Wetterrückblick vom Hohen Peißenberg

Rekord: Der September war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen

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Schöne Sonnenaufgänge gab es auf dem Hohen Peißenberg im September zuhauf.

Das dürfte für viele keine Überraschung mehr gewesen sein: Dieser September war auf dem Hohen Peißenberg der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1781. 16,6 Grad bedeuten 4,6 Grad über dem langjährigen Mittel. Und auch die Sonnenscheindauer war außergewöhnlich.

Hohenpeißenberg – Mit Beginn des ersten meteorologischen Herbstmonats vollzog sich ein abrupter Wetterwechsel. Nach dem dreitägigen Dauerregen Ende August, als innerhalb von drei Tagen 83 Prozent der langjährig im August zu erwartenden Regenmenge fiel, und weiteren trüben Tagen zeigte der September vom ersten Tag an ein völlig anderes Gesicht. Das Genua-Tief hatte sich aufgelöst und vom Atlantik breitete sich ein umfangreiches Hochdruckgebiet über Mittel- bis Osteuropa aus.

Zwar entstand schon vereinzelt flacher Bodennebel, der sich mit aufsteigender Sonne und fortschreitender Erwärmung aber ziemlich schnell auflöste. Das Temperaturniveau lag noch im sommerlichen Bereich. Die Temperaturmaxima lagen vom 1. bis 12. September zwischen 21 und 26 Grad Celsius. Meist war es sogar wolkenlos bei ausgezeichneten Fernsichten, Niederschlag fiel keiner. Die Sonne schien täglich 8 bis 13 Stunden. Vom 8. bis 12. „kühlte“ es nachts auch nur auf 19 bis 17 Grad ab.

Ausläufer eines Sturmtiefs überquerte Deutschland

Zu Beginn des zweiten Monatsdrittels, ab dem 12. September, folgten drei wechselhafte Tage, denn der Ausläufer eines Sturmtiefs über den Britischen Inseln überquerte Deutschland. Am 12., kurz vor Mitternacht, wurde das erste Gewitter beobachtet. Auch am 13. kam es tagsüber zu kräftigen Schauern sowie einem Gewitter. Unsere Region wurde von einigen Schauerstaffeln von West nach Ost überquert.

Der 15. September war der erste herbstliche Nebeltag auf dem Hohen Peißenberg, denn aus der Nacht heraus dauerte der Nebel bis nachmittags an. So lagen vom 13. bis 15. September die Tageshöchsttemperaturen knapp unter 20 Grad Celsius. An diesen drei Tagen fielen 35 Liter pro Quadratmeter Regen, der nach zwölf trockenen Tagen mit maximaler Sonnenscheindauer schon wieder gebraucht wurde. Vom 16. bis 21. September lagen die Temperaturen dann wieder meist etwas über 20 Grad.

Zu Beginn des letzten Monatsdrittels überquerte uns am 22. September eine markante Kaltfront. Sie verursachte Dauerregen und anhaltenden Nebel und gehörte zu einem ehemaligen Hurrikan, der sich jedoch auf dem Atlantik in ein normales außertropisches Tief umgewandelt hatte. Es fielen 33 Liter pro Quadratmeter Niederschlag. Die Tagesmaxima lagen an zwei Tagen nur bei zwölf Grad Celsius.

Drei Sommertage im September

In den Tagen danach stiegen die Temperaturen nur allmählich wieder an. Besonders die Nächte waren frisch, die Temperaturen sanken erstmalig in diesem Monat unter zehn Grad Celsius ab, das heißt, sie befanden sich im Normalbereich der herbstlichen Jahreszeit. Das änderte sich aber sehr schnell wieder, denn ein neues Hochdruckgebiet dehnte sich, von den Azoren kommend, bis nach Mitteleuropa aus und brachte erneut warmes und trockenes Wetter. Von Südwesten kam massiv Warmluft heran, die die Tageshöchstwerte bis Monatsende erneut über 20 Grad Celsius ansteigen ließ.

Auf dem Hohen Peißenberg lagen die Nachttemperaturen ab dem 26. wieder deutlich über zehn Grad. Phänologisch betrachtet lag die Blattverfärbung der Bäume zum Monatsende noch weit zurück, da Nachtfröste fehlten. Insgesamt fiel der September mit einer Mitteltemperatur von 16,6 Grad Celsius um 4,6 Grad zu warm aus. Damit war es der wärmste Septembermonat seit Bestehen unserer Messreihe, 1781. Bisheriger Rekordhalter war das Jahr 1961 mit 16,3 Grad. Im September wurden noch drei Sommertage über 25 Grad registriert, an 19 Tagen war es wärmer als 20 Grad. Wärmster Tag war der 12. September mit 26,4 Grad Celsius. Am kältesten war es am 25. September mit 6,7 Grad.

Außergewöhnlich warme Nacht am 10. September

Insgesamt gab es nur vier Nächte, in denen die Temperaturen unter zehn Grad lagen. Außergewöhnlich warm war die Nacht am 10. September, das Minimum betrug nur 19,3 Grad. Blickt man bis 1781 zurück, findet man nur drei Septembernächte, die ein wenig wärmer waren.

Der erste Herbstmonat war zu trocken. Messbare Niederschläge fielen an nur sechs Tagen. Die Monatssumme betrug nur 70 Liter pro Quadratmeter (65 Prozent), normal wären 107 gewesen. Die Sonne schien 261 Stunden (146 Prozent), was bedeutet, dass es der zweitsonnigste September seit Bestehen dieser Messreihe 1937 war. Nur an einem Tag war keine Sonne zu sehen. Die höchste Windspitze betrug am 12. September 68 km/h.

VON SIEGMAR LORENZ (Wetterbeobachter im Observatorium auf dem Hohen Peißenberg)

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