- VonJohannes Thomaschließen
Die Solaranlage auf dem Dach und regionale Produkte im Kühlschrank: Das Thema „Nachhaltigkeit“ gewinnt immer mehr an Bedeutung – auch bei der Geldanlage.
Landkreis – Rendite ist bei vielen nicht mehr alles: Bei immer mehr Menschen in der Region spielen bei der Geldanlage in Fonds Kriterien wie „Ökologie“, „Soziales“ und „Unternehmenskultur“ eine größere Rolle. Das bestätigt Michael Roth, Vertriebsleiter Vermögensberatung bei der Raiffeisenbank Pfaffenwinkel, die vorwiegend im Altlandkreis Schongau tätig ist und rund 22 000 Kunden hat.
„Das Interesse der Kunden ist auf jeden Fall da, auch wenn das Thema ,Nachhaltigkeit’ nicht sofort grundsätzlich mit Geldanlage verbunden wird“, sagt er. Roth berät pro Jahr mehrere 100 Kunden und stellt ihnen die für Banken verpflichtende Frage, ob sie auch an nachhaltigen Fonds interessiert seien. Kaum ein Kunde frage von sich aus nach, so Roth. Rund ein Drittel der Kunden, die sich für die nach so genannten ESG-Kriterien gemangten Fonds interessieren (siehe Kasten), investierten dann auch tatsächlich in derartige Fonds.
„Grüne Fonds“
„Grüne Fonds“ werden landläufig Geldanlagen genannt, die sich nachhaltigen Kriterien verpflichten. Die Bezeichnung ist allerdings nicht ganz vollständig. Denn mit „grün“ ist nur Umwelt- und Klimaschutz gemeint. Tatsächlich aber geht es bei den Fonds um die so genannten ESG-Kriterien: „E“ steht für Environmental (Umweltschutz), „S“ für Social (Sozialverträglichkeit) und „G“ für Governance (Unternehmensführung). Ein Windrad, in Nordkorea errichtet, würde also die ESG-Kriterien beispielsweise nicht erfüllen.
Anleger, die jünger als 40 Jahre sind, haben größeres Interesse an nachhaltigen Produkten als die Älteren
Das sind wesentlich mehr als beispielsweise noch vor einem Jahrzehnt – auch wenn jüngst ein kleinerer Rückgang vermutlich wegen der Probleme im Energiebereich zu verzeichnen sei, so Roth. Laut seiner Erfahrung haben die Anleger, die jünger als 40 Jahre sind, ein größeres Interesse an nachhaltigen Produkten als die Älteren.
Letzteres kann der Leiter der Wertpapierabteilung bei der Sparkasse Oberland, Uwe Lachenschmid, nicht eindeutig bestätigen. „Querbeet gemischt“ sei die Kundschaft, die sich bei der Sparkasse für einen ESG-Fonds interessiere. Was Lachenschmid bestätigen kann, ist das gestiegene Interesse an nachhaltiger Geldanlage insgesamt. Bei der Sparkasse Oberland betrug das Bestandsvolumen von als nachhaltig klassifizierten Fondslösungen im vergangenen Jahr rund 202 Millionen Euro. Die Sparkasse Oberland beschäftigt für seine rund 138 000 Kunden etwa 150 Kundenberater, die pro Jahr mehrere zehntausend Beratungsgespräche führen. Die Steigerung bei den nachhaltigen Fonds liege auch daran, dass Kunden auf den globalen Transformationsprozess mit einer Beteiligung an bestimmten Unternehmen indirekt Einfluss nehmen können, so Lachenschmid.
Kein einheitliches Gütesiegel
Ein einheitliches Gütesiegel in diesem Bereich gibt es allerdings nicht. Hiesige Banken haben über ihre Partner wie Union-Investment oder Deka-Bank nach wie vor Anlagen im Angebot, die mit keinem nachhaltigen Gütesiegel versehen sind.
Dies trifft auch auf die VR-Bank Werdenfels zu. Deren Prokurist und Sprecher Michael Schuldes schätzt, dass nur zwischen fünf und zehn Prozent der Anleger beim Kundengespräch die Frage nach ihrem Interesse an nachhaltigen Fonds bejahen. „Rund 30 Prozent der Befragten investieren dann aber in diesem Bereich. Der relativ hohe Anteil hat mich überrascht“, so Schuldes über die Diskrepanz zwischen Befragung und tatsächlichem Investment. Auch bei der VR-Bank – rund 65 000 Kunden und 14 500 Wertpapieranleger – ist das Interesse in den vergangenen Jahren an dieser Art von Papieren angestiegen.
Derzeit allerdings liegen diese Fonds vor allem im Sektor „erneuerbare Energien“ aufgrund der (welt)politischen Lage nahezu ausnahmslos im Minus – meist im zweistelligen Bereich. „Das wird sich aber sicher wieder herauswachsen“, sagt Lachenschmid Insgesamt haben nachhaltige Anlagen im Vergleich zu herkömmlichen in den vergangenen Jahren laut einer Studie nämlich mindestens genauso gut oder besser abgeschnitten.
Das berücksichtigt auch die Sparkasse Oberland mit ihrem Fonds „Oberland WeltInvest“, in den sie selbst im April 2022 fünf Millionen Euro investiert hat. Viele Kunden sind dem Beispiel der Sparkasse gefolgt und haben bis Anfang November 2023 zwölf Millionen Euro in diesen Fonds eingezahlt. Der Institutsfonds habe zwar kein nachhaltiges Gütesiegel, berücksichtige dennoch Nachhaltigkeitsaspekte bei der Auswahl der lnvestments, so die Sparkasse.