VonLukas Schierlingerschließen
Welche Rolle spielt die Isar, und welche Auswirkungen hat die Höhendifferenz innerhalb der Stadt? DWD-Experte Lothar Bock beleuchtet Unterschiede im München-Klima.
München – „München liegt im Übergangsbereich von feuchterem Moosklima im Norden und Alpenvorlandklimata im Süden”, erläutert Lothar Bock, Metereologe im Regionalen Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Warum kann es im Süden schneien, während es weiter nördlich grün bleibt? Grund ist auch der Höhenunterschied innerhalb der Stadt, führt Bock im Interview mit unserer Redaktion aus.
Herr Bock, in welches Stadtviertel sollte ich als Sonnenanbeter ziehen?
Lothar Bock (schmunzelt): Da kann ich leider keine Empfehlung aussprechen. Wenn man die Klimakarten anschaut, ist die Verteilung für München relativ homogen.
Es ist also ein Mythos, dass im Süden häufiger die Sonne scheint?
Im gesamten Stadtgebiet liegen wir zwischen 1800 und 1850 Sonnenstunden im Jahr. Da gibt es zwischen dem Süden und Norden keine größeren Abweichungen. In einzelnen Jahreszeiten kann das anders sein. Im Herbst haben wir häufig Nebel im Moosbereich. Dann ist es im Münchner Norden trüber, und das Wetter im Süden freundlicher. Im Winter kann es andersrum sein; wenn an den Alpen eine Staubewölkung herrscht, die sich im Münchner Süden auswirkt.
100 Meter Höhendifferenz innerhalb von München
Mit 580 Metern liegt die höchste Stelle Münchens an der äußersten südlichen Stadtgrenze im Stadtteil Solln. Sie befindet sich am Waldrand des Forstenrieder Parks. Der tiefste Punkt liegt nahe der äußersten nördlichen Stadtgrenze im Stadtteil Feldmoching – auf 480 Metern.
DWD-Experte über Klima-Unterschiede innerhalb von München: „Bei Winter-Einbruch gut zu beobachten“
Welchen Einfluss hat der Höhenunterschied auf das Klima in der Stadt?
Jetzt im Winter ist das sehr gut zu beobachten. Besonders deutlich bei Schneefalllagen, wenn die Schneefallgrenze um 500 Meter liegt. Dann kann es sein, dass der Münchner Norden leicht überzuckert ist, im Süden aber eine deutliche Schneedecke vorhanden ist. So wie beim massiven Winter-Einbruch im Dezember 2023.
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Welche allgemeinen Effekte fallen mit Blick auf die Niederschlagsmengen auf?
Wir sehen eine Zunahme vom flacheren Norden zum höher und näher an den Alpen gelegenen Süden. Das liegt an Staueffekten, die bis in den Süden Münchens reichen können. Und an der – insbesondere in der warmen Jahreszeit – stärkeren Neigung zu Gewitterschauern mit höheren Niederschlagsmengen.
Haben sich die angesprochenen Unterschiede in den letzten Jahren verstärkt?
Es ist ganz schwierig, das zu modellieren. Die Stadt München wächst ständig. Da wird hier wieder einmal etwas hingebaut, dort etwas abgerissen. Was wir relativ gut beobachten können, ist ein ausgeprägter Stadtklimaeffekt.
Herausforderung beim Wachstum der Stadt München: Erhalt wichtiger Frischluftschneisen
Können Sie das genauer erklären?
Im Stadtzentrum ist es im Sommer und auch im Winter wärmer, weil durch die Betonflächen weniger Vegetation vorhanden ist. Wärme kann sich dort besser halten. Der Stadtklimaeffekt verstärkt sich nicht nur aufgrund des Klimawandels, sondern weil München immer weiter wächst.
Welche Rolle spielt die Isar für das Klima in München?
Die Isar durchschneidet München von Süd nach Nordost. Das Isartal ist ein Frischluftgarant. Nachts fließt frische Luft aus dem Alpenvorland nach München. Das ist schon ein wichtiger Faktor, der bei gewissen Wetterlagen auch mal kühlend wirkend kann. Herausforderung beim Wachstum der Stadt München ist, dass man solche Frischluftschneisen auch ungestört lässt.
Welche Schneisen sind noch wichtig?
Waldgebiete sind grundsätzlich Wasserspeicher, und daher in der Regel kühler. Das sorgt dafür, dass der Münchner Süden im Sommer – etwa durch den Perlacher Forst – nicht zu stark überhitzt. In zentralen Bereichen kann es da deutlich ungemütlicher werden.
Interview: Lukas Schierlinger
Transparenz-Hinweis:
Das Interview mit DWD-Experte Lothar Bock wurde am 17. Januar 2024 zum ersten Mal veröffentlicht.
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