Weilheim

Zu groß, zu dicht, „einfach Wahnsinn“: Stadt reagiert verschnupft auf Neubaupläne

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Die Neubaupläne anstelle dieses Gebäudes an der Ecke Eichtweide/Gartenstraße in Weilheim sind der Stadt zu massiv.
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Für „Wahnsinn“ hält man im Rathaus die massiven Neubaupläne für zwei Grundstücke an der Ecke Eichtweide/Gartenstraße in Weilheim. Doch das Landratsamt lässt das Nein des Weilheimer Bauausschusses dazu nicht gelten. Weshalb die Stadt nun andere Wege geht.

Weilheim – Diese Neubau-Dimension wäre einfach „zu viel an dieser Stelle“, da war sich der Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates in seiner Januar-Sitzung einig: Einstimmig wurden die Bauanträge für zwei Neubauten mit insgesamt acht Wohnungen anstelle des jetzigen Wohnhauses auf den Grundstücken Eichtweide 2 und Gartenstraße 17 abgelehnt (wir berichteten). Als Kompromiss, so hieß es, würde man direkt an der Eichtweide das gewünschte Mehrfamilienhaus zulassen und südlich daneben ein „klassisches Doppelhaus“, insgesamt also sechs Wohneinheiten – darüber solle das Stadtbauamt mit den Antragstellern verhandeln.

Ober sticht Unter? Stadt Weilheim will nicht klein beigeben

Doch die nahmen das Gesprächsangebot nicht an, wie nun in der März-Sitzung deutlich wurde. Stattdessen hat das Landratsamt als Genehmigungsbehörde zwischenzeitlich mitgeteilt, dass man der Argumentation der Stadt nicht folge. Die geplanten Gebäude fügen sich seiner Ansicht nach in die Umgebung ein; ein Bebauungsplan besteht für das Geviert bislang nicht. Bleibe die Stadt bei ihrer Auffassung, werde die Kreisbehörde schlichtweg das gemeindliche Einvernehmen zu den beiden Bauanträgen ersetzen, so die klare Ansage – also: Ober sticht Unter.

Stadtbauamt: „Es ist einfach Wahnsinn, was hier entstehen soll“

Weilheims Bauausschuss zeigte sich am Dienstagvormittag jedoch keineswegs willig, in dieser Sache klein beizugeben. Acht Wohneinheiten wären hier zu viel, erklärte Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung, im Umfeld gebe es keine so großen Gebäude. Die Planung sei „ausgereizt bis auf das letzte Stückl“, die Abstandsflächen seien „ganz knapp bemessen“, die Carports gingen teils auf Kosten einer Terrasse. Auch die geplanten „Duplexparker“ in den Garagen sieht die Stadt kritisch. „Es ist einfach Wahnsinn, was hier entstehen soll“, fasste Stork zusammen und wunderte sich, „dass sich das Landratsamt hier auf reine Juristerei zurückzieht“.

Diese Sicht teilten sämtliche Ausschussmitglieder, quer durch die Fraktionen. Rupert Pentenrieder (BfW) wies darauf hin, dass für ein solches Vorhaben eigentlich eine Tiefgarage nötig wäre: „Weil es ein geteiltes Grundstück ist, kann man das umschiffen.“ Die geplante Höhenentwicklung sei in Ordnung, betonten mehrere Lokalpolitiker, nicht aber die Gebäudegrößen.

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CSU-Stadtrat ist verärgert, dass sich das Landratsamt „hier so großzügig zeigt“

„Wem wollen wir dienen?“, fragte Grünen-Vertreterin Brigitte Gronau: „dem Bauherren, der das Maximale rausquetscht, oder den zukünftigen Bewohnern und Anwohnern?“ Den Schaden hätten „die, die dort wohnen, und alle drumherum“, so ihr Fazit; deshalb könne man das Vorhaben nicht zulassen. Auch Klaus Gast (CSU) plädierte dafür, „keinesfalls das Einvernehmen zu erteilen“, nicht zuletzt wegen möglicher Folgefälle. Er sei verärgert, dass sich das Landratsamt „hier so großzügig zeigt“, während es sonst „auf jedes Pünktchen und Komma achtet“.

Mit Bebauungsplan will die Stadt nun ihre Planungshoheit sichern

Beim Bauen sei es mit der viel zitierten Planungshoheit der Kommunen in vielen Fällen „längst vorbei“, konstatierte Karl-Heinz Grehl (Grüne): „Wenn wir hier noch in irgendeiner Form Planungshoheit haben wollen, müssen wir einen Bebauungsplan aufstellen.“ Genau darauf verständigte sich das Gremium letztlich auch – wenngleich der Aufwand hoch sei und das Ganze angesichts des „inhomogenen“ Quartiers (so Gast) schwierig sei. „Wir wollen keine Bebauungs verhindern, wir wollen sie nur anders geordnet haben“, betonte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek. Auch den benachbarten neuen Bebauungsplan „Adlhochstraße“ und die Nähe zum Waitzackerbach gelte es dabei zu beachten, fügte Bernhard Kerscher (SPD) an: „Die Stadt hat alles Recht, hier ordnend einzugreifen.“

So gab es am Ende mehrere Abstimmungen – die alle einmütig ausfielen: Die beiden genannten Bauanträge lehnte der Ausschuss neuerlich ab. Es soll ein einfacher Bebauungsplan aufgestellt werden, der das gesamte Gebiet zwischen Moosstraße, Frühlingstraße und Gartenstraße umfasst – und auch die Grundstücke auf der Ostseite der Gartenstraße. Zudem will man vorerst eine Veränderungssperre erlassen. Über diese und den Bebauungsplan entscheidet nächste Woche der Stadtrat.

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