VonMagnus Reitingerschließen
Ein Antrag von Ullrich Klinkicht hat im Weilheimer Stadtrat zu einer heftigen Debatte geführt: Er wolle nur „mal wieder eine Schlagzeile haben“, rügten Kollegen sein Vorgehen bei der Forderung, eine Bürgerstiftung fürs Stadtmuseum zu gründen.
Weilheim – Seit über zwei Jahren ist die Dauerausstellung aufgrund von Sicherheitsmängeln nicht mehr zugänglich. Die schon lange geplante Sanierung des Weilheimer Stadtmuseums drohe sich „durch die derzeitige finanzielle Lage der Stadt erheblich zu verzögern oder letztlich gar zu scheitern“, schreibt Stadtratsmitglied Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) in seinem Antrag. Das Ratsgremium solle deshalb die Gründung einer Bürgerstiftung Stadtmuseum Weilheim beschließen, „um die derzeit laufenden Planungen und eine hoffentlich in absehbarer Zukunft beginnende Sanierung des Museums durch die Einwerbung privater Finanzmittel zu unterstützen“. Immerhin bewahre das Museum „einen wichtigen Teil des geschichtlichen, kulturellen und künstlerischen Erbes unserer Stadt“. Vorbild, so Klinkicht, könne der Bau der neuen Orgel in der benachbarten Stadtpfarrkirche sein, den die Pfarreiengemeinschaft „zu einem großen Teil durch Spenden“ finanziere.
Das Rathaus allerdings kann Klinkichts Antrag wenig abgewinnen. Die Stadt Weilheim, so erklärte Hauptamt-Mitarbeiter Stefan Popp vergangene Woche im Stadtrat, betreue selbst bereits drei Stiftungen – bei denen man einen deutlichen Rückgang der Zustiftungen und Spenden feststellen müsse (wir berichteten). Es sei fraglich, wer bereit sei, für eine neue Stiftung das nötige „Grundstockvermögen zu stiften, um entsprechende Kapitalerträge zu erwirtschaften“. Zugleich gebe es schon seit 2011 den Förderverein Stadtmuseum, der auch Spenden entgegen nehmen dürfe. Es brauche also keine neue Institution, so das Fazit der Stadtverwaltung, „sondern wirksame Werbemaßnahmen der bereits bestehenden“.
Holeczek: Zielsetzung ist, „in den Medien zu erscheinen“
Geradezu verärgert über Klinkichts Vorstoß zeigte sich Ragnhild Thieler (BfW), die als Kulturreferentin des Stadtrates seit Jahren für die Museumssanierung kämpft. Die geäußerten Gedanken des Kollegen seien ja „ehrenvoll“, doch er hätte zuvor mit ihr und mit der Museumsleitung darüber sprechen sollen. Denn eine Neugründung wäre ihrer Ansicht nach „nicht förderlich“. Sobald „bestimmte Dinge geklärt sind für die Museumssanierung“, könne man auf bestehende Stiftungen zugehen. Und Bürger könnten über den Förderverein helfen, sagte Thieler mit Verweis auf den „Museumsshop“ mit seinem Benefizverkauf. Der Förderverein wie auch der Heimat- und Museumsverein könnten zudem zweckgebundene Spenden annehmen und dafür auch Bescheinigungen ausstellen, ergänzte Klaus Gast (CSU).
Klinkichts Vorgehen aber sei der falsche Weg, rügte Thieler: „Ich verstehe nicht , was Sie mit so einem Antrag bezwecken wollen.“ Sie habe den Verdacht, dass bei dem Ratskollegen „auch ein bissl eine andere Zielsetzung dahinter ist“, ergänzte BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek – nämlich die, „in den Medien zu erscheinen“. Noch deutlicher wurde Horst Martin: „Das ist für mich ein Schaufensterantrag“, sagte der SPD-Vertreter, „da geht es nur darum, mal wieder eine Schlagzeile zu haben“. Martin störte sich in diesem Zusammenhang auch an anderen Vorgehensweisen Klinkichts: „Wer es nötig hat, als Stadtrat ständig Leserbriefe zu schreiben, ist hier im Gremium nicht richtig.“
Neulinger: „Nur weil ein Antrag von Klinkicht kommt, muss er nicht per se schlecht sein“
Klinkicht selbst betonte, es gehe ihm mit dem Antrag rein um die Sache, und dafür seien nicht Vorgespräche nötig, sondern es gelte eben im Stadtrat darüber zu diskutieren. Die neue Stiftung solle ein „Durchlauferhitzer“ sein für Spenden und Schenkungen. Der Förderverein habe „eine ganz andere Funktion und kann eine solche Dimension wie die Sanierung nicht leisten“. Auch Gerd Ratter (ÖDP) hält eine Neugründung für sinnvoll: Eine gute Möglichkeit sei eine „Verbrauchsstiftung“, die „auf 10 bis 15 Jahre mit einem klaren Ziel angelegt“ ist – wie etwa beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche.
„Nur weil ein Antrag von Herrn Klinkicht kommt, muss er nicht per se schlecht sein“, distanzierte sich Manuel Neulinger von der geäußerten Kritik. „Wenn wir ehrlich sind, stehen wir bei der Museumssanierung aktuell doch an einem Scheideweg“, so der Grünen-Sprecher weiter. Deshalb sei „jede Idee im Grunde willkommen“. Man solle Klinkichts Antrag zurückstellen, darüber nachdenken und im nächsten Hauptausschuss „in Ruhe darüber diskutieren“.
Doch der vorliegende Antrag auf eine Bürgerstiftung sei „schlicht falsch“, wandten mehrere Ratsmitglieder ein. Deshalb helfe keine Vertagung, sondern allenfalls ein neu formulierter Antrag. In diesem Sinne zog Klinkicht seinen eingereichten Antrag nach längerer Debatte offiziell zurück – und kündigte einen neuen zur nächsten Hauptausschuss-Sitzung an. Darin solle es konkret um die Möglichkeit einer „Verbrauchsstiftung“ gehen.
