Auch in den kommenden Jahren wird Weilheim wohl wachsen. Das bringt viele neue Herausforderungen mit sich – insbesondere beim Wohnungsbau, bei Schulen und der Kinderbetreuung.
Weilheim – Es war das Ziel des Stadtrats, fundierte Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung Weilheims einzuholen, da davon ausgegangen werden muss, dass es in Zukunft zu großem Zuzug in die Kreisstadt kommen wird. Dafür möchte man gewappnet sein. Welche Folgen bei einem Bevölkerungszuwachs zu erwarten sind, wurde dem Gremium in der jüngsten Sitzung von Gunter Schramm (Planwerk-Stadtentwicklung aus Nürnberg) ausführlich erläutert. Bereits im Frühjahr hatte das Büro ein erstes Konzept vorgelegt. Dieses wurde nun überarbeitet. Kleinere Veränderungen bei den Prognosen sorgten für neue Zahlen. Die Entwicklungsrichtung blieb aber gleich.
Drei unterschiedliche Szenarien seien vorstellbar, erklärte er gleich zu Beginn:
Eine Nullprognose (V0), die von einem relativ stabilen Bevölkerungsniveau ausgeht und 30 neue Wohneinheiten (WE) pro Jahr notwendig mache, da nicht nur Zuzug, sondern auch das Aufteilen bestehender Wohnungen in die Planung einfließen würden. Eine Realprognose (V1), die von einem jährlichen Wachstum von 0,4 Prozent ausgeht (80 neue Wohneinheiten pro Jahr) und eine Maximalprognose (V2) mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent und 120 Wohneinheiten jährlich. Betrachtet wurde jeweils der Zeitraum bis 2038.
Dritte Grundschule ist wohl nur eine Frage der Zeit
Schnell wurde in der Sitzung klar, dass vor allem bei der Kinderbetreuung und den Schulen deutlicher Handlungsbedarf besteht. Besonders der Ausbau der Grundschulen wird die Stadt in Zukunft beschäftigen. Bis 2038 ist wohl mit mehr als 40 Klassen zu rechnen, teilte Schramm mit. Die Notwendigkeit des Baus einer weiteren Schule scheint daher nur eine Frage der Zeit zu sein.
Auch der Bedarf an neuen Kindergartengruppen wurde thematisiert. Sechs bis acht neue Gruppen werden bis 2038 wohl benötigt. Der Zuzug junger Erwachsener und Erwerbstätiger sei für diesen Anstieg hauptverantwortlich. Auch bei den anderen Schulen sind höhere Klassenzahlen zu erwarten. Da Weilheim ein Schulzentrum ist, müsse auch Zuzug in den Nachbarkommunen einkalkuliert werden.
Dieser wirke sich bedeutend auf die Klassenzahlen der weiterführenden Schulen in Weilheim aus, da rund die Hälfte der Schüler aus den umliegenden Gemeinden komme. Bei der Mittagsbetreuungen muss laut Prognose sogar mindestens mit einer Verdopplung auf rund 1000 Plätze ausgegangen werden. Auch die Erweiterung der Sportflächen müsse man im Auge behalten.
Beteiligung von Investoren an Folgekosten ist unumgänglich
Um die Folgekosten großer neuer Wohnbauprojekte zu schultern, scheint den Gutachtern eine Beteiligung von Investoren daher nahezu unumgänglich. Bei den Folgekostenberechnungen wurde auf Mittelwerte zurückgegriffen. Allein aus den Erweiterungen der Bildungs- und Betreuungsstätten würde in den nächsten 25 Jahren eine Summe von 13,5 Millionen Euro resultieren. Bezüglich der konkreten Kosten für neue Wohnungen könne noch keine genaue Auskunft gegeben werden. Die einzelnen Quartiere müssten individuell betrachtet werden.
Bürgermeister Markus Loth erklärte nach Ende des Vortrages, es gehe zunächst darum, die neuen Zahlen zur Kenntnis zu nehmen. „Innerhalb der Fraktionen werden sicherlich Fragen aufkommen“, so Loth. Es herrsche noch keine Eile.
Zahlen sorgen für große Fragezeichen
Die Zahlen sorgten bei den einzelnen Stadträten jedoch für große Fragezeichen. Besonders bei den Grünen machte sich Skepsis breit: Darüber, dass eine dritte Grundschule nun immer realistischer erscheint, zeigte sich Manuel Neulinger „fast schon entsetzt“. Brigitte Gronau war der Meinung, dass sich viele neue Wohnungen nicht lohnen würden. Zögen beispielsweise ältere oder alleinstehende Menschen aus ihrem Haus in eine der neugebauten Wohnungen, werde möglicherweise ein Haus für mehrere Personen frei. Das müsse man ihrer Meinung nach berücksichtigen.
„Prognosen sind immer schwierig“, sagte Alfred Honisch. Zumindest habe man nun Zahlen, die auch als Verhandlungsgrundlage dienen würden, sobald Investoren hinzugezogen werden, meinte der 3. Bürgermeister – wobei ihm auch Gunter Schramm zustimmte. Claus Reindl (BfW) gab zu bedenken, dass nun erst einmal abgewartet werden müsse, wie sich die Realität zur Prognose verhält. Saika Gebauer-Merx (FDP) hätte in dieser Hinsicht auch gerne einen Rückblick gesehen, der als Vergleich dienen könnte.
Florian Zerhoch