Nahverkehrsplan

Wie oft sollen künftig Busse im Tölzer Land fahren?

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Auch um Barrierefreiheit geht es im Nahverkehrsplan. Das Archivfoto zeigt Ralph Seifert, Behindertenbeauftragter des Landkreises und Busfahrer Peter Müller.
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Weitreichende Entscheidung in Sachen Busverkehr fällte der Kreis-Infrastrukturausschuss in seiner Sitzung in Bad Tölz.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Landkreis strickt seit einiger Zeit an einem neuen Nahverkehrsplan (NVP). Der ist mehr als wichtig, legt er doch fest, welche Qualität der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) im Landkreis künftig haben soll. Eine wichtige Entscheidung dazu fällte am Dienstag der Kreis-Infrastrukturausschuss. Er definierte die Haupt- und Nebenverkehrszeiten und beschloss die Rahmenkonzeption.

Nahverkehr: Darum sind die Verkehrszeiten wichtig

Das Festlegen von Zeiten hört sich banal an, hat aber große Auswirkungen. Als Hauptverkehrszeit gilt künftig montags bis freitags die Spanne von 6 bis 9 Uhr und 16 bis 20 Uhr. In dieser Zeit sollen Orte und Ortsteile über 900 Einwohner – 31 gibt es davon im Landkreis – im 20- bis 30-Minuten-Takt erschlossen werden. In Orten zwischen 200 und 900 Einwohnern wird ein Stundentakt angestrebt. Das heiße nicht, dass Orte unter 200 Einwohner gar nicht ans Busnetz angebunden werden, betonte Markus Haller von MVV Consulting. Soweit wirtschaftlich möglich, werde man auch diese Bereiche erschließen. „Aber sie stehen im Moment nicht so im Fokus.“ 

In der Nebenverkehrszeit (9 bis 16 Uhr) und der Schwachverkehrszeit wird das Angebot entsprechend ausgedünnt. Sowohl in den frühen Morgenstunden als auch später am Abend sollen aber auf jeden Fall Busse fahren. Gabriele Skiba (SPD) haderte ein bisschen mit dem Ende der Hauptverkehrszeit. „Ist 20 Uhr nicht zu kurz?“ Schließlich hätten viele Geschäfte abends so lange offen, viele Mitarbeiter erst später Schluss. „Es heißt ja nicht, dass nach 20 Uhr kein Bus mehr fährt“, sagte Haller. Nur die Anzahl der Verbindungen werde dann geringer. Welche Zeiten denn im aktuellen Nahverkehrsplan festgelegt seien, wollte Werner Weindl (CSU) wissen. „Keine“, antwortete Haller. In den 1990er-Jahren als der Plan aufgestellt wurde, sei das offenbar nicht vorgesehen gewesen.

Die Wochenenden gelten als Neben- beziehungsweise Schwachverkehrszeit. Allerdings müsse man die Erreichbarkeit von wichtigen Tourismuszielen wie die Seen oder auch Bergbahnen gesondert betrachten, so Haller.

Was ist mit den Haltestellen?

Damit Busse angenommen werden, ist es wichtig, dass die Haltestellen von den Bürgern schnell zu erreichen sind. Auch hier legt der Nahverkehrsplan einen Standard fest. Im Kernbereich von Mittelzentren wie Geretsried/Wolfratshausen und Bad Tölz soll die nächste Haltestelle maximal 300 Meter Luftlinie entfernt sein, in Unterzentren wie Lenggries sollen es maximal 400 Meter sein. In allen übrigen Orten wird eine maximale Strecke von 500 Metern angepeilt. Generell sollen 90 Prozent aller Einwohner im Landkreis im Einzugsbereich einer Bus- oder Bahnhaltestelle wohnen.

Welche Ziele hat der Nahverkehrsplan?

Das Rahmenkonzept gibt einige Einzelziele für die Entwicklung des ÖPNV vor. So soll sich der Fahrplan am Bedarf der Schüler orientieren, die einen hohen Anteil der ÖPNV-Nutzer stellen. Darüber hinaus sollen für alle landkreisübergreifende Verbindungen ausgebaut werden. In schwächer nachgefragten Zeiten sollen Bedarfsverkehre wie Anruflinientaxis angeboten werden.

Im Bereich Fahrgastinformation setzt man auf Digitalisierung. Dazu gehört unter anderem, dass digitale Anzeigetafeln an den Bushaltestellen in Echtzeit über Ankunfts- und Abfahrtszeiten informieren. Auch für die Barrierefreiheit sind Ziele im Plan formuliert. Bis 2022 sollen alle Haltestellen barrierefrei sein. „Wir werden hier eine Prioritätenliste vorgeben und sagen, wo man am besten anfängt“, sagte Haller. In Bussen soll geprüft werden, ob größere Sondernutzungsflächen – beispielsweise für Rollstuhlfahrer – vorgesehen werden können. Fahrplaninformationen möchte man auch für Blinde und Sehbehinderte zugänglich machen.

Im Bereich Tarif geht man bereits davon aus, dass der gesamte Landkreis bald MVV-Gebiet ist. Ein einheitlicher MVV-Tarif, der auch in allen Bussen gilt, wird daher festgeschrieben.

Wie geht es jetzt weiter?

„Wir sind mittendrin in der Planung“, sagte Haller zum Stand der Dinge in Sachen NVP. Zum Auftakt stand eine Ist-Analyse auf dem Programm. Nach der Präsentation erster Ergebnisse gab es im Oktober einen großen Workshop. 60 Teilnehmer aus der Kreispolitik sowie aus angrenzenden Landkreisen, von Verkehrsunternehmen und aus der Verwaltung waren ins Landratsamt gekommen. Dabei ging es unter anderem um Schüler- und Tourismusverkehre, Fahrgastinfos und Barrierefreiheit.

Nach dem Beschluss des Infrastrukturausschusses am Dienstag geht es nun weiter ins Detail. Im Sommer 2020 könnte der NVP beschlossen werden.

Danach muss der Plan mit Leben gefüllt werden. Beispielsweise müssen Buslinien neu eingerichtet oder Takte verdichtet werden. „Diesen Ausbau gibt es nicht umsonst“, sagte Landrat Josef Niedermaier (FW) schon mal vorsorglich. „Aber wir werden dieses Geld investieren müssen, wenn wir eine Verkehrswende wollen.“ Werner Weindl (CSU) warnte aber davor, Geld zu leichtfertig auszugeben. „Man muss wirklich über jede einzelne Linie abstimmen, sonst zerreißt es die Gemeinden irgendwann durch die Kreisumlage.“ Denn der ÖPNV müsse ja auch irgendwie finanziert werden.

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