Gemeinderat

Whiskey aus Schlehdorf: Ein weiteres Ja zur Destillerie - „Bauchschmerzen“ bleiben

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Schlehdorf soll bald Heimstätte für eine Whiskey-Destillerie werden.

Wohlwollend haben sich die Gemeinderäte in Schlehdorf zur geplanten Getreidemanufaktur mit Whiskey-Destillerie geäußert. Aber es kamen auch mahnende Worte.

Schlehdorf – Bereits im Mai, nachdem Christian Heinrich, der Initiator des Projekts „Schlehwerk“, dem Gemeinderat eine deutlich reduziertere Planung vorgelegt hatte, hatte das Gremium deutlich gemacht, dass es sich eine derartige Destillerie in Schlehdorf vorstellen könnte. Als Zeichen dafür hatten sich die Räte dafür ausgesprochen, das Verfahren zur notwendigen Änderung des Bebauungsplans auf den Weg zu bringen (wir berichteten).

Bevor er mit seinen Planungen weitermacht, wolle Heinrich nun aber noch eine „gewisse Planungssicherheit“, erläuterte Bürgermeister Stefan Jocher in der Sitzung am Donnerstag. Konkret geht es darum auszuloten, ob der noch einzureichende Bauantrag gute Chancen auf Zustimmung und Unterstützung der Räte hat. Jocher betonte noch einmal, dass die aktuelle Planung gegenüber der ursprünglichen „ziemlich eingedampft“ worden sei. Beispielsweise soll es statt einer Tiefgarage nun 37 oberirdische Stellplätze geben. Diese reichten aus, so Jocher.

Whiskey-Destillerie in Schlehdorf soll kleiner werden als ursprünglich geplant

Das geplante Gebäude beschrieb der Gemeindechef als „doppelkreuzförmigen Baukörper“ mit zwei so genannten Kopfbauten und einem Querriegel-Bau. Laut der aktuellen Planung soll dieser Neubau niedriger werden als ursprünglich angedacht. Geplant sind laut Jocher zwei Voll- sowie ein Dach- und ein Untergeschoss. Darin Platz finden sollen unter anderem eine Bäckerei, ein Shop, Tagungsräume sowie eine kleine Bierbrauerei, erläuterte Jocher auf Nachfrage des Tölzer Kurier. Die ursprünglich angedachten Übernachtungsmöglichkeiten seien nicht mehr vorgesehen.

Einem Gemeinderat bereitet die Whikey-Destillerie in Schlehdorf Bauchschmerzen

Werner Mest bezweifelte, dass das Projekt Schlehdorf guttun werde. Angesichts des bereits jetzt massiven Verkehrsaufkommens, unter dem der Ort und die Region leide, habe er „Bauchschmerzen“. Er befürchtet, dass Getreidemanufaktur und Destillerie das Verkehrsaufkommen noch zusätzlich erhöhen. Möglicherweise, so Mest, sei es nicht gut, „noch einen Publikumsmagneten zu schaffen. Noch mehr Verkehr kann nicht das Ziel sein.“

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Ob das „Schlehwerk“ die Verkehrsbelastung weiter erhöhe oder ob die Ausflügler, die eh schon da sind, dort nur noch einen Zwischenstopp einlegen – „da ist viel Spekulation dabei“, sagte Jocher.

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Was das künftige Sortiment im „Schlehwerk“ betrifft, habe Heinrich zugesichert, sich mit dem örtlichen Dorfladen abzustimmen, informierte Jocher. Dadurch soll eine Konkurrenzsituation verhindert werden. Das werde, so Jocher, auch noch schriftlich fixiert. Erst danach werde der Gemeinderat dem derzeit laufenden Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans abschließend zustimmen.

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Trotz Mests Zweifel sprach sich der Gemeinderat schließlich grundsätzlich für die Bebauung des Grundstücks im vorgelegten Umfang im Gewerbegebiet aus und stellte dem Bauantrag das gemeindliche Einvernehmen in Aussicht. Der Beschluss fiel einstimmig. Bürgermeister Jocher rechnet damit, dass der Bauantrag noch in diesem Jahr eingereicht. Baubeginn könnte dann in der ersten Jahreshälfte 2020 sein.

Franziska Seliger

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