwies darauf, dass die Infrastrukturmaßnahmen, die das Neubaugebiet nötig mache, „beileibe nicht beim Verkehr enden“. Die Planung habe Folgen für Kinderbetreuung und Schulen – „und da haben wir unsere Hausaufgaben nicht gemacht“, so Orawetz. Deshalb gelte: „Erst die Infrastruktur, dann die Ausweisung.“

„Erneute Gelegenheit zur Stellennahme“

Dennoch trug auch Orawetz – wie alle Stadtratsmitglieder – die Änderung des Flächennutzungsplans mit. Damit beginnt laut Stadtbauamt „ein ganz normales formelles Verfahren“. Nach Einarbeitung kleinerer Änderungen werde der FNP noch einmal öffentlich ausgelegt – „mit erneuter Gelegenheit zur Stellungnahme“, so Manfred Stork, Leiter der Bauverwaltung im Rathaus.

Eine eigene Informationsveranstaltung für Bürger (wie sie bereits im Bauausschuss angemahnt wurde) wird es aber erst geben, wenn konkretere Planungen und Grundzüge des Bebauungsplans stehen. Denn dafür brauche man laut Stork und Bürgermeister Loth „dreidimensionale Bilder“.

mr

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