Steigerung um 10 Millionen Euro innerhalb eines halben Jahres

Weitere Kostenexplosion bei Landratsamt

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Schön anzusehen, aber teuer: Wegen der Preise am Bau verteuert sich allein der neue Verwaltungsbau des Landratsamts um knapp sechs Millionen Euro.
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Das neue Landratsamt wird immer teurer. Die aktuelle Kostenberechnung liegt bei rund 60,4 Millionen Euro und damit um knapp 10 Millionen Euro über der Schätzung vom März.

Miesbach – Es war eine Rolle rückwärts, die der Kreisausschuss da in seiner jüngsten Sitzung vollführte. Hatte die Verwaltung im März noch empfohlen, das Großprojekt Landratsamt wegen der stark steigenden Preise auf dem Bau in einem Rutsch durchzuziehen, stieg sie jetzt massiv auf die Bremse und empfahl eine Entzerrung. Zunächst soll nun das Verwaltungsgebäude, frühestens 2025 die angrenzende Wohnbebauung mit Tiefgarage entstehen. Der Grund sind die Kosten, die innerhalb eines halben Jahres quasi davongaloppiert sind. Der Verwaltungsbau verteuerte sich von knapp 32,3 auf knapp 38 Millionen Euro, der Wohnungsbau von rund 7,8 auf rund 8,5 Millionen Euro. Am vergleichsweise heftigsten legten die Kosten bei der Tiefgarage zu – von rund 10,5 auf knapp 13,9 Millionen Euro.

Tiefgaragenplatz würde inzwischen schon 81.000 Euro kosten

Die Steigerung bei der Tiefgarage ist den hohen Preisen für Stahl und Beton geschuldet – Baustoffe also, die hier in besonders hohem Maße benötigt werden. „Für 170 Stellplätze ist das eigentlich ein Wahnsinn“, sagte Kreiskämmerer Gerhard de Biasio. Zur Veranschaulichung: Ein Stellplatz würde demnach rund 81.000 Euro kosten, im März waren es noch 63.000 Euro.

Rolle rückwärts: Bauprojekt wird jetzt doch gestreckt

Den Kreisräten stockte ob der neuen Zahlen ein wenig der Atem. Unisono teilten sie die Auffassung des Kreiskämmerers, dass das Projekt nur in mehreren Bauabschnitten zu stemmen ist. Im August kommenden Jahres soll nun zunächst mit dem Bau des Verwaltungstrakts auf dem Gelände des früheren Landwirtschaftsamts begonnen werden. Die Fertigstellung ist für September 2026 geplant. Frühestens 2025 soll der Bau von Wohnungen und Tiefgarage starten. Vorteil: Das Gelände an der Riezlerstraße kann bis dahin als Materiallager und für die Baucontainer genutzt werden.

Kreiskämmerer rechnet mit Einbruch der Baukonjunktur

„Die Baukonjunktur wird in den nächsten Jahren einbrechen“, sagte Biasio. „Ich rechne damit, dass die Preise wieder zurückgehen.“ Das könnte dem Landkreis bei Wohnungen und Tiefgarage in die Karten spielen. Überdies zeichnen sich neue Förderprogramme für den Wohnungsbau ab. Sicher ist das alles freilich nicht – und letztlich handelt der Landkreis allein aus einem finanziellen Zwang heraus. Im Kreishaushalt lässt sich das Gesamtprojekt unter aktuellen Kostengesichtspunkten schlicht nicht mehr darstellen.

Reduzierung der Tiefgaragen-Stellplätze bringt kaum Ersparnis

Den Neubau an sich stellten die Kreisräte nicht infrage. Sehr wohl, so der Tenor, sollte man sich in drei Jahren aber Gedanken machen, ob die Tiefgarage als Hauptkostentreiber in der geplanten Form noch erforderlich ist. „Das Mobilitätsverhalten der Mitarbeiter wird sich möglicherweise ändern“, sagte Thomas Tomaschek (Grüne). Eventuell seien 120 Stellplätze ausreichend, ergänzte CSU-Fraktionssprecher Christian Köck. Der Kreiskämmerer nahm den Wunsch, vor dem Einstieg in die Ausführungsplanung noch mal zu diskutieren, gerne auf, dämpfte aber die Erwartungen. Eine Reduzierung von drei auf zwei Geschosse bringe laut einer Berechnung der Architekten lediglich eine Ersparnis von rund 1,9 Millionen Euro. Bedeutet im Gegenzug: Die Kosten pro Stellplatz erhöhen sich um rund 25 Prozent.

Miesbacher Bürgermeister zeigt keine Kompromissbereitschaft

Ohnehin hat in dieser Angelegenheit die Stadt Miesbach ein Wörtchen mitzureden. Und Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) machte im Kreisausschuss keine Anstalten, dem Landkreis bei der Zahl der Stellplätze entgegenzukommen. „Die Tiefgarage ist erheblich und intensiv durchdiskutiert worden, und wir haben uns auf diesen Stellplatzschlüssel geeinigt“, stellte er klar. Die Anzahl werde auch künftig benötigt. Martin Beilhack (Bayernpartei) erinnerte daran, dass es in der Vergangenheit Zuschüsse für den Bau von öffentlichen Schutzräumen, etwa in Tiefgaragen, gegeben habe. Möglicherweise bahne sich da angesichts der aktuellen Krisen wieder etwas an. Beilhack: „Wir sollten das im Hinterkopf behalten.“

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