Schliersee – Eigentlich wollte Franz Kroha im Herbst entscheiden, wohin er den Firmenstandort des Pflegeprodukte-Herstellers Sixtus verlegt. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen, aber gegen den Wunsch-Standort regt sich Widerstand.
Seit der Vorstellung der Pläne im Mai hat sich immerhin ein Vorzeichen geändert. Kroha ist mit dem Eigentümer der benötigten 4000 Quadratmeter Grund am südlichen Ortseingang von Schliersee handelseinig. Im September beschloss der Schlierseer Gemeinderat, auf sein Vorkaufsrecht zu verzichten. Damit ist auch ein Erbbaurecht-Modell oder dergleichen unter Beteiligung der Gemeinde vom Tisch. Ein solches hatte Michael Dürr (PWG) im Gemeinderat vorgeschlagen.
Das Gremium hat sich vergangene Woche abermals mit dem Bauwunsch von Sixtus befasst – nicht öffentlich. Nach Auskunft von Bürgermeister Franz Schnitzenbaumer (CSU) wurde noch einmal über „grundsätzliche Dinge diskutiert“. Ob ein Betrieb an dieser Stelle – nur durch die Bundesstraße vom See getrennt – hinpasst, ob eine Herausnahme des Geländes aus dem Landschaftsschutz gewünscht ist und ob die Gemeinde ihr Grundstück – weitere 2900 Quadratmeter – verkauft. Und zu welchem Preis. Eigentlich hatte Schliersee gerade einen Bebauungsplan für vier Wohngebäude in trockene Tücher gebracht. Aus dem Verkauf als Wohngebiets-Parzellen sollten 900 000 Euro in den Gemeindesäckel fließen. Einen Beschluss hat der Gemeinderat laut Schnitzenbaumer nicht gefasst.
Kroha hofft nun, bis Jahresende eine Entscheidung treffen zu können. Nach wie vor als mögliche Standorte im Spiel seien Irschenberg und eine Alternative in Hausham, wo das Unternehmen derzeit residiert. Gegründet wurde es 1931 in Schliersee, und da gehöre es eigentlich auch hin, findet Kroha. Der Miesbacher Unternehmer sagt: „Wir möchten uns nicht mit der Brechstange durchsetzen, sondern sind uns bewusst, dass das ein sensibler Bereich ist, mit dem wir auch sensibel umgehen wollen.“ So sich die Gelegenheit bietet, möchte er sein Gesamtkonzept öffentlich vorstellen. Neben Produktion und Vertrieb sollen auch Laden, ein Bistro, ja sogar Barfußweg und Kräuterpfad unweit des Schlierseer Ostufers entstehen.
Bereits genug von diesen Plänen gesehen hat Bernhard Sautter. Sie haben ihm nicht gefallen. Der Geschäftsführer der Wohnen, Bauen, Grund (WBG), der das angrenzende Wohngebiet gehört, ist Urheber eines riesigen Banners, das am Nordende der Wohnsiedlung an der Seestraße prangt: „Kein Industriebetrieb hier am Schlierseeufer.“ Er wolle damit eine Diskussion anstoßen, sagt er. Den Begriff Industriebetrieb habe er dabei bewusst provokant gewählt.
Kroha bekräftigt derweil, dass es sich um ein „stilles Gewerbe“ handelt. „Wir betrachten das eher als Manufaktur. “ Und natürlich solle sich das Betriebsgebäude harmonisch in die Landschaft einfügen. Den Unkenrufen bezüglich anonymer Investoren will der Miesbacher Unternehmer entgegentreten. „Das kann ich absolut ausschließen. Das bleibt alles in dem Unternehmensverbund.“ Wie berichtet, hatte im Gemeinderat für Irritation gesorgt, dass nicht die Sixtus GmbH, an der auch Fußball-Star Philipp Lahm beteiligt ist, sondern ein Unternehmen der Krohagruppe als Antragsteller auftritt. „Dass die operative Gesellschaft nicht Immobilien-Eigentümer ist, ist absolut üblich.“
Daniel Krehl