Landkreis Dachau

Hochwasserlage stabil, aber angespannt: Rettung mit Booten, über 600 betroffene Wohnhäuser, über 1500 Einsätze

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Das Hochwasser hat am Wochenende große Teile des Landkreises Dachau überflutet. Menschen mussten mit Booten gerettet werden, Wohngebiete standen unter Wasser. Eine erste Bilanz.

Landkreis - Zahlreiche Menschen kämpften zwei Tage lang gegen die Fluten. Die Nachrichten überschlugen sich. ZumSonntagabend hat sich die Lage zwar stabilisiert – aber von Entspannung keine Rede. Mit weit über 1500 Einsätzen sind die Helfer von Feuerwehr, THW und BRK seit Samstagfrüh im Dauereinsatz.

Fast auf den Tag genau vor 25 Jahren, am Samstag, 29. Mai 1999, hat das Pfingsthochwasser nach tagelangem Regen die Bäche und Flüsse im Landkreis Dachau zum Überlaufen gebracht. Die Nachrichten überschlugen sich am damaligen Pfingstwochenende. Die Helfer waren im Dauereinsatz. Am vergangenen Wochenende wiederholten sich diese Ereignisse nicht nur, sie wurden übertroffen.

Die lang anhaltenden, zum Teil sehr starken Regenfälle haben im ganzen Landkreis im Laufe des Samstag zu Überflutungen geführt. Bäche und Flüsse traten über die Ufer. In Markt Indersdorf und Petershausen standen ganze Wohngebiete unter Wasser. Einsatzkräfte mit Booten retteten 39 Personen, darunter ein Baby, aus den überfluteten Gebieten, in denen die Wassermassen zum Teil für starke Strömungen sorgten. In Petershausen wurde teilweise der Strom abgeschaltet. Am Sonntagfrüh stellte der Landkreis den Katastrophenfall fest. „Der Schritt wurde notwendig“, sagt Landrat Stefan Löwl, da die örtlichen Kräfte nicht mehr ausreichten, um die zahllosen Einsatzstellen und kritischen Bereiche abarbeiten zu können. Am Sonntag waren drei externe Hilfskontingente aus München, Garmisch-Partenkirchen und Rosenheim im Landkreis aktiv. Vorrangig wurden Häuser und Keller ausgepumpt. Einige Keller sind mit auslaufendem Öl verunreinigt, das gesondert entsorgt werden muss. Insgesamt sind über 600 Wohnhäuser im gesamten Landkreis vom Hochwasser betroffen.

Am Sonntagnachmittag meldete die Pressestelle des Landratsamtes eine „stabile, aber angespannte Lage“ und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger stattete den Rettungskräften in Petershausen einen Besuch ab.

Pegelstände

Die Pegelstände von Glonn und Maisach blieben auf einem hohen Niveau, wie das Landratsamt am Sonntagabend mitteilt. Die Amper steige punktuell derzeit weiterhin an. Sollte es noch einmal zu Evakuierungen kommen, informiert die Feuerwehr in den betroffenen Gebieten.

Einsatz-Schwerpunkte:

Petershausen und Markt Indersdorf

Die Gemeinden Markt Indersdorf und Petershausen sind besonders stark betroffen. Die Glonn ist über die Ufer getreten und hat auch Wohngebiete geflutet. In Markt Indersdorf sind vor allem Anwesen neben dem Volksfestplatz massiv betroffen. Auch die Turnhalle des Indersdorfer Gymnasiums lief mit Wasser voll. Mit Pumpen versuchten die Einsatzkräfte das Wasser zu entfernen.

In Petershausen sind im Hauptort über 50 Wohnhäuser betroffen. Insgesamt 39 Personen wurden schon in der Nacht und im Laufe des Sonntag von der Wasserwacht mit Booten gerettet. Die Asylunterkunft direkt neben der Glonn wurde bereits am Samstagabend evakuiert.

