- VonAndreas Jägerschließen
Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel, steigende Bürokratie und immer mehr Umweltauflagen: Ein toxischer Mix für die Metall- und Elektrounternehmen in der Region, von denen laut neuester Konjunkturumfrage nicht wenige deshalb eine Verlagerung ins Ausland planen. Allerdings hätte die Politik durchaus Möglichkeiten, diesem Trend entgegenzusteuern.
Weilheim – „Die Konjunktur in der Metall- und Elektroindustrie ist schwach“: Zu diesem Fazit kam Michael Ullrich, Senior Vice President der Firma Linde und zugleich Vorsitzender des bayme vbm Vorstands der Region Oberland, bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage der Metall- und Elektroindustrie für Sommer 2023. „Wir sehen keine Dynamik“, so Ullrich, „die Erwartungen der Unternehmen sind negativ, die Investitions- und Beschäftigungspläne sind gesunken“.
Das aktuelle Inlandsgeschäft wird laut Konjunkturumfrage nur von knapp 45 Prozent als gut bewertet, das Auslandsgeschäft bewerten hingegen 57 Prozent positiv. Die Ertragslage in der Metall- und Elektroindustrie in unserer Region wird zwar unterm Strich positiv bewertet, aber: Gut 23 Prozent der Unternehmen werden wohl nicht über eine schwarze Null hinauskommen. 32 Prozent der befragten Unternehmen möchten im zweiten Halbjahr 2023 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, gleichzeitig befürchten aber auch rund 20 Prozent, Stellen abbauen zu müssen.
„In China sind die Entscheidungswege schnell und kurz“
Die Metall- und Elektroindustrie stehe allerdings nicht nur vor konjunkturellen, sondern auch vor strukturellen Herausforderungen: Fast 62 Prozent der befragten Unternehmen sagten, dass sich die Standortbedingungen im Inland in den vergangenen beiden Jahren verschlechtert hätten. „Deshalb wird immer weniger im Inland investiert. Das gefährdet die Zukunftsfähigkeit unseres Standorts“, sagte Ullrich. Die Umfrageergebnisse belegen das: So haben 19 Prozent der Betriebe, die eine Verschlechterung der Standortbedingungen sehen, bereits Teile der Wertschöpfung ins Ausland verlagert. Weitere 39 Prozent planen dies.
Die Ursachen für diese Pläne lägen laut Ullrich in den gestiegenen Energie- und Arbeitskosten, der steigenden Bürokratie und dem Fachkräftemangel in Deutschland. Auch gestiegene Rohstoffkosten und strenge Umweltauflagen setzten den Unternehmern zu.
Hanns Peter Spaniol, Geschäftsführer der Stöger Automation GmbH (Königsdorf), erklärte, man werde die Wertschöpfung aufgrund der mangelnden Attraktivität des Standorts Deutschland zum Teil ins Ausland verlagern, etwa in die USA oder nach China. „In China sind die Entscheidungswege schnell und kurz“, so Spaniol. In Deutschland sei das Gegenteil der Fall.
Energiekosten haben sich „fast vervierfacht“
Ein weiteres Problem, das die Unternehmer beschäftigt, sind die stark gestiegenen Energiekosten. Diese hätten sich „fast vervierfacht“, betonte Stefan Schneider, Geschäftsführer der TQ-Systems GmbH, die seit kurzem auch ein Werk in Peiting hat. Zudem wies Schneider auf die Probleme im Beschaffungsmarkt hin: Hier habe sich die Bezugszeit der Werkstoffe von wenigen Wochen zu einem bis eineinhalb Jahren verändert.
Die hohen Strompreise belasten auch die Weilheimer Firma Bechtold, in deren Betriebsräumen die Vorstellung der Konjunkturprognose stattfand. Zum Teil könne man diese immerhin durch eine eigene PV-Anlage ausgleichen, sagte Geschäftsführer Matthias Bechtold. Profitieren würde die Weilheimer Firma derzeit insbesondere von der hohen Neuprojekte-Dynamik in der Eisenbahnindustrie. Daher blicke man trotz der Probleme optimistisch in die Zukunft.
Absenkung der Stromsteuer und Industriestrompreis gefordert
„Die Bundesregierung muss endlich den Wirtschafts- und Industriestandort in den Fokus ihrer Politik nehmen“, appellierte Michael Ullrich. Wenn man erfolgreiche Unternehmen wolle, die für Wertschöpfung und Beschäftigung sorgen, müsse man vernünftige Bedingungen schaffen. Dazu gehöre etwa eine sichere und bezahlbare Energieversorgung: Jene sei die Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschafts- und Industriestandorts.
„Kurzfristig brauchen wir deshalb die Absenkung der Stromsteuer auf das europarechtlich zulässige Minimum von 5 Cent pro Kilowattstunde für Unternehmen sowie einen möglichst niedrigen Industriestrompreis“, forderte Ullrich. Zugleich müsse man mit Hochdruck am Ausbau des Energiesystems und der Energienetze arbeiten.