VonMagnus Reitingerschließen
Es kann losgehen mit der Sanierung der Weilheimer Stadthalle: Die Finanzierung des Vier-Millionen-Euro-Projekts scheint gesichert, auch dank höherer Steuereinnahmen der Stadt. So gab der Stadtrat jetzt fast einstimmig grünes Licht für die Renovierung – bei der es nicht nur um die maroden Dachträger geht.
Weilheim – Es war eine gute Nachricht, die Christoph Scharf dem Stadtrat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause überbrachte. Und doch war dem Weilheimer Stadtkämmerer ein bisschen bange dabei. Dass er „einfach mal vier Millionen Euro auftreiben“ solle, sei nicht wiederholbar, warnte der Beamte. Doch für diesmal ist es gut gegangen: Die Finanzierung der so unvermeidlichen wie schmerzlich teuren – und vor Jahresfrist noch unvorhersehbaren – Stadthallensanierung scheint gesichert.
Stadt will Grundstück am Prälatenweg verkaufen
Scharf sprach von „glücklichen Fügungen“, die eine Finanzierung wohl möglich machen, „ohne tiefer in den Haushalt eingreifen zu müssen“. So erwartet die Kämmerei laut neuester Steuerschätzung Mehreinnahmen von circa 1,25 Millionen Euro gegenüber der bisherigen Finanzplanung. Vor allem bei der Gewerbesteuer legt Weilheim zu, wie Scharf erklärte, hier liegen die Erlöse heuer schon gut eine halbe Million Euro über dem Haushaltsansatz. Insgesamt 2,2 Millionen Euro hat die Stadt im Etat 2022 und im Finanzplan 2023 bereits für die Dachsanierung der Stadthalle eingeplant. Und das Geld, das in der Summe noch fehlt, soll der Verkauf eines Baugrundstücks am Prälatenweg bringen, das die Stadt im Rahmen des Umlegungsverfahrens für das dortige Neubaugebiet erhielt.
Man greife damit noch nicht „Tafelsilber“ an, so der Kämmerer, man habe diesen Grundstücksverkauf aber für „schlechtere Zeiten“ reserviert – und die seien nun da. Wichtig sei, in diesem Fall nicht auf ein „Sozialmodell“ zu bestehen, sondern das 853 Quadratmeter große Areal „zum Höchstpreis auf dem freien Markt zu verkaufen“. Mindestens 930 000 Euro verspricht sich die Stadt davon.
Stadträtin Holezcek: „Herr Scharf, magic, irgendwie schaffen Sie’s doch immer“
Mit diesen drei Komponenten – höhere Steuereinnahmen, vorhandene Haushaltsmittel und Grundstücksverkauf – ist laut Kämmerei eine Finanzierung bis zu 4,38 Millionen Euro für die Hallensanierung darstellbar. „Herr Scharf, magic, irgendwie schaffen Sie’s doch immer“, meinte BfW-Sprecherin Brigitte Holeczek dazu am Donnerstagabend im Stadtrat. Gegen das Finanzierungskonzept stimmte nur Ullrich Klinkicht. Er sei „immer noch der Meinung“, dass die Stadthallensanierung billiger möglich sein müsse, erklärte der „Weilheim Miteinander“-Vertreter. Das Geld aus dem Grundstücksverkauf solle man lieber in den Ausbau der offene Ganztagsschule an den Grundschulen stecken. Für die Instandsetzung des Stadthallendachs will Klinkicht diese Woche mit befreundeten Statikern ein „alternatives Modell“ präsentieren, wie er ankündigte.
Der Stadtrat machte unterdessen schon Nägel mit Köpfen und stimmte auch der bereits im Mai vorgestellten Sanierungsvariante (wir berichteten) am Donnerstag fast einmütig zu – wiederum gegen die Stimme von Klinkicht. Planer Matthias Schamper vom Schongauer Architekturbüro „Plan3“ stellte nochmals die vorgesehenen Maßnahmen vor, zu denen es ihm zufolge keine sinnvollen Alternativen gibt. Dass allein für die Sanierung der Statik, wie er sie nach intensiven Beratungen vorschlage, Kosten von rund 1,8 Millionen Euro genannt wurden, relativierte der Architekt: Die reine statische Ertüchtigung mache „nur“ ein Viertel davon aus, eingerechnet seien auch nötige Begleitarbeiten wie etwa der Schutz des Bodens, das Baugerüst, die Entfernung der alten Decke und der Einbau einer neuen samt elektrischer Einbauten. Weil die neue Statik ein neues Baugenehmigungsverfahren verlangt, müsse auch der Brandschutz gänzlich neu konzipiert und nachgebessert werden.
Auch Erneuerung der Toiletten in der Stadthalle ist geplant
So kommen für die Dachsanierung Kosten von fast 3,3 Millionen Euro netto zusammen. Weitere 420 000 braucht es laut Schätzung für die Sanierung der Nebendächer über Küche, Eingang und Foyer, die Wasserschäden haben. Neben diesen „bautechnisch notwendigen Arbeiten“ sollen auch gleich noch die Toiletten erneuert werden – für rund 130 000 Euro. Letzteres könnte man prinzipiell noch schieben, doch Schamper zufolge müssen die Decken in den WCs brandschutztechnisch ohnehin entnommen werden. Der Stadtrat beschloss deshalb, die WC-Sanierung nun mit zu erledigen. „Als Privatmann würde ich es nicht machen“, sagte Holeczek, doch hier sei es angebracht, „um die Halle nicht in fünf Jahren wieder schließen zu müssen“ – was „unserem Kulturbetrieb nicht zumutbar“ wäre.
Ingenieur Florian Scharmacher, öffentlich bestellter Sachverständiger für Holzbau und Holzschutz, erläuterte im Stadtrat ausführlich, warum man sich bei der Deckensanierung für die Variante entschieden habe, die beiden rissigen, fast 25 Meter langen Hauptbinder beidseitig mit Stahlträgern zu verstärken (die dann die gesamte Statik tragen). Zwar müsse dafür ein Teil des Dachs geöffnet werden, doch sei damit „die Standsicherheit auch bei Versagen aller Klebfugen gewährleistet“. In den bestehenden Dachträgern befinde sich derselbe, inzwischen nicht mehr zugelassene Klebstoff wie bei der 2006 eingestürzten Eishalle Bad Reichenhall.
Neueröffnung der Halle wohl erst 2024
Scharmacher erklärte auch detailliert, warum man alle anderen untersuchten Sanierungsvarianten – von Stützen im Saal über einen Austausch der Deckenträger bis zu einer Unterspannung – nach intensiver Beratung ausgeschlossen habe. Sie seien entweder nicht möglich, nicht zielführend oder noch teurer als die präsentierte Lösung. Diese wurde im Vorfeld auch schon mit einem (im Genehmigungsverfahren erforderlichen) Prüfstatiker besprochen – und sei laut diesem „wirtschaftlich und technisch realisierbar“.
Wann mit der Sanierung begonnen wird, dazu gab es am Donnerstag keine Aussage. Zuletzt hieß es, dass die seit September 2021 gesperrte Halle wohl erst 2024 wieder geöffnet werden kann.
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