Rettung mit Booten: Die Wasserwacht Schondorf war mit Booten in den überfluteten Straßen von Petershausen unterwegs und rettete Bewohner.

In Petershausen bleibt am heutigen Montag die Grundschule geschlossen, auch die Kinderbetreuungseinrichtungen Biberbau, Mäuseburg, Mosaik bleiben zu. Bürgermeister Marcel Fath rät eindringlich davon ab, die überschwemmten Bereiche zu begehen oder zu befahren. „Die Strömung ist teils lebensgefährlich!“

Alle unter Wasser stehenden Straßenzüge würden voraussichtlich am heutigen Montag keinen Strom haben, so Fath. Die Abschaltung sei erforderlich, weil eine Gefahr für Leib und Leben sowie die Infrastruktur bestünde. Der Strom wird laut Fath Haus für Haus wieder eingeschaltet, sobald jeweils die Räume wieder trocken sind.

Hauptaufgabe Keller leerpumpen: Die Einsatzkräfte der Feuerwehren sind seit Samstagfrüh im Dauereinsatz.

Das Hauptproblem hier: „Heizöltanks drohen in den vollgelaufenen Kellern zu kippen“, erklärt Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser. Laut Löwl wird die Bergung der beschädigten Tanks sowie das Abpumpen des kontaminierten Wassers in den kommenden Tagen eine große Herausforderung.

Karlsfeld und Dachau-Süd

Zahlreiche Keller und Tiefgaragen liefen mit Wasser voll. Allerdings trat oftmals Grundwasser ein. In diesen Fällen mache es derzeit keinen Sinn, auszupumpen, so Reimoser. Denn wenn man das Wasser rauspumpe, drücke es sofort wieder nach. Außerdem müssen die Einsatzkräfte priorisieren: Ein Pflegeheim, das vom Wasser bedroht wird, gehe beispielsweise vor, so Reimoser.

In Karlsfeld lief eine Verteilerstation der Telekom mit Wasser voll. Die kritische Lage konnte laut Feuerwehr Karlsfeld durch den Einsatz mehrerer Pumpen und mithilfe einer Fachfirma stabilisiert werden.

Günding

Dramatisch gestaltete sich auch die Lage am Bulachgraben in Günding und an der Maisach. Die Bergkirchner Feuerwehren versuchten – unterstützt vom THW Dachau und der Freiwilligen Feuerwehr München –, den über die Ufer getretenen Bulachgraben und die Maisach einzudämmen. Das Wohngebiet westlich des Bulachgrabens kämpft daher – wie viele andere Gemeinden im Kreis – mit dem Eintritt von Grundwasser in Keller und Tiefgaragen.

Odelzhausen

Die Glonn trat an vielen Stellen über die Ufer. Das Wasser bedrohte in Odelzhausen ein Pflegeheim.

Weichs

Bange Blicke richteten Bewohner der Birkenstraße in Weichs, die bei zurückliegenden Hochwasserereignissen betroffen gewesen waren, auf die Regenrückhaltebecken hinter ihren Häusern, die knapp vor dem Überlaufen waren. Hier kam das THW zur Hilfe und pumpte einen Teil des Wassers ab.

Altomünster

In Altomünster musste das Rückhaltebecken mit einer Hochleistungspumpe des THW abgepumpt werden, damit die dahinterliegenden Wohngebäude nicht überflutet wurden.

Sulzemoos

Der Steindlbach konnte im letzten Moment daran gehindert werden, in Häuser im Unterdorf zu fließen. Auch dort waren Pumpen des THW sowie der Feuerwehren München und Sulzemoos parat. Auch am Rohrbach in Wiedenzhausen konnten die Einsatzkräfte Schlimmeres vermeiden.

Haimhausen

In Haimhausen weichte der Damm an der Amper auf. Die Einsatzkräfte beobachten ihn.

Hebertshausen

Die Produktion der Sandsackabfüllanlage im Katastrophenschutzzentrum in Hebertshausen lief seit Freitagnachmittag auf Hochtouren, 30 000 Säcke wurden bis Samstagabend verteilt, weitere 20 000 befüllt.

