VonSabine Hermsdorf-Hissschließen
Noch kann das BRK im Landkreis Personalausfälle kompensieren, die Lage ist aber angespannt. Jetzt soll eine Petition an Minister Lauterbach Abhilfe schaffen.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Rettungsdienst in Deutschland gerät an seine Grenzen. Überbelastungen der Mitarbeiter sind an der Tagesordnung. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft hat unter dem Titel „Rettet den Rettungsdienst“ eine Petition an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gestartet. Fast 125 000 Menschen haben bereits unterschrieben. Die Forderungen reichen von mehr Rechtssicherheit über die Anpassung der Arbeitszeitmodelle an aktuelle Bedürfnisse bis hin zur Abkehr von der Gewinnorientierung. „Überlastetes Personal gibt keine Sicherheit“, heißt es in der Kampagne, „überlastete Systeme haben keine Reserven.“ Grund genug nachzufragen, wie die Situation beim Rettungsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes im Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen aussieht.
Wer rettet den Rettungsdienst? Petition an Gesundheitsminister Lauterbach
„Bei uns hat es zu keinem Zeitpunkt Fahrzeugausfälle aufgrund von Personalmangel gegeben“, sagt Thomas Schnubel, Leiter des Rettungsdienstes. „Aufgrund des sehr hohen Engagements eines jeden Mitarbeitenden ist es gelungen, jede einzelne Schicht zu besetzen und Personalausfälle zu kompensieren.“ Das kann Michael Meyr, Leiter der Integrierten Leitstelle (ILS) Oberland, von der aus der Einsatzbetrieb koordiniert wird, nur bestätigen. Aus Sicht der ILS beurteilt er die Situation im Oberland im Vergleich zu anderen Regionen in Bayern als „noch verhältnismäßig stabil“. Auch ihm sei bisher keine ausgefallene Schicht im Rettungsdienst aufgrund von Personalmangel bekannt geworden.
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Angespannte Lage: Rettungsdienst unter Druck
Dass die Lage im Rettungsdienst und im Krankentransport zeitweise angespannt sein kann, steht außer Frage. „Das liegt an längeren Einsatzzeiten nach Infekttransporten, aber auch an der stets steigenden Zahl an Einsätzen“, erklärt der Leitstellenleiter. Für solche Fälle hält das BRK selbstständig und als zusätzliche Vor- und Fürsorge für die Bürgerinnen und Bürger sogenannte Unterstützungsgruppen Rettungsdienst bereit. „Auf diese kann durch die Integrierte Leitstelle bei Notfällen zurückgegriffen und die ehrenamtlichen Kräfte zu Hause alarmiert werden“, erklärt Schnubel.
Petition an Gesundheitsminister Lauterbach: „Kann nicht mit halber Kraft gearbeitet werden“
„Im Gegensatz zu anderen Berufen und Unternehmen kann im Rettungsdienst nicht mit ,halber Kraft‘ gearbeitet werden“, betont der Rotkreuzler. Das Bayerische Rettungsdienstgesetz sieht sowohl eine Mindestbesetzung als auch eine Mindestqualifikation vor, die eingehalten werden muss. Schnubel: „Das ist nicht nur im Rahmen einer Beauftragung durch den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung mit – wie in unserem Fall – dem BRK-Kreisverband Bad Tölz-Wolfratshausen so geregelt, sondern natürlich auch Basis des eigenen Qualitätsanspruchs des BRK.“ Dennoch: Auch Schnubel sieht in der jetzigen Situation Handlungsbedarf. Hauptschwerpunkt sei die „komplette Finanzierungsthematik durch die Krankenkassen“.
„Wir brauchen Unterstützung“: Rettungsdienst leidet unter Personalmangel
Dazu käme eine schwindende Attraktivität der Rettungsdienstberufe, was sowohl Personalfindung als auch Personalbindung erschwere. Neben der Notwendigkeit eines funktionierenden Dienstplans und den Belastungen im Einsatz seien nach wie vor bezahlbarer Wohnraum sowie Kindergarten und Krippenplätze, die an die Schichtzeiten im Gesundheitsdienst angepasst sind, wichtige Themen. „Solche Punkte“, so Schnubel, „können aber weder das BRK noch der Rettungsdienst lösen. Wir brauchen hier die Unterstützung der lokalen Politik.“
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