„urban gardening“ liegt im Trend

Wie die Grünen Wolfratshausen grüner machen wollen

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Mehr Blumen am Straßenrand wünschen sich die Wolfratshauser Grünen.

Das Problem ist bekannt: Es gibt immer weniger Lebensräume für Insekten und Vögel. Das wollen die Wolfratshauser Grünen in ihrer Heimatstadt ändern.

Wolfratshausen Den Wolfratshauser Grünen reicht der Blick auf den Bergwald und das Loisachufer nicht. Sie wollen mehr Wiesen, mehr heimische Blumen, weniger gemähte Flächen. Darüber sprachen die Mitglieder des Ortsverbands bei ihrem jüngsten Treffen im Wirtshaus Flößerei.

Die Vorsitzende Justyna Czajka nannte die Tatsache, dass immer mehr Flächen versiegelt würden und es immer weniger Lebensräume für Insekten und Vögel gebe, bedenklich. Sie forderte, jede Möglichkeit auszuschöpfen, um für Insekten Nahrungsquellen zu schaffen. Viele Privatleute gestalteten ihre Gärten schon so, dass Bienen und Hummeln Nektar fänden. Erfreulicherweise habe auch bei den Kommunen ein Umdenken eingesetzt, sagte die Ortssprecherin. So habe sie beobachtet, dass zum Beispiel an den Straßenrändern weniger gemäht wird: „Sogar entlang der Autobahn gibt es Wildwuchs.“

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Ein Vorbild ist für die Wolfratshauser Grünen der Kreisel an der Bundesstraße 11/Tattenkofener Straße in Geretsried. Dort habe die Stadt keinen Rasen und keine Blumen angesät. Was auf dem Hügel in der Mitte des Kreisverkehrs wachse, sei von selber angeflogen. Positive Beispiele finde man jedoch auch vor der eigenen Haustür. Der Anger an der Auenstraße mit seinen Königskerzen bilde einen „wunderbaren Speisesaal für Insekten“, meinte Czajka. Am Gipsenweg wuchere das Witwenkraut, in Weidach dürfe die Nachtkerze sich ausbreiten, der Happ’sche Garten im Markt bilde eine grüne Oase inmitten von Beton. Immer mehr Landwirte würden auf ihren Wiesen sogenannte Blühstreifen stehen lassen, was von der EU gefördert werde.

Co-Sprecher und Stadtrat Dr. Hans Schmidt erinnerte an einen Antrag der Grünen, sämtliches Straßenbegleitgrün als Magerrasen anzulegen. Er regt an, die zwar hübschen, aber teils exotischen Blumen in den Rabatten im Markt durch heimische Gewächse zu ersetzen.

Rita Schmid bedauerte, dass eine Margeritenwiese an der Königsdorfer Straße, auf der sich Bienen getummelt hätten, kürzlich gemäht worden sei. Auf solche Dinge sollte der Bauhof ihrer Meinung nach mehr Rücksicht nehmen. Andernorts habe sie das indische Springkraut gefunden, dass vernichtet gehöre. Dem widersprach der Grünen-Landtagskandidat, Biobauer und Imker Hans Urban aus Eurasburg. Das Springkraut sei eine beliebte Nahrungsquelle für Wildbienen. Nicht alle Neophyten müssten also zerstört werden.

Mehr naturnahes Grün in den Städten ließe sich nach Ansicht der Gärtnerin und Geretsrieder Grünen Lena Gneist durch „urban gardening“ erreichen. In München boome dieser Trend. Menschen ohne eigenen Garten könnten gemeinsam Hochbeete bepflanzen und gemeinsam die Früchte ihrer Arbeit ernten. Lucia Schmidt ergänzte, sie wolle die Bürger generell dazu motivieren, wieder mehr Obst und Gemüse anzupflanzen. Schon Kindergarten- und Schulkinder sollten an das Gärtnern herangeführt werden. tal

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