Straßen

Die Bundesautobahn A8 musste ab Samstagabend in Fahrtrichtung München zwischen den Anschlussstellen Sulzemoos und Dachau/Fürstenfeldbruck wegen der Überflutung des nahen Palsweiser Mooses gesperrt werden. Ebenso mehrere Glonnbrücken aufgrund der hohen Wasserstände. Am Sonntagnachmittag wurde die B 471 bei Gröbenried nach einem Unfall wegen Aquaplaning überflutet und gesperrt.

Schulen

Am heutigen Montag startet der Schulbetrieb in allen Schulen außer in der Grundschule in Petershausen und in der Berufsschule Dachau. Dort entfällt der Unterricht aufgrund von Wasserschäden.

Nach und nach beginnen bereits die Aufräumarbeiten. Um bei der Entsorgung des entstandenen Unrats zu unterstützen, öffnen voraussichtlich am Montagnachmittag zwei Wertstoffhöfe. Welche, steht am Montag ab ca. 8.30 Uhr auf den Internet-Seiten des Landratsamts und wird über die sozialen Medien kommuniziert, so das Landratsamt.

Der Live-Ticker:
U. Juni, 15:40 Uhr:

Die Lage sei stabil, aber angespannt, meldet Sina Török, Pressesprecherin des Landratsamtes. Die Amper steigt weiterhin an, das sei kritisch. In Dachau-Süd und Karlsfeld seien zahlreiche Keller vollgelaufen, man müsse darauf warten, dass das grundwasser sinkt.
In Petershausen bleibt am morgigen Montag die Grundschule geschlossen, in Dachau die Berufsschule.
Derzeit ist außerdem die B 471 bei Gröbenried gesperrt, wegen Überschwemmung.

14 Uhr: In Petershausen sind rund 40 bis 50 Häuser massiv vom Hochwasser betroffen, mehrre Straßen stehen unter Wasser. Bürgemeister Marcel Fath informiert, dass Schule, Kinderkrippe Biberbau, Mäuseburg, Mosaik am Montag geschlossen bleiben, Infos über einen Notbetrieb folgen. Fath ruft eindringlich die überschwemmten Bereiche selbst zu begehen oder zu befahren. „Die Strömung ist teils lebensgefährlich!“ Rettungskräfte mit Booten sind vor Ort.

Alle unter Wasser stehenden Straßenzüge werden in Kürze für heute und voraussichtlich Montag keinen Strom haben, so Fath. Die Abschaltung sei erforderlich wegen Gefahr für Leib und Leben wie Infrastruktur. Der Strom werde Haus für Haus wieder eingeschaltet, sobald dort jeweils die Räume wieder trocken sind. Das große Problem seien laut Landrat Stefan Löwl auch hier die ausgelaufenen Öltanks.

9.50 Uhr: Bürgertelefon für das Hochwasser im Landkreis Dachau : Ab 10 Uhr am heutigen Sonntag, 2. Juni, steht den Bürgerinnen und Bürger des Landkreises ein Bürgertelefon für Informationen und allgemeine Fragen rund um das Hochwasser und Folgen im Landkreis Dachau zur Verfügung. Die Telefonnummer lautet: 08131 74-250 und -131.

Hochwasserlage in Bayern: Landkreis Dachau ruft Katastrophenfall aus

Das Hochwasser in Indersdorf: Die Marktgemeinde ist von Südwesten her von den Wassermassen umschlossen. Zahlreiche Keller wurden geflutet, das Sportheim steht im Wasser. Auch die Turnhalle des Gymnasiums Markt Indersdorf, rechts im Bild, wird bereits abgepumpt.

Update 2. Juni, 6.30 Uhr: Im Landkreis Dachau wird der Katastrophenfall festgestellt, wie Landrat Stefan Löwl informiert.

Im Landkreis Dachau sind in der Nacht die Pegelstände an der Glonn, der Maisach sowie der Amper weiter angestiegen. In Petershausen wurden Teile des Hauptorts in der Nacht überflutet, die Einsatzkräfte haben bisher 11 Personen aus den überfluteten Bereichen gerettet, weitere Evakuierung werden vorbereitet.

Die Hochwasserlage im Landkreis Dachau spitzt sich weiter zu. Aufgrund der kritischen Entwicklung in Petershausen sowie weiterer angespannter Stellen in mehreren Gemeinden des Landkreises und um die Hilfeleistung – welche nun auch überörtlich in den Landkreis geschickt wird – bestmöglich koordinieren und bewältigen zu können, hat Landrat Stefan Löwl am Sonntagmorgen um 4:32 Uhr den Katastrophenfall festgestellt. Betroffen sind alleine in Petershausen über 50 Wohnhäuser. Die Asylunterkunft direkt neben der Glonn wurde bereits am Abend evakuiert.

„Der Schritt wurde notwendig“, sagt Landrat Stefan Löwl, da die örtlichen Kräfte nicht mehr ausreichen, um die zahllosen Einsatzstellen und kritischen Bereiche auch in den kommenden Stunden abarbeiten zu können. „Aus diesem Grund habe ich auf Bitten der Feuerwehreinsatzleitung sowie des Petershausener Bürgermeister Marcel Fath entschieden, den K-Fall festzustellen. Wir müssen nun alle Kräfte aktivieren und bündeln sowie externe Hilfeleistungskontingente koordinieren“, so Landrat Stefan Löwl.

Pegel im Landkreis Dachau steigen weiter: Überschwemmungen von Kellern und Tiefgaragen

Für die Glonn erwartet das Wasserwirtschaftsamt, dass in den kommenden Stunden am Pegel Hohenkammer die Meldestufe 4 überschritten wird. Auch für die Amper wird die Meldestufe 3 erwartet.

Dramatisch gestaltet sich auch die Lage an der Maisach sowie in Markt Indersdorf und Altomünster. Die Bergkirchner Feuerwehren konnten unterstützt durch das THW Dachau sowie zahlreicher Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr München bisher die über die Ufer getretene Maisach eindämmen und eine Ableitung des Hochwassers über den Bulachgraben in die Amper erreichen. Das beim Hochwasser 2013 komplett überflutete Wohngebiet westlich des Bulachgrabens kämpft daher – wie viele andere Gemeinden im Landkreis – mit dem Eintritt von Grundwasser in Keller und Tiefgaragen.

In Markt Indersdorf ist vor allem das Wohngebiet neben dem Volksfestplatz durch das Hochwasser der Glonn massiv betroffen. In Altomünster muss das Rückhaltebecken trotz einer bereits am Samstag erfolgten Erhöhung durch Sandsäcke durch eine Hochleistungspumpe des THW beständig abgepumpt werden, damit die dahinterliegenden Wohngebäude nicht überflutet werden. Eine weitere Hochleistungspumpe des THW unterstützt die Freiwillige Feuerwehr Sulzemoos, damit ein dortiger Graben nicht bis in Wohngebäude fließt.

Am gestrigen Samstag haben über 750 Kräfte der Feuerwehren, von THW und BRK im ganzen Landkreis über 1.200 Einsätze abgearbeitet. Trotzdem steht in vielen Keller noch immer das Wasser bzw. dringt aufgrund des hohen Grundwasserstands weiterhin ein. Ein sich aktuell deutlich abzeichnendes Problem sind zahlreiche ausgelaufene Öltanks. Die Bergung der beschädigten Tanks sowie das Abpumpen des kontaminierten Wassers wird in den kommenden Tagen eine große Herausforderung. Es wird dringend davon abgeraten, die überschwemmten Flächen zu betreten oder Hunde darin laufen zu lassen.

Die Produktion der Sandsackabfüllanlage im Katastrophenschutzzentrum in Hebertshausen läuft auf Hochtouren, 30.000 Säcke wurden bisher verteilt, weitere 20.000 werden befüllt.

Weitere Infos: Auf der Homepage des Umweltministeriums finden Sie wichtige Verhaltensanweisungen und Informationen für Betroffene: https://www.hochwasserinfo.bayern.de/index_darksite.html

In unserem Landkreis müssen wir auch noch in den kommenden Stunden mit Regen und weiter steigenden Hochwasserständen rechnen. Bitte beobachten Sie die Wetterlage sowie die Pegelstände in Ihrem jeweiligen Gemeindegebiet in eigener Verantwortung.

Strecken aufgrund von Hochwasser gesperrt

Infos zum Bahnverkehr: Aktuell sind keine Streckenabschnitt gesperrt. Beim ÖPNV gibt es aufgrund von gesperrten Straßenabschnitten einzelne Umleitungen. Bitte informieren Sie sich vor Fahrtantritt beim MVV (https://www.mvv-muenchen.de/fahrplanausku oder MVV-APP)

Überflutete Autobahn: Im Laufe des Abends wurden die Spuren der Autobahn nach und nach gesperrt, schließlich war die Fahrtrichtung München komplett gesperrt.

Infos zu Straßensperrungen: Die Bundesautobahn A8 ist in Fahrtrichtung München zwischen den Anschlussstellen Sulzemoos und Dachau/Fürstenfeldbruck weiterhin gesperrt. Mehrere Glonnbrücken mussten aufgrund der hohen Wasserstände gesperrt werden. Dies ändert sich mit fallenden Pegelständen jedoch laufend. Aktuell sind die Staatsstraßenverbindungen in Erdweg und Markt Indersdorf befahrbar. Die Ortsdurchfahrt Petershausen wird jedoch längerfristig gesperrt bleiben. Zahlreiche weitere Straßen sind im ganzen Landkreis gesperrt, insb. im Gemeindebereich von Bergkirchen und Odelzhausen. Bitte die Sperrungen beachten, da auch bei ggf. nur noch niedrigen Wasserständen durch die Überflutungen ggf. vorhandene Straßenschäden nicht erkennbar sind.

Hochwasserlage spitzt sich zu: Feuerwehr und THW im Dauereinsatz

Erstmeldung vom 1. Juni, 22.55 Uhr: Landkreis Dachau – Es regnet und regnet, das Wasser steigt stetig überall an. In der Nacht von Freitag auf Samstag hat sich die Hochwasserlage im Landkreis Dachau zugespitzt. Zahlreiche Gewässer sind über die Ufer getreten, auf Feldern und Seen bildeten sich Seen. Die Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW sind seit 4 Uhr im Dauereinsatz.

Die Asylbewerberunterkunft in Petershausen musste geräumt werden. Die Bewohner kommen vorübergehend in der Unterkunft in Hebertshausen am Krautgarten unter.

Die Autobahn A8 in Richtung München wurde gesperrt, aufgrund der Überschwemmungen im Palsweiser Moos. In Sulzemoos wird der verkehr abgeleitet, der nun über Eisolzried und Bergkirchen nach Dachau geleitet wird.

Und die Turnhalle des Indersdorfer Gymnasiums läuft mit Wasser voll, mit Pumpen versuchen die Einsatzkräfte das Wasser zu entfernen.

Einsatzkräfte kämpfen gegen Hochwasser

In Indersdorf ist gegen die Abendstunden besonders das Wohngebiet hinter der Volksfestwiese betroffen, berichtet Kreisbrandinspektor Maximilian Reimoser. Die Einsatzkräfte seien derzeit vor Ort und erkunden die Lage. Das Problem: „Heizöltanks drohen in den vollgelaufenen Kellern zu kippen.“ Auch Günding gehört aktuell zu den Einsatzschwerpunkten: Die Maisach gehe über, so Reimoser. In Odelzhausen bedroht das Wasser ein Pflegeheim, in Haimhausen weicht der Damm an der Amper auf.

Viele Unterführungen waren vollgelaufen.

Betroffen sei flächig der ganze Landkreis. Bäche, Gräben und Flüssen treten über die Ufer, das Wasser steht auf Feldern und Äckern. Das Grundwasser steigt. Keller laufen voll, Straßen überfluten. „Aber wir haben keinerlei Situation, wo Leib und Leben in Gefahr ist“, sagt Landrat Stefan Löwl am Samstagabend.

Um 4 Uhr morgens ging es am Samstag los. Seitdem sind die Einsatzkräfte der Feuerwehren und des THW im Landkreis Dachau im Dauereinsatz. Zahlreiche Bäche, Gräben und Flüsse laufen über, auf Feldern und Äckern bilden sich Seen. Die Folge sind vollgelaufene Keller und überflutete Straße.

Sandsäcke abfüllen im Akkord in der Katastrophenschutzhalle Hebertshausen.

Zahlreiche Keller vollgelaufen, Entspannung erstmal nicht in Sicht

Zu über 700 Einsätzen mussten die Rettungskräfte der Feuerwehren, des THW und des BRK bis zum Samstagabend ausrücken, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte, so Reimoser. Grundsätzlich seien die Einsätze verteilt im ganzen Landkreis, wobei Dachau und Karlsfeld einen Schwerpunkt bilden. Ein Schwerpunkt sei auch die Glonn, von Odelzhausen bis Petershausen. Amper und Gröbenbach machen laut Reimoser wenig Probleme. Im Katastrophenschutzzentrum wurden den ganzen Tag über im Akkord Sandsäcke befüllt: 15 000 Stück bis zum Abend. Die Feuerwehren holten die Sandsäcke palettenweise ab.

Erst abfüllen, dann auf Paletten stapeln - kann auch Spaß machen: Einsatzkräfte der Feuerwehren in der Katastrophenschutzhalle in Hebertshausen.

In vielen Fällen der vollgelaufenen Keller mache es derzeit keinen Sinn, auszupumpen: „Wenn es sich um Grundwasser handelt, das reindrückt“, erklärt Reimoser. Denn wenn man das Wasser rauspumpt, drückt es sofort wieder nach. Man könne lediglich versuchen, den Pegel zu halten. Inzwischen müssen die Einsatzkräfte allerdings priorisieren: Ein Pflegeheim, das vom Wasser bedroht wird, gehe beispielsweise vor.

Seenlandschaften bilden sich in vielen Gemeinden im Landkreis.

Reimoser hat einen Appell an die Menschen: Zunächst sollte jeder grundsätzlich schauen, ob und wie man sich selbst helfen kann. Kellerfenster oder Türen vorsorglich abdichten – vor allem wenn man weiß, dass man möglicherweise betroffen sein wird. Wenn ein paar Zentimeter Wasser im Keller stehen, vor allem wenn es Grundwasser ist: nicht den Notruf betätigen. „Notruf bleibt den absoluten Notfällen vorbehalten, also wenn Gefahr für Leib und Leben oder die Umwelt besteht“. Elektrische Geräte und Heizungen in Räumen, die volllaufen können, müssen abgeschlatet werden: Es besteht Stromschlaggefahr. Autos sollten rechtzeitig aus gefährdeten (Tief-)Garagen oder von Parkplätzen gefahren werden,

Einsatzzentrale im Katastrophenschutzzentrum Hebertshausen

Insgesamt waren bislang rund 750 Kräfte im Einsatz: 600 von den Feuerwehren, 70 vom THW, 60 vom BRK. Maximilian Reimoser vermutet, „dass uns das Hochwasser auch am Montag noch beschäftigen wird“. Mit einer Prognose, wann sich die Lage entspannen könnte, ist er vorsichtig. „Wir müssen die Nacht abwarten.“

Auch Landrat Löwl bleibt vage. Wenn man den Vorhersagen glaube, dass der Regen im Laufe der Nacht aufhört, „gibt es Entspannung 12 bis 24 Stunden nach Ende des Dauerregens“.

Rubriklistenbild: © Christian Fischer